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Wir sind Helden: "Gekommen um zu bleiben"

Den Traumstart haben die "Helden" hinter sich, die ersten Lorbeeren sind geerntet - jetzt wird es ernst.

Nach anderthalb Jahren Rummel und einer mehrmonatigen Pause meldet sich die deutsche Band Wir sind Helden am 4. April mit ihrem zweiten Album "Von hier an blind" zurück. Die Erwartungen sind riesig - doch das stört die vier jungen Musiker wenig. Schon der Name der Single, die seit Wochen aus den Radios der Republik tönt, gilt als Programm: "Gekommen um zu bleiben".

Gekommen, quasi aus dem Nichts - das waren die vier "Helden" um Sängerin Judith Holofernes (28) vor zwei Jahren: Der erste Titel "Guten Tag" lief ganz ohne Plattenvertrag auf MTV und schaffte es gleich in die Charts. Mit diesem und anderen frechen, pointierten Anti-Kommerz-Songs überzeugten die Musiker Kritiker und Fans, sie wurden mit Auszeichnungen überschüttet, galten als die deutsche Nachwuchsband schlechthin und wurden von den Feuilletons als Anführer einer "Neuen Neue Deutsche Welle" gefeiert. Ihr Debütalbum "Die Reklamation" verkaufte sich schließlich über eine halbe Million Mal.

Einfach Musik machen

"Ob wir eine Welle anführen oder auf einer Welle reiten, das spielt für uns keine große Rolle", sagt Holofernes heute beim Interview in einem Berliner Café. Sie seien auch nicht angetreten, um Sprecher einer Generation zu sein. Die Band will einfach "ihre" Musik machen. Und die ist diesmal fast noch persönlicher als auf der ersten Platte - "irgendwie innerlicher", sagt Holofernes. In den vergangenen Monaten habe sie sich sehr intensiv mit dem Tod und der Angst vor Abschieden auseinander gesetzt. "Sich mit seinen tiefsten Ängsten zu beschäftigen, ist das Wirkungsvollste, wenn man vorhat, irgendwann sehr glücklich und frei durchs Leben zu gehen", meint die 28-Jährige.

Herausgekommen sind einerseits einige nachdenkliche, schön- traurige Lieder über die Liebe, aber auch über persönliche Ängste. Songs mit poetischen, verschlüsselten Texten. "Lieder zu schreiben ist eine Kunst, mit der man die Dinge so vielschichtig und schillernd belassen kann, wie sie sind", sagt Holofernes.

Doch das ist nur die eine, die ruhigere Seite. Denn auch auf ihrem neuen Album üben die "Helden" pointiert Kritik, singen sich ihre Wut über bestimmte Dinge von der Seele. Laut-rockig, aber nicht aggressiv. "Wenn du mit zwanzig deinen Hintern entdeckst/Und ihn fortan in jede Kamera streckst/Dann passt dein tolles neues Selbstgefühl/perfekt in jedes Marketingkalkül", singen sie im neuen Titel "Zieh dir was an" - und spielen damit auf einschlägige Fernsehformate und bestimmte Boulevard-Medien an.

Auf dem Boden geblieben

"Das kälteste Gewerbe der Welt" heißt es außerdem in "Zuhälter" über das professionelle Musikgeschäft. Sie habe inzwischen erlebt, wie "zynisch" und "abgewrackt" dieses Business sein könne, erzählt Holofernes, der - wie sie sagt - Musik sehr viel bedeutet. "Musik war für mich immer das Transportmittel für meine größten Gefühle."

Entspannt, ungekünstelt und natürlich wirken die "Helden", auch wenn sie über ihren eigenen, rasanten Aufstieg reden. Als Superstars fühlen sie sich bis heute nicht. Und so sehen sie auch den Reaktionen auf ihre neue Platte halbwegs gelassen entgegen. "Man merkt den Druck, aber er war noch nie so stark, dass wir irgendwie Probleme damit gehabt hätten", sagt Schlagzeuger Pola Roy (29). Und was tun, wenn das Album nicht derart einschlägt wie das erste? "Bisschen weinen und dann die nächste Platte machen", meint Holofernes.

Erfolg um jeden Preis, das kommt für die Musiker jedenfalls nicht in Frage. Holofernes berichtet beispielsweise, sie habe bereits kurz nach "Guten Tag" eindeutige Angebote von Männermagazinen bekommen - und abgelehnt. "Denen haben wir als Gegenangebot geschickt, dass die Jungs das gerne machen würden", erzählt sie und schmunzelt. "Die haben sich dann aber nicht wieder gemeldet."

Christoph Trost/DPA / DPA
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