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Deutscher Filmpreis: Vierfache Lola für "John Rabe"

"John Rabe" ist in Berlin zum besten deutschen Film gekürt worden. Die Lola ging auch an Ulrich Tukur für seine Hauptrolle in Florian Gallenbergers Kriegsdrama, das noch zwei weitere Preise abräumte. Bejubelt wurde auch Vicco von Bülow alias Loriot. Der 85-Jährige bekam einen Ehrenpreis - und bedankte sich in gewohnt humorvoller Weise.

Das Kriegsdrama "John Rabe" von Oscar-Sieger Florian Gallenberger ist der große Sieger beim 59. Deutschen Filmpreis in Berlin. Die auf Tatsachen beruhende Geschichte über einen Hamburger Kaufmann, der kurz vor dem Zweiten Weltkrieg rund 250.000 Chinesen vor den Bombenangriffen der Japaner rettete, wurde nicht nur als bester Film ausgezeichnet, sondern holte die Lola auch in drei weiteren Kategorien. Mit Filmpreisen in Silber und Bronze wurden die Tragödien "Im Winter ein Jahr" und "Wolke 9" ausgezeichnet.

Mit "John Rabe" setzte sich der hohe Favorit durch. Leer ging dagegen das zuvor hoch eingeschätzte RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" von Uli Edel aus. Ulrich Tukur holte die Trophäe als bester Hauptdarsteller für seine Rolle als "Schindler von China" in "John Rabe". Bei den Frauen setzte sich Ursula Werner für ihre Rolle in der Senioren-Sex-Tragödie "Wolke 9" von Andreas Dresen durch, in der sie eine über 60-Jährige Frau verkörpert, die nach 30 Jahren aus ihrer Ehe ausbricht und sich neu verliebt. Der Preis wurde in insgesamt 15 Kategorien verliehen und ist mit über 2,8 Millionen Euro der höchstdotierte Kulturpreis Deutschlands.

Emotionaler Höhepunkt der über zwei Stunden dauernden Gala war die Verleihung des Ehrenpreises aus den Händen von Michael "Bully" Herbig an Vicco von Bülow alias Loriot ("Ödipussi", "Pappa ante Portas"), der minutenlange stehende Ovationen erhielt. Loriot bedankte sich sichtlich gerührt und sagte, es sei selten, dass ein 85-Jähriger eine solch makellose Schönheit wie die Statue Lola in seinen Armen halten dürfe. Die Jury hatte ihre Wahl damit erklärt, dass Loriot Deutschland seit mehr als einem halben Jahrhundert mit seinem feinsinnigen Humor bereichere.

Der 36-jährige Gallenberger, der mit "Quiero Ser" vor acht Jahren den Oscar für den besten Kurzfilm gewann, kam strahlend auf die Bühne, überließ die Dankesrede aber seinen Produzenten. "Wir haben lange für den Film gekämpft und sind unendlich dankbar", sagte Mischa Hofmann. Gallenbergers Film hatte bereits auf der Berlinale gute Kritiken erhalten. Im Kino läuft es dagegen bislang enttäuschend: Seit dem Start Anfang April wollten den Film gerade einmal gut 80.000 Menschen sehen.

Der 51-jährige Tukur bedankte sich vor den rund 1.500 Gästen im Palais unterm Funkturm vor allem bei seiner Frau, die ihn vor chinesischem Essen geschützt habe. Die 65-jährige Werner sagte: "Das ist für mich ein überwältigender Augenblick." Jetzt stehe sie plötzlich selbst mit diesem wunderschönen Preis auf der Bühne.

Aber auch die Krise kam bei der glanzvollen Gala zumindest zur Sprache. Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte, diese werde wohl auch nicht spurlos an der Filmwirtschaft vorbeiziehen. Daher sei der Staat in der Verantwortung. "Kürzungen kommen für mich nicht infrage", sagte der CDU-Politiker unter dem Beifall des Publikums. Der deutsche Film könne sich auf die Solidarität der Politik verlassen.

Die Gewinner des Deutschen Filmpreises:

Spielfilm


Filmpreis in Gold (500.000 Euro): "John Rabe" von Florian Gallenberger
Filmpreis in Silber (400.000 Euro): "Im Winter ein Jahr" von Caroline Link
Filmpreis in Bronze (300.000 Euro): "Wolke 9" von Andreas Dresen

Dokumentarfilm


Filmpreis in Gold (200.000 Euro): "Nobody's perfect" von Niko von Glasow

Kinder- und Jugendfilm


Filmpreis in Gold (250.000 Euro): "Was am Ende zählt" von Julia von Heinz

Beste Bauptdarstellerin:

Ursula Werner ("Wolke 9")

Bester Hauptdarsteller:

Ulrich Tukur ("John Rabe")

Beste Nebendarstellerin:

Sophie Rois ("Der Architekt")

Bester Nebendarsteller:

Andreas Schmidt ("Fleisch ist mein Gemüse")

Beste Regie:

Andreas Dresen ("Wolke 9")

Bestes Drehbuch:

Özgür Yildirim ("Chiko")

Beste Kamera/Bildgestaltung:

Kolja Brandt ("Nordwand")

Bester Schnitt:

Sebastian Thümler ("Chiko")

Bestes Szenenbild:

Tu Ju Hua ("John Rabe")

Bestes Kostümbild:

Lisy Christl ("John Rabe")

Beste Filmmusik:

Niki Reiser ("Im Winter ein Jahr")

Bester Ton:

Tschangis Chahrokh, Heinz Ebner, Guido Zettier ("Nordwand")

Ehrenpreis:

Loriot alias Vicco von Bülow

AP/DPA / AP / DPA