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TV-Kritik

RTL-Show "Let's Dance": Blinde Kuh, Fesselspiele – und Kreisklasse: Ilka ist raus

Im Viertelfinale von "Let’s Dance" kam es, wie es eigentlich längst kommen musste, der Weg zu Bessins Bye-Bye war jedoch kein leichter: Es gab Paare, die im Dunkeln tappten, schmerzhafte Kopfnüsse und Federn am Allerwertesten.

Von Ingo Scheel

"Let's dance" in der TV-Kritik

Ausdruck ausbaufähig – aber nicht mehr in dieser Staffel: Für Ilka Bessin und Tanzpartner Erich Klann ist "Let's Dance" vor dem Halbfinale vorbei

Es scheint eine Art pädagogische Tradition geworden zu sein, ein Auf-Null-Setzen der Sinne, vollfrontale Überrumplung zum Start der jeweiligen "Let’s Dance"-Ausgabe, damit auch der letzte Zuschauer durchgeschüttelt wird und weiß: Jetzt geht es los. Das Hallo-Wach dieses Mal ein Song, von dem man dachte, dass der sich doch eigentlich noch in der Quarantäne von Ischgl befinden müsste, aber nichts da: Bevor die Paare von der Leine gelassen wurden, gab es erstmal den Anton aus Tirol, und für alle, die da immer noch nicht vollends auf Sendung waren, gleich noch "I Will Survive" in einer noch nie gehörten Helium- Version. 

Sei es drum, danach ging die Competition relativ zügig los, hielt sich das Vorspiel-Geplänkel in Grenzen. Motsi Mabuse kam im Ferrero-Rocher-Look, Joachim Llambi hatte die Fliege von seinem Konfirmationsanzug wieder ausgebuddelt und auf Jorge González' Kopf durfte sich ein reaktivierter Friseur austoben, das Ergebnis ein Facon-Schnitt Marke 'Omas Spülbürste'. Mit Luca Hänni und Christina Luft ging es zum Start in die Bel Étage der Punkteausbeute, 30 Zähler (inkl. Llambis 100. Zehner-Wertung) erhielten die beiden für ihren Cha-Cha-Cha. Ein Tanz, den das harmonische Paar leichter bewältigte – farbentechnisch mit einem Gruß an Borussia Dortmund – als das Entschärfen jener Liebesgerüchte, die sich um die beiden mittlerweile ranken. 

"Ich tanze nun mal Kreisklasse!"

Ein Problem, mit dem Ilka Bessin und Erich eher nicht zu kämpfen hatten, dafür aber gab es ein anderes, das Joachim Llambi im Anschluss an den Slowfox – O-Ton Ilka: "Ich tanze nun mal Kreisklasse!" –vehement thematisierte. Der Juror, selbst im wöchentlichen Verbalclinch mit der zuweilen umstrittenen Komödiantin, prangerte den Umgang mit ihr in den sozialen Medien an und setzte so ein ungewöhnlich ernsthaftes, ehrlich gemeintes Ausrufezeichen. Bei den Punkten herrschte dann wieder nüchterne Strenge, zu einem Punkt vom Llambinator kamen fünf von Jorge ("Das Maximum gegeben") und vier von Motsi, zusammen war das also gerade mal zweistellig.

Der Rest der Konkurrenz war in traditionell anderen Umlaufbahnen unterwegs. Moritz Hans und Renata Lusin waren noch am nächsten dran, solide 23 Punkte brachte die Salsa den beiden ein. Für Jorge "eine gute Leistung", Motsi gefielen die "Wickelschritte", Herrn Llambi jedoch fand das alles "etwas zu steif". Von Steifheit keine Spur im Anschluss bei Tijan Nie und Kathrin Menzinger, die sich hyperaktiv durch ihren Charleston tippelten, ein "Feuerwerk entfachten" (Jorge), auch wenn die "Synchro etwas litt" (Llambi), unterm Strich gab das 26 Zähler. Einen mehr holten Lili Paul-Roncalli und Massimo Sinató. Ein kleines medizinisches Wunder, waren die doch beim Training so hart mit den Köpfen zusammengestoßen, dass Sinató, von Brech-Attacken geschüttelt, auf der Couch genesen musste. 

Dass der Mann sich im Wettkampf als mindestens ebenso fit wie seine Tanzpartnerin erwies, die unter der Woche motivierenden Besuch vom Zirkus-Papa bekommen hatte, geriet zum Vorteil. Der sonst zuweilen obsolete Schwof-Appendix wurde nämlich durch eine herausfordernde Challenge-Premiere ersetzt. Jedes Paar bekam dabei nicht nur einen Tanz-Auftrag, sondern auch noch ein Zusatz-Accessoire verpasst, das es galt, in die Choreographie einzuarbeiten. Ilka und Erich erhielten eine Samba plus gefiedertem Fächer. "Ich hab’ einen Kanarienvogel am Arsch", entfuhr es da Frau Bessin, Extrapunkte gab es dafür zwar nicht, jedoch immerhin einen mehr als in der Runde zuvor. 29 Punkte erhielten Moritz und Hans, die mit Augenbinden zum "Blinde Kuh"-Tanz verdonnert wurden, diesen aber fulminanter abwickelten, als andere Leute mit voller Sehkraft. 

"Let's Dance"-Abenteuer ist für Bessin und Klann beendet

Auch Lili und Massimo erreichten diese Punktzahl mit einer Rumba plus rotem Band. Von Jorge gab es für Lili sogar eine Ehren-Banane zur Belohnung, eine Obstgabe also, die sonst nur männlichen Teilnehmern vorbehalten ist. Und während Motsi ausreichend "Chili in der Suppe" wähnte, war Llambi emotional nicht ganz zufrieden, denn: "Hinten kackt die Ente". Was wohl soviel heißen sollte, wie: Fürs Finale fehlen da noch ein paar Prozentpünktchen. Eine Sorge, die sowohl Tijan und Kathrin, als auch Luca und Christina nicht hatten. Erstere tanzten sich durch einen ausschweifenden Contemporary, symbolträchtig durch ein Seil an den Füßen miteinander verbunden, eine durchaus fesselnde Angelegenheit. Letztere zappelten sich durch einen bestuhlten Charleston, für den Llambi ins oberste Superlativbord griff: "Du bist der stärkste männliche Tänzer im Feld". Beide Paare holten - logischerweise - die volle Punktzahl.

Am Schluss ließ Daniel Hartwich im Dauerflirt mit Frauke Ludowig Rosen auf selbige regnen, wurde noch ein wenig telegen gezittert, als außer Ilka und Erich auch Moritz und Renata im "Du bist es vielleicht"-Rotlichtbezirk leuchteten, aber dann kam es, wie es kommen musste. Für Ilka Bessin und Erich Klann endete das Abenteuer "Let’s Dance", das Halbfinale in der kommenden Woche dann wieder vom Sofa aus.