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TV-Kritik

"Goldene Kamera" 2018: Hollywood-Flair, Politik und ein dämlicher Sexisten-Witz. Das war die "Goldene Kamera"

Naomi Watts, Ewan McGregor und Liam Neeson brachten Hollywood zur "Goldenen Kamera". Und es wurde nicht nur emotional, sondern auch politisch. Nur einer lag mit seiner Performance völlig daneben. 

Ewan McGregor, Naomi Watts, Liam Neeson bei der "Goldenen Kamera"

Ewan McGregor, Naomi Watts und Liam Neeson bekamen die "Goldene Kamera" verliehen und brachten ein bisschen Hollywood-Flair nach Hamburg.

Picture Alliance

Am Donnerstagabend wurde in Hamburg zum 53. Mal die "Goldene Kamera" verliehen. Drei der Preisträger standen schon vor Beginn der feierlichen Show fest: Hollywoodstar Liam Neeson wurde mit dem Award fürs "Lebenswerk international" geehrt, seine Kollegen Naomi Watts und Ewan McGregor in den Kategorien "beste Schauspielerin international" und "bester Schauspieler international". 

Conchita eröffnet die "Goldene Kamera"

Doch der Abend begann erstmal mit Musik. Conchita, ESC-Siegerin von 2014, die die "Wurst" im Namen mittlerweile abgelegt hat, eröffnete auf gewohnt dramatische Art und Weise. Im Gespräch mit stern verriet der österreichische Star vor der Verleihung: "Ich singe einen Song, den alle kennen und der die Leute auf den Tischen tanzen lässt." Nun ja, auf den Tischen tanzten die Leute nicht, aber "I'm so excited" (zusammen mit den Pointer Sisters) war schon das erste Highlight des Abends.

Senta Berger und Palina Rojinski erwähnten in ihrer Laudatio als erste die MeToo-Debatte. Und brachten die wichtige Botschaft der aktuellen Diskussion klug auf den Punkt: "Zusammenhalt gibt es nur, wenn man auch Wahrheiten ausspricht", sagte Berger. Und Rojinski fügte hinzu: "Die Zeit für Leute, die keine Achtung für Frauen und Respekt vor anderen haben, ist vorbei. The future is equal." Nicht jeder der Redner bewies ähnliches Fingerspitzengefühl. Aber dazu an späterer Stelle mehr. 

Naomi Watts, Liam Neeson und Ewan McGregor: Hollywood-Flair bei der "Goldenen Kamera"

Dank Neeson, Watts und McGregor bekam die zum Teil etwas langatmige Show einen Hauch Hollywood-Flair. Besonders Watts demonstrierte in ihrer Dankesrede, wie charmant und intelligent man heutzutage als Mensch der Öffentlichkeit wichtige, politische Belange hervorheben kann. Denn die 49-Jährige bedankte sich bei einer Teenagerin. "Danke an Emma Gonzalez", sagte sie auf der Bühne. Die erst 18-Jährige Gonzalez sorgt derzeit in den USA für Furore. Sie überlebte den Amoklauf in Parkland, Florida und beeindruckte mit ihrer Rede die Nation. "Mit großem Respekt sehe ich, wie die jungen Menschen von heute aufbegehren und sich ihre Sicherheit und die Kontrolle zurückholen wollen", sagte Watts. 

Naomi Watts "Goldene Kamera"

Naomi Watts hat die "Goldene Kamera" in der Kategorie "Beste Schauspielerin International" gewonnen. In ihrer Rede wurde sie politisch. Und dankte einer Teenagerin. 

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Michael Mittermeier mit Sexismus-Witz

Wie man mit einer Rede komplett daneben liegen kann, bewies Comedian Michael Mittermeier kurz vor Ende der feierlichen Verleihung. Er sollte die Laudatio für das beste "Dokutainment"-Format halten und versuchte sich an politischer Satire. Die GroKo und Donald Trump bekamen ihr Fett weg. So weit, so unlustig. Mittermeier verpasste es leider auch, sich einen intelligenten Witz zu MeToo, Weinstein und Co. auszudenken. Stattdessen sprach er von "Schlampe". "Ach, Schlampe darf man ja nicht mehr sagen. Schlampe ist sexistisch, Bitch ist cool", sagte er. Vielleicht sollte er sich beim nächsten Mal von den amerikanischen Late-Night-Moderatoren inspirieren lassen - die zeigen fast täglich, wie mutig und klug man die politisch prekäre Situation von heute aufs Korn nehmen kann. Mittermeiers Auftritt machte wieder einmal klar: Im Jahr 2018 erwartet man von einem Comedian, der sich an politische Themen traut, einfach mehr.

Wer hat gewonnen?

Die großen Gewinner des Abends waren Volker Bruch für seine Rolle in "Babylon Berlin", Petra Schmidt-Schaller, die zur besten Schauspielerin gekürt wurde, die Dokutainment-Serie "Bares für Rares", Nachwuchsstar Louis Hofmann, die "TNT"-Serie "4 Blocks" und die Stars hinter der letzten Staffel von "Sing meinen Song - das Tauschkonzert". "Bester deutscher Fernsehfilm" wurde "Jürgen - heute wird gelebt" mit Charly Hübner und Heinz Strunk (der auch das Drehbuch schrieb). Christiane Hörbiger wurde mit dem Preis fürs "Lebenswerk" geehrt. Die "Goldene Kamera" 2018 hat wieder einmal gezeigt: Politik, kulturelle Debatten und Entertainment sind heute nicht mehr voneinander zu trennen. Und sollten es auch nicht sein.