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"GZSZ"-Bösewicht Wolfgang Bahro: "Bis Steven Spielberg anruft"

Deutschlands dienstälteste Daily Soap feiert Geburtstag: "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" gibt es seit nunmehr 15 Jahren. Im stern.de-Interview spricht der Serien-Bösewicht Wolfgang Bahro über gute Szenen, schlechte Szenen, seine netten Seiten - und Karriere-Aussichten

Glückwunsch zum 15. Geburtstag von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", Herr Bahro. Wird angemessen gefeiert?

Ja. Es gibt an diesem Samstag eine große, interne Party. Und eine Woche später eine Feier im Filmpark Babelsberg - mit den Fans, für die Fans. Bei der wir alle den ganzen Tag lang da sein werden.

Sie sind fast von Anfang an bei "GZSZ" dabei...

...ich bin ein halbes Jahr nach Beginn eingestiegen, ja.

Ist das auf Dauer nicht langweilig?

Da frage ich zurück: Sie machen ihren Job sicher auch schon ein paar Jahre - ist Ihnen langweilig?

Nein. Aber eine Daily Soap zu drehen ist ja wie am Fließband zu arbeiten.

Die Arbeit am Fließband ist sehr stupide, was man von so einer Seifenoper nicht sagen kann; es gibt immer neue Geschichten, neue Kollegen - insofern kann man das nicht vergleichen. Es wird bei uns zwar schneller gearbeitet als bei anderen Produktionen, wo drei oder fünf Minuten das Tagessoll sind, während wir 25 Minuten produzieren. Aber es ist nicht so, dass die Arbeit langweilig wird. Und ich mache auch mal was anderes. Ich komme ja vom politischen Kabarett, von der Komödie, ich habe mit Dieter Hallervorden eine Serie gemacht und war lange bei den "Stachelschweinen"...

...einem Kabarett in Berlin...

...und spiele da noch immer in einem Sonderprogramm mit. Und jetzt habe ich einen Drehtag bei "Löwenzahn", da spiele ich einen Mann, der versucht, Fritz Fuchs, dem Nachfolger von Peter Lustig, ein Mondgrundstück zu verkaufen.

Bei "GZSZ" spielen Sie den dauerfiesen Anwalt Jo Gerner. Wären Sie gern mal lieb?

Nein. Der Gerner ist ja auch nicht nur böse...

...na, der intrigiert schon sehr viel.

Aber nur gegen Leute, die ihm an den Wagen fahren. Er macht das nicht um des Intrigierens Willen. Sondern, dann, wenn er sich einen Vorteil erhofft oder irgendwelche Leute ihm was angetan haben und er sich rächen will. Der Gerner hat viele Facetten: Er kann sympathisch sein, wenn es um Kinder geht, er kann sehr humorig sein und natürlich auch richtig fies. Das macht ihn aus, während ein positiver Charakter stereotyp sein muss - freundlich, nett, verständnisvoll. Was einem auf Dauer ein bisschen auf die Nerven gehen kann.

Den ersten Satz der Serie sprach Ihr Kollege Frank Thomas Mende alias Clemens Richter: "Was ist denn?", lautete der. Erinnern Sie Ihre Einstiegsworte?

Ich glaube, ich bin rein gekommen und sagte dann: "Guten Tag, mein Name ist Gerner, Dr. Jo Gerner." Aber so ganz weiß ich das nicht mehr.

Ihre schönste Szene in den 15 Jahren?

Wir haben mal so eine Geschichte zum Millennium gedreht. Da ging es um einen Traum, den Ralf Benson hatte, der spielte einen von den Moreno-Brüdern, wie hieß er noch in der Serie...?

Fabian?

Ja, Fabian Moreno! Der lebte in einem Wohnwagen, hatte so Rauschgiftkekse gegessen, und vor seinem Wohnwagen war eine Truppe junger Leute eingetroffen, die sang "The Age Of Aquarius" aus dem Musical "Hair". Und dann schlief Fabian ein und träumte eine abgewandelte Form dieses Musicals, in der alle Figuren, die damals bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" waren, vorkamen - aber eben alle ganz anders. Und Jo Gerner war ein langhaariger Hippie, total soft: Make love, not war! Das war natürlich sehr, sehr witzig, weil es genau das Gegenteil war zu dem Jo Gerner, den ich tagtäglich zu spielen habe.

Und Ihre schlimmste Szene?

Na ja, im Augenblick läuft so eine Geschichte, bei der ich ein bisschen Bauchschmerzen habe: Gerner versucht der Katrin Flemming weiszumachen, dass ihr gemeinsames Kind entführt und ermordet wurde. Da gibt es auch eine Szene, wo Gerner sie mit dem vermeintlichen Mörder konfrontiert und Katrin Flemming vollkommen ausflippt und heult, "geben Sie mir mein Kind wieder!" - und das geht einem schon sehr nah.

Das spielt man nicht gern, weil man im wahren Leben beinahe täglich etwas über entführte oder getötete Kinder lesen muss?

Genau. Ich bin ja auch Vater und ich habe mich lange mit unseren Storylinern...

...Ihren Drehbuchautoren...

...gehauen, weil ich diese Geschichte zu heftig fand. Gerner kann zwar sehr böse werden, aber er hat immer eine gewisse Grenze eingehalten, die er nicht überschritten hat. Und das ist jetzt wirklich sehr grenzwertig. Aber die Storyliner sagten: Es geht um Johanna, um sein Kind, das er sonst verlieren würde! Und wir hatten mal festgelegt: Wenn es um sein eigen Fleisch und Blut geht, dann würde Gerner alles tun. Tja, so kann man das natürlich begründen.

Was gibt es in der Jubiläumsfolge von Ihnen zu sehen?

Da wird Jo auf dem Höhepunkt seiner Intrige sein und es dann geschafft haben, der Katrin Flemming klar zu machen, dass sie Johanna vergessen muss.

Zu Spitzenzeiten hatte "GZSZ" über sieben Millionen Zuschauer - heute sind es täglich nur noch viereinhalb Millionen. Wie erklären Sie sich das?

Ich denke, das liegt in erster Linie daran, dass es inzwischen wahnsinnig viele Soaps gibt, wahnsinnig viele Telenovelas, neue Formate, die dazu gekommen sind. Die es eben zu Hoch-Zeiten von "GZSZ" nicht gab. Und die Zuschauer haben sich eben neu orientiert, somit sind es bei uns leider etwas weniger geworden.

Jeanette Biedermann, Alexandra Neldel oder Oliver Petzokat haben "GZSZ" verlassen und sich eine eigene Karriere aufgebaut. Wollten Sie das nie?

Sagen wir so: Ich kann verstehen, warum die jungen Kollegen das gemacht haben. Wenn ich in dem Alter gewesen wäre, hätte ich sicherlich auch gedacht: das kann ja nicht alles sein. Da muss man sich ja noch ausprobieren: ist das überhaupt der Job für mich, will ich lieber was anderes machen, auf der Bühne, in anderen Produktionen? Es ist völlig legitim, dass die nicht gesagt haben: Ich mache das bis zur Rente. Aber ich habe beim Theater angefangen, den Job sozusagen von der Pieke auf gelernt, ich war beim Kabarett - für mich war das eine Steigerung, ein fester Star in einer Serie zu sein. Ich verdiene gutes Geld und mache das, was mir Spaß macht.

Wie lange bleiben Sie noch dabei - bis zur Rente?

Bis Steven Spielberg anruft und sagt: Herr Bahro, jetzt geht's los! (lacht) Bis ich keine Lust mehr habe oder eine andere Serie mich haben will oder Dr. Gerner eine eigene Anwaltsserie bekommt - keine Ahnung.

Interview: Ulrike von Bülow