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"Eurovision Song Contest" ARD kriegt Stefan Raab rum


Eigentlich hat schon keiner mehr daran geglaubt, nun hat die ARD Stefan Raab überraschend doch noch weich geklopft: Raab wird in einer Castingshow im Ersten und bei ProSieben den Kandidaten für den nächsten "Eurovision Song Contest" suchen. Eine Kooperation, die es zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und den Privaten in dieser Form noch nie gegeben hat.
Von Katharina Miklis

Der erste Versuch einer Zusammenarbeit zwischen dem Norddeutschen Rundfunk und Raab war im Mai dieses Jahres grandios gescheitert. Panikreaktionen, ein Schnellschuss und falsche Absprachen hatten zu einer wahren Eurovisions-Blamage bei der ARD geführt. Hinter vorgehaltener Hand hatte man damals Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung, als Schuldigen ausgemacht. Er war senderintern in die Kritik geraten, da er die ARD-Spitze erst einen Tag vor der geplanten Pressekonferenz von den bereits monatelangen Verhandlungen mit Stefan Raab über eine geplante Zusammenarbeit informiert haben soll. Immerhin könnte er jetzt als Held aus dem Eurovisions-Debakel und den Querelen um Stefan Raab hervorgehen. Jetzt, wo es doch geklappt hat, und Raab sich hat erweichen lassen, mit der ARD gemeinsame Sache zu machen, dürften die Wogen wieder geglättet sein. Schreiber überrascht das Happy End des ARD-Streits nicht: "Eine gute Idee ist eine gute Idee."

Im Mai hatte Raab der ARD abgesagt, weil ihm die Vorgehensweise in dem Senderverbund zu umständlich erschien. "Die Entscheidungswege in der ARD sind derart kompliziert, dass sie mit unserer Arbeitsweise nicht vereinbar sind", sagte er damals in einem Interview mit dem "Spiegel". Das Interesse scheint jedoch auf beiden Seiten weiterhin so groß gewesen zu sein, dass man sich nun doch geeinigt hat. ProSiebenSat.1-TV-Vorstand Andreas Bartl zu der außergewöhnlichen Zusammenarbeit: "Wenn es um eine so große Sache geht, müssen Grenzen überwunden werden. Ich freue mich ganz besonders, dass sich Stefan Raab als herausragender Entertainer, Musikproduzent und Star der jungen Mediengeneration dieser nationalen Aufgabe annimmt."

Somit wird es nun doch zu einer Kooperation von Öffentlich-Rechtlichen und den Privaten kommen, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat: Stefan Raab wird gemeinsam mit dem Ersten, ProSieben sowie den Pop- und jungen Wellen des ARD-Hörfunks den deutschen Beitrag für das Finale des "Eurovision Song Contest 2010" am 29. Mai 2010 in der norwegischen Hauptstadt Oslo suchen. Der nationale Vorentscheid im Frühjahr 2010 wird acht Sendungen umfassen und in Form einer Castingshow aufgebaut: 20 Finalisten werden um das Ticket nach Oslo kämpfen. Das TV-Publikum wird zunächst in fünf Vorentscheidungssendungen auf ProSieben, dann im Viertelfinale im Ersten, gefolgt vom Halbfinale auf ProSieben und schließlich im Finale im Ersten live entscheiden, mit welchem Künstler und welchem Song Deutschland in Oslo antreten wird. Gesucht werden junge, bislang noch nicht bekannte Künstler. Die genauen Bewerbungskriterien werden im Spätsommer veröffentlicht.

Stefan Raab soll in den acht Sendungen von namhaften Mitjuroren aus der Musik- und Entertainmentbranche unterstützt werden. Moderator und Musikproduzent Raab hat selbst dreimal am Grand Prix teilgenommen (1998 als Produzent von Guildo Horn, Platz sieben; 2000 als Produzent und Sänger mit "Wadde hadde Dudde da?", Platz fünf; und 2004 als Produzent von Max Mutzke, Platz acht). In seinem 2005 ins Leben gerufenen "Bundesvision Song Contest" vollzieht er auf ProSieben bereits erfolgreich seine Version eines Song Contests.

Ist dieser Pakt mit dem Teufel nun ein Offenbarungseid der Öffentlich-Rechtlichen? Ein Zugeständnis der eigenen Unfähigkeit? Ein krampfhafter Versuch, den Grand Prix zu retten und junge Zuschauer zu gewinnen? Oder ist es einfach nur ein gemeinsames Projekt für eine gute Sache? NDR-Intendant Lutz Marmor kommentierte die Zusammenarbeit am Montagmorgen mit den Worten: "Wo, wenn nicht beim Grand Prix, macht ein ungewöhnliches senderübergreifendes Experiment Sinn? Wer wagt, gewinnt: Deutschland kann sich auf einen spannenden Grand-Prix-Vorentscheid freuen!". Stefan Raabs Statement fiel weitaus kürzer aus: "Na also, geht doch..."


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