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"Das Geheimnis meiner Familie": Mutter Beimer ist keine Clinton

US-Ahnenforscher behaupten, dass Barack Obama mit George W. Bush verwandt und ein Cousin von Brad Pitt ist. Ahnenforschung liegt im Trend und Genealogie-Portale boomen. Jetzt will auch die ARD ein Stück vom Kuchen abhaben.

Von Katharina Miklis

StudiVZ und MySpace waren gestern. Jetzt wird mit der Familie "gegruschelt". Die Deutschen sind auf der Suche nach ihren Wurzeln. Ihr neu entdecktes Interesse am Familienstammbaum lässt immer mehr Genealogie-Portale entstehen, mit Hilfe derer man sich auf eine Reise in die eigene Vergangenheit begeben kann. Sie heißen ancestry.de, genealogy.net, familyone.de oder verwandt.de und sie helfen bei der Suche nach den eigenen Vorfahren.

Im Ausland gibt es diesen Trend schon lange. Im Vergleich zu England, Frankreich, Italien und den USA ist Deutschland eher Spätstarter in Sachen Ahnensforschung. In den USA hingegen ist sie nach der Gartenarbeit bereits das beliebteste Hobby. In Großbritannien feiert das BBC-Format "Who Do You Think You Are" schon lange große Erfolge. Vier Staffeln sind bisher gelaufen. Unter anderem begaben sich dort Promis wie Jeremy Irons ("Das Geisterhaus", "Stirb langsam") auf Spurensuche.

Längst nicht mehr nur schrulliger Zeitvertreib von Adligen und Rentnern

Auch der deutsche Filmregisseur Rosa von Praunheim hat einen Dokufilm über seine Vatersuche gemacht. Dass er in einem Knast in Riga geboren wurde und seine leibliche Mutter an Schizophrenie litt, verarbeitete er in seinem aktuellen Kinofilm "Meine Mütter - Spurensuche in Riga".

Jetzt wollen auch die Öffentlich-Rechtlichen etwas vom Kuchen abhaben. In der vierteiligen ARD-Doku-Serie "Das Geheimnis meiner Familie" begeben sich deutsche Promis auf Ahnensforschung, die laut ARD-Chefredakteur Thomas Baumann längst nicht mehr nur "schrulliger Zeitvertreib von Adligen und Rentnern" ist. Armin Rohde sucht nach seinem Großvater. Schauspielerin Christine Neubauer will das Geheimnis um ihre Oma lüften, und Peter Maffay begibt sich auf Spurensuche nach seinem Großvater. Den Anfang machte in der ersten Folge der Staffel die 67-jährige Schauspielerin Marie-Luise Marjan. Ausgerechnet der Inbegriff des Mütterlichen ist ohne Mutter aufgewachsen. 1940 kam sie als Marlies Wienkötter zur Welt und direkt darauf ins Heim. Die "Mutter der Nation" aus der "Lindenstraße" erfuhr erst spät, dass sie bei Adoptiveltern aufwuchs. Erst mit 16 lernte sie ihre leibliche Mutter kennen. Von ihrem Vater wusste sie gar nichts. Bis jetzt.

Den Namen ihres Vaters wollte Marjans Mutter nie verraten. Sie erzählte nur Bruchstücke. Von einem Luftwaffenoffizier aus Würzburg, der kurz nach Marie-Luises Geburt als Kampfflieger ums Leben kam. In dem 45-minütigen Film von Heiko Schäfer reist Marjan durch die ganze Bundesrepublik - vom Ruhrgebiet bis ins Allgäu - und machte ungeahnte Entdeckungen. Bisher bestand ihre Familie immer aus ihren Kollegen aus 22 Jahren "Lindenstraße". Kein Ehemann, keine Kinder. Jetzt ist plötzlich alles anders. Auf ihrer Reise in die Vergangenheit erfährt Marjan nicht nur die Wahrheit um ihre Geburt, sie schließt Frieden mit ihrer verstorbenen Mutter und findet sogar einen Halbbruder und einige Cousins und Cousinen. Die Kamera ist natürlich dabei, wenn sich die beiden das erste Mal gegenüberstehen. Das Klavier klimpert melancholisch im Hintergrund. Ein peinlicher Moment. Die Worte fehlen. Der "neue" Bruder ist unsicher: "Ich stamme doch nur aus einem einfachen Milieu". Der Zuschauer weiß nicht so richtig, ob er wirklich an diesem persönlichen Moment teilhaben will. Eigentlich nicht. ARD-Chefredakteur Baumann ist jedoch vom "idealen Stoff fürs Fernsehen" überzeugt: "Familienforschung ist 'Familie zum Anfassen' und verbindet oftmals dramatische historische Entwicklungen mit persönlichen Schicksalen".

Richtig tränenreich wird es nächste Woche, wenn sich Armin Rohde zusammen mit seinem Vater auf Spurensuche begibt und herausfindet, dass sein Großvater, ein SS-Mann, diverse Juden im Warschauer Ghetto erschossen hat. Darauf folgen die mehr oder weniger bewegenden Geschichten von Christine Neubauer und Peter Maffay.

Zurück zu den US-amerikanischen Ahnenforschern: Die wollen kürzlich nicht nur die Verbindung zwischen Brad Pitt und Barack Obama erkannt haben. Auch Hillary Clinton soll über viele Ecken mit Madonna, Celine Dion und Alanis Morissette verwandt sein. Es klingt ein bisschen danach, als wäre irgendwie jeder mit jedem verwandt. Und wer weiß, hätte Marie-Luise Marjan in der ARD noch etwas weitergeforscht, vielleicht hätte sie auch noch eine Verbindung zur Clinton gefunden. Dann wäre es vielleicht sogar noch spannend geworden in der ARD.

"Das Geheimnis meiner Familie", vier Folgen, montags um 21 Uhr in der ARD