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"Der geheimnisvolle Schatz von Troja": Das Schema F

Geschichts-Nachhilfe für Jedermann: Wieder mal gibt es einen historischen Zweiteiler im deutschen Fernsehen. Diesmal geht es quasi ins Altertum. Heino Ferch spielt den Archäologen Heinrich Schliemann, der Troja finden will. Eine Spurensuche in seinem Gesicht.

Von Inga Leister

Es könnte an den Mädchen liegen. Die am Rand der Turnhalle vor wichtigen Turnieren zugeguckt haben, als Heino Ferch als Jugendlicher am Reck turnte - und kicherten, wenn er unsanft auf der Matte landete. Angeblich war ihm das damals total egal. Und trotzdem spielt dieser "Tut ja gar nicht weh"-Gesichtsausdruck in seinen Filmen heute die größte Rolle.

Seine Muskeln können was, ohne Frage. Nur die im Gesicht benutzt er selten. Da kann er verschüttet werden wie in "Das Wunder von Lengede". Oder sein Sohn hinter "Der Mauer" auf der anderen Seite Deutschlands vergeblich auf ihn warten. Der stoische Ausdruck bleibt fast immer.

Ein Gesicht ein Stein

So macht er Geschichte. Eher sicher als langsam liest sich Ferchs Filmographie wie ein "Best of" der Historie: Er war Albert Speer in "Der Untergang", Botschafter Coulaincourt in "Napoleon", Vercingetorix in "Caesar". Als Fluchthelfer rettete er DDR-Bürger durch den "Tunnel", mit der "Luftbrücke" die Berliner vor dem Verhungern, zu Zeiten des Kalten Krieges. Viel Drama, viel Pathos - und ein Gesicht aus Stein.

Er mag keine "Vorzeige-Schauspielerei", möchte nicht den Schauspieler mitspielen, der eine Rolle verkörpert. Angeblich hat mal jemand zu ihm gesagt: "Deine Fresse passt ab dem Zeitalter der Industrialisierung." Es findet sich in diesem Gesicht auch wenig, was nicht passen könnte. "Dezent hinter der Rolle bleiben", nennt Ferch das.

Der deutsche Bruce Willis

Schema F ändert sich auch mit "Der geheimnisvolle Schatz von Troja" nicht. Heino Ferch ist Heinrich Schliemann. Oder anders herum. Denn der Archäologe, wie das Drehbuch ihn schreibt, bietet Ferch die Gelegenheit, mal wieder seine Schubladen auszukippen: einsamer Wolf, besessener Abenteurer, mutiger Macher. Typisch deutsch findet er es, wenn er sich so eingeengt beschrieben findet. Trotzdem spielt er immer wieder so, dass man ihn in einer Kommode in der Schublade mit Bruce Willis suchen würde, bei den kugelsicheren Westen, weit weg von den Wollsocken.

Manchmal sogar ein Arschloch

Diesmal will, nein, muss Heino Schliemann Troja und den Schatz des Priamos finden. Ganze Felsbrocken liegen ihm dabei im Weg und intrigante Rivalen. Ein glatter Held Schliemann ist Ferch nicht, sondern ein arroganter Chauvi, ein Machtmensch, manchmal sogar ein Arschloch. Der Altertumsforscher lässt sich mit einer jungen Griechin verheiraten. Er gräbt wie ein Verrückter. Ferch schwimmt, Ferch reitet, Ferch würde sogar abheben und fliegen, wenn es das Drehbuch verlangt. Aber Ferch macht kaum eine Miene zum Spiel.

Er trägt eine Maske. "Es ist in der Schauspielerei fatal: Einerseits muss du die Leute in die Seele schauen lassen aber andererseits brauchst du eine Distanz, die dich schützt", hat er in einem Interview gesagt. Den Abstand verteidigt er auch, wenn es um sein Privatleben geht. Möglichst wenig davon will er preisgeben, von seiner Tochter Luise zum Beispiel erfuhr die Öffentlichkeit erst ein Jahr nach der Geburt.

Ferch hält sein Privatleben geheim

"Der geheimnisvolle Schatz von Troja" ist einer dieser Filme, die - um Ferchs eigene Worte zu benutzen - mit dem Säbel rasseln. Ein Film, der beim Zuschauer hängen bleibt und den 43-Jährigen noch mehr als Dauerhelden versteinert. Er selber sieht sich zwar nicht so. Aber wer denkt bei so viel Action schon an seine kleineren, ruhigeren Filme wie "Ghetto", "Auf ewig und einen Tag" oder "Vom Suchen und Finden des Glücks"?

Er ist und bleibt der Mann für Druck von allen Seiten. Eigentlich wäre er gerne mal komischer. Aber die lustigen Drehbücher, die ihm angeboten werden, sind vor allem: nett. "Und nett interessiert mich überhaupt nicht." Schliemann war seine eigene Idee, er hat am Drehbuch mitgearbeitet. Also wenn es mit dem Humor weiter nicht klappt - die Geschichtsbücher sind ja noch dick...

"Der geheimnisvolle Schatz von Troja", Sat1, 19. und 20. März um 20.15 Uhr