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Missstand in der Medienbranche: Ärger beim Deutschen Fernsehpreis: keine Drehbuchautoren erwünscht?

Sie sind die Köpfe hinter den Serien und Filmen, die wir sehen. Ohne sie hätten Schauspieler und Regisseure keine Jobs und wir nichts zu gucken. Aber dem Deutschen Fernsehpreis sind Drehbuchautoren nicht wichtig genug, um sie einzuladen.

Das Publikum bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises

Die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises: Ist für die Drehbuchautoren hier kein Platz?

Damit ein Film oder eine Serie entstehen kann, braucht es erst einmal eine Idee. Die muss jemand haben, er muss sie mühevoll ausarbeiten und dann in langwieriger Arbeit zu einem Drehbuch entwickeln. Ohne das gäbe es – nichts.

Das scheint den Initiatoren des Deutschen Fernsehpreises, der am 26. Januar in Köln verliehen wird, egal gewesen zu sein. Für alle nominierten Serien und TV-Filme lud man zwar Schauspieler, Regisseure und Produzenten ein, die Autoren aber blieben außen vor.

Keine Einladung für Autoren – aus Platzgründen?

Ein Mitglied des Verbandes Deutscher Drehbuchautoren erhielt hierfür die Begründng, "dass der Deutsche Fernsehpreis dadurch, dass es in diesem Jahr eine Serienkategorie gibt, ein deutliches Platzproblem hat und daher generell bei allen Filmproduktionen in der ersten Einladungsrunde darauf verzichtet hat, Autorinnen und Autoren einzuladen".

Die Empörung darüber war groß. Denn sie steht für ein generelles Problem in der deutschen Medienszene. Anders als in Ländern wie England, den USA oder Dänemark gelten Drehbuchautoren in Deutschland erschreckend wenig.

Ein Problem, das auch der Autor Jan Braren ("Homevideo", "Tatort") kennt. "Die dummdreiste Einladungspolitik der Veranstalter des Fernsehpreises ist leider nur ein weiteres Beispiel für die Geringschätzung, mit der Autoren in der Film- und Fernsehbranche behandelt werden. Und ich unterschreibe fast alles, was dazu in den letzten Tagen von anderen Autoren gesagt wurde", sagt er. "Skandalöser als eine Nichteinladung beim Fernsehpreis finde ich allerdings die Arbeits- und Vertragsbedingungen der Autoren."

Drehbuchschreiber haben es in Deutschland schwer

Er schildert den Alltag als Drehbuchschreiber: "Wenn der schwierige Prozess der Buchentwicklung, in dem nicht selten die Meinungen und Ideen gleich mehrerer Redakteure, Darsteller, Produzenten und des Regisseurs in Einklang gebracht werden müssen, wenn dieser Prozess nicht flüssig voranschreitet, dann werden Autoren eben ausgewechselt und mit einem lächerlichen Handgeld für monate-, manchmal jahrelange Arbeit vor die Tür gesetzt. Die Rechte an ihren Geschichten haben sie da längst abgetreten."

Der 49-Jährige erklärt: "Verträge für Autoren sehen heute so aus: Kleines Geld fließt bei Vertragsabschluss und bei Abgabe der ersten, manchmal auch noch der zweiten Fassung. Dann arbeitet man über einen langen Zeitraum ohne Geld und ohne Absicherung. Der Löwenanteil der Bezahlung fließt erst bei Drehbeginn. Gut, wenn man es bis dahin geschafft hat, im Sattel zu bleiben."

Um finanziell über die Runden zu kommen, muss an mehreren Büchern parallel gearbeitet werden. Das heißt: sehr viel Arbeit für wenig Bezahlung und noch weniger Anerkennung. "Ich wünsche mir eine stärkere Berufsvertretung für Autoren. Eine Organisation wie die Writers Guild in den USA, die beispielsweise durch Streiks Einfluss auf die Branche ausüben kann, finde ich vorbildhaft", so Braren.

Ohne die Arbeit der Autoren gäbe es nichts zu sehen

Autoren sind in den allermeisten Fällen keine Rampensäue. Das ist vielleicht Teil ihres Problems. In der Regel drängen sie sich nicht ins Scheinwerferlicht, sondern fühlen sich an der Laptop-Tastatur ganz wohl. Aber so ganz außen vor gelassen zu werden, das hat selbst die genügsamen Fleißarbeiter auf die Palme gebracht. Auch der Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) empörte sich über die Haltung der Fernsehpreis-Oranisatoren.

Schnell gab es auch Unterstützung von Produzenten und Regisseuren. So meldete sich Filmemacher Leander Haußmann ("Sonnenallee") zu Wort: Auf Facebook gab er ein emotionales Statement zur Situation der deutschen Drehbuchautoren ab.

"Das Verhalten der Initiatoren des Fernsehpreises steht für ein generelles respektloses Verhalten von Redakteuren und Produzenten und Regisseuren gegenüber Autoren", so Haußmann. "Es ist der Ausdruck einer Branche, die ihre wichtigsten Mitarbeiter nicht schätzt, nicht pflegt. Autoren sind vogelfrei, sie haben keine Garantien, sie arbeiten in das Nichts hinein. Boykottiert den Fernsehpreis!"

Geballter Protest bewirkte ein Einlenken

Ob es nun die namhaften Kritiker waren, der geballte Protest der Autoren und des VDD oder auch unsere Nachfrage bei der Pressestelle des Deutschen Fernsehpreises (die bisher unbeantwortet blieb) – in Köln überarbeitete man flugs seine Einladungspolitik. Nachträglich wurden am Mittwoch auch die Autoren der nominierten Produktionen eingeladen. Ein schönes Beispiel dafür, was Zusammenhalt in der Branche bewirken kann.

Der Fernsehpreis in der Kategorie "Bestes Drehbuch" geht übrigens in diesem Jahr an Hanno Hackfort, Richard Kropf, Bob Konrad, Benjamin Hessler und Marvin Kren für "4 Blocks", an Hans-Christian Schmid und Bernd Lange für "Das Verschwinden" und an Anne-Marie Keßel für "Nackt. Das Netz vergisst nie". Außerdem werden Shows wie "Babylon Berlin", "Charité" oder "Der gleiche Himmel" ausgezeichnet.

Tatort Babbeldasch