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"John Rabe": Der gute Deutsche von Nanking im ZDF

Allein beim Deutschen Filmpreis hat Florian Gallenbergers "John Rabe" in vier Kategorien abgeräumt. Zwei Jahre später hält das ZDF nun einen ganzen Abend für das Historiendrama frei - mit mehr Szenen, Hintergründen und einer Dokumentation.

In Deutschland war er lange Zeit fast unbekannt - der Hamburger Kaufmann John Rabe. Jener Deutsche, der 1937 in der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanking (heute: Nanjing) mehr als 200.000 Menschen vor den Exzessen japanischer Soldaten rettete. In China verehrt man Rabe, der 1950 in Berlin starb, als nationalen Helden, in Deutschland kannte ihn kaum jemand. Das änderte sich mit dem Erscheinen seiner Tagebücher in den 90er Jahren und dem Kinofilm vor zwei Jahren: Damals brachte Regisseur Florian Gallenberger die Geschichte des "guten Nazis" auf die Leinwand und heimste dafür eine Auszeichnung nach der anderen ein. Doch trotz aller Aufmerksamkeit lockte das preisgekrönte Werk damals nur wenige Zuschauer in die Kinos. Nun widmet das ZDF am Montag (31. Oktober) von 20.15 Uhr an John Rabe einen ganzen Abend.

Gallenbergers Historiendrama kommt als Zweiteiler "John Rabe - Der gute Deutsche von Nanking" auf den Bildschirm: 50 Minuten länger als auf der Leinwand, um Szenen und Hintergründe ergänzt, "die in der Kinoversion einfach nicht mehr unterzubringen waren" (Gallenberger), zweimal je 90 Minuten. Im Anschluss - nach "heute-journal" und Wetter - startet um 23.40 Uhr eine 45-minütige Dokumentation. Deren Spurensuche führt in das frühere Wohnhaus des Siemens-Managers, das heute inmitten von Wolkenkratzern steht, und erzählt anhand von Originalfilmen, Fotos und Zeitzeugen die Geschichte eines Mannes, der in China als "lebender Buddha" verehrt wurde. Die Autoren sprachen mit Rabes Enkeln Thomas Rabe und Ursula Reinhardt sowie mit dem Vater des Ex-"Tagesthemen"-Moderators Ulrich Wickert, Erwin Wickert, der in China bei Rabe gewohnt hat und 1997 dessen Tagebücher veröffentlichte.

Es war im Dezember 1937, als die Japaner Nanking umzingelt hatten und ihre Angriffe begannen. Es kam zu schlimmen Exzessen der japanischen Soldaten an der Zivilbevölkerung: Sie mordeten, vergewaltigten und verbrannten Menschen bei lebendigem Leib. Bei dem "Massaker von Nanjing" wurden nach chinesischen Angaben in wenigen Wochen 300 000 Menschen niedergemetzelt. In jener Situation verließ Rabe, der damals bereits knapp 30 Jahre in Nanking wohnte, nicht wie andere Europäer die Stadt, sondern riskierte sein eigenes Leben und half. Zusammen mit anderen in der Stadt lebenden Ausländern richtete er eine etwa vier Quadratkilometer große Sicherheitszone ein, in die sich Frauen, Kinder und Alte flüchten konnten - Rabe rettete ihnen das Leben. "Wir sind in jenen Dezembertagen buchstäblich über Leichen gestiegen", schrieb er in sein Tagebuch, "fast ein jeder von uns stand dutzendmal in Gefahr, ermordet zu werden."

Mit Rabes Tagebüchern im Gepäck reiste Filmemacher Gallenberger vor fünf Jahren erstmals nach China. "Natürlich war mir bewusst, dass die Figur Rabes und seine Geschichte ein politisch sensibles Thema ist", sagt er dazu. Nicht zuletzt auch aus deutscher Perspektive: "Kann man als Deutscher einen Film machen, dessen zentrale Figur ein NSDAP-Mitglied ist, das unter beherztem Einsatz der Hakenkreuzfahne versucht, chinesische Zivilisten vor japanischen Angreifern zu retten?" Mit dem Parteiabzeichen, der Hakenkreuz-Binde am Arm und seinem Parteibuch war Rabe der kaiserlich-japanischen Okkupationsarmee entgegengetreten.

Für seine Verkörperung der Titelrolle in der 18 Millionen Euro teuren Produktion räumte Tukur unter anderem beim Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller ab. Ursprünglich hatte der im Jahr 2007 gestorbene Schauspieler Ulrich Mühe ("Das Leben der Anderen") die Titelrolle übernehmen sollen, dann aber wegen seiner schweren Krankheit abgesagt. Tukur erinnert sich noch, wie er zunächst Mühe gefragt habe, bevor er zusagte. "Ja, spiel du das. Hauptsache der Vorname bleibt erhalten", habe Mühe ihm geantwortet. Für die Darstellung habe ihm Gallenberger dann geraten: "Mach es so gerade, so einfach, so simpel und so undekoriert wie möglich". Daran habe er sich gehalten und die Rolle "ohne großen Schnickschnack" gespielt.

Dorit Koch, DPA / DPA