VG-Wort Pixel

"Markus Lanz" FDP-Vize Kubicki giftet gegen Corona-Politik: "Wäre ich Kanzler, würde ich es wie in Dänemark machen"

Markus Lanz, Wolfgang Kubicki
Markus Lanz (links) mit Wolfgang Kubicki (2.v.r.), Helga Rübsamen-Schaeff (rechts) und Gregor Peter Schmitz (von hinten)
© Screenshot ZDF
FDP-Vize Kubicki übte heftige Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung. Man wisse nicht, welche Maßnahme was bewirke. Aber man könne auf Annahmen keine Grundrechtseinschränkungen vornehmen. Die Bürger bräuchten wieder mehr Selbstbestimmung.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Wie ist das nun, Herr Kubicki,
Ihr neues Buch, der Sound, das sind ja schon heftige Attacken gegen die Kanzlerin, Sie werfen ihr kalte Undifferenziertheit im Umgang mit Heimbewohnern vor, Starrsinn, Schwarzmalerei zulasten der jungen Generation, Dilettantismus. Allgemeingefährdung, nochmal, mir geht´s um den Sound, der insinuiert, dass die Kanzlerin was Böses will, das ist deftig, Ihr Sound, wissen Sie, so unversöhnlich draufzuhauen, mir geht´s um diesen Sound, haben Sie das Buch überhaupt selbst geschrieben, und warum dieser Untertitel, wie ein Virus unseren Rechtsstaat aushebelt, wieso haben Sie das gemacht, ach, so, im Original, sagen Sie, hieß es, wie ein Virus unseren Rechtsstaat bedroht, und dann sei der Verlag gekommen und jetzt ist von Aushebeln die Rede, der Verlag also, erzählen sie mir nicht, dass Sie, also dass Sie sich einen Titel aufdrücken lassen, dieser ganze Sound, wissen Sie, als lebten wir in einem Unrechtsstaat, das insinuieren Sie.

Die Gäste des Talks: 

  • Wolfgang Kubicki, FDP-Vizevorsitzender und Bundestagsvizepräsident
  • Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur "Augsburger Allgemeine"
  • Helga Rübsamen-Schaeff, Virologin

So klingt, in einer zusammengefassten, verdichteten Version, wie sich Markus Lanz den FDP-Vize Wolfgang Kubicki am Mittwochabend sozusagen zur Brust genommen hat. Der wiederum machte nach Art seines Buches "Die erdrückte Freiheit" weiter und übte in der Sendung heftige Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung. Und das hört sich dann, in einer zusammengefassten, verdichteten Version so an:

Dass Sie immer von Sound sprechen, Herr Lanz, sind Sie etwa ins Musikgeschäft gewechselt, die Gedankengänge in dem Buch sind alle von mir, ich möchte auch, dass die Menschen die Quellen nachvollziehen können, und das können sie, das macht das Buch glaubhaft, und der Titel, ob das ein Fehler war, was hilft das mir oder Ihnen weiter, der Titel, so wie er ist, der ballert mehr, und der Rechtsstaat, bisher gibt es 160 Verfahren, dass die Maßnahmen rechtswidrig sind, inzwischen wissen wir nicht mal, wie welche Maßnahme wirkt, aber Grundrechtseingriffe können nur vorgenommen werden, wenn sie legitimiert sind, man kann auf Annahmen keine Grundrechtseinschränkungen aufbauen, wenn ich Bundeskanzler wäre, würde ich wie in Dänemark verfahren, wenn alle vulnerablen Gruppen geschützt sind, stärkt man die Eigenverantwortung der Menschen, die müssen selbst entscheiden können, wie sie sich schützen, das Virus wird endemisch, wir werden damit leben müssen, solange feststeht, dass das Gesundheitssystem damit fertig wird, man kann nicht jeden Einzelnen vor einer Infektion schützen. 

Eine leere Intensivstation in Frankreich: Das Bild steht symbolisch für die Krankenhäuser in Deutschland mit wenig Auslastung.

Zwischenruf von der Virologin Helga Rübsamen-Schaeff, die die Eindämmung des Infektionsgeschehens an oberste Stelle setzt und, so machte es den Eindruck, statt der Politik auch der Medizin das Sagen überlassen würde: Nein, Herr Kubicki, nur die rechtlichen Grundlagen zu zitieren, das kann ich nicht akzeptieren. Auch Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur der "Augsburger Allgemeinen" hatte seine Einwände. Herr Kubicki, ist ja gut, dass es Mahner und Warner gibt, die die Grundrechte nicht aus den Augen verlieren, aber es gibt ja auch den Schutzauftrag des Staates, und wo gab es denn einen Kollaps, den gab es doch nicht, keinen Kollaps des Staates, keinen Kollaps der Debattenkultur, ob sich das gehört so auszuteilen, bei Ihnen klingt ja Sarrazin durch, als könne man nicht alles sagen.

Ein empörter Kubicki. Nein, das mit dem Sarrazin, das lasse ich mir nicht unterstellen.

Das neue Strategiepapier aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG), was sagen Sie dazu, Herr Kubicki. Statt der 3G-Regel - geimpft, genesen, getestet - komme "ab bestimmten Grenzwerten" nur noch das Prinzip 2G zum Tragen: Geimpfte und Genesene müssten wegen des "deutlich reduzierten Risikos für sich und andere" nicht mehr den gleichen Beschränkungen unterliegen wie Ungeimpfte, hätten also mehr Freiheiten. Kubicki winkte ab. Ach was, das wird es nicht geben, der Glaube, wenn Spahn ein Papier herausgibt, dann ist das Gesetz, das ist das naiv, niemand kann 2G durchsetzen, was soll denn überhaupt die Angst vor den Nichtgeimpften, ich habe mich extra impfen lassen, damit ich vor den Nichtgeimpften keine Angst haben muss, der Karl Lauterbach und ich, wir können in ein Lokal reingehen ohne Angst.

Tests, wie soll es damit weitergehen? Herr Kubicki geht in Gegenposition zu der Forderung, Ungeimpfte sollen ab Mitte Oktober für die Tests selbst aufkommen: Ungeimpfte, die sich nicht testen lassen, stellen eine Gefahr da, das sollte der Staat übernehmen, die Kosten, ich bin dafür, dass das weiterbezahlt wird, man kann sonst die Infizierten nicht mehr genau herausfiltern, die laufen dann infiziert durch die Gegend. 

Nachtrag von Frau Rübsamen-Schaeff: Ein Drittel der Geimpften sind Infektionsträger, daher muss es auch eine Testpflicht für Geimpfte geben, also, wenn sich die Daten weiter verhärten, wir müssen uns verabschieden von dem Gedanken, doppelt geimpft ist sicher, es gibt Varianten, die sich der Impfung entziehen. 

Und dieser neue Impfstoff, Novavax? Dazu weitere Erläuterungen von der Virologin: Das ist weder ein mRNA-Impfstoff noch ein Vektor-Impfstoff, sondern der ist klassisch hergestellt, ein eiweißbasierter Impfstoff, der sich noch im Zulassungsverfahren befindet, er wird in paar Monaten verfügbar sein. Einwurf Lanz: Das ist der Impfstoff, auf den Sahra Wagenknecht wartet.

Und auf was warten Sie, Herr Kubicki? Christian Lindner hat sich ja schon mal als Finanzminister  empfohlen und Sie? Welches Ministeramt bekleiden Sie, Virologie?

Wissen Sie Herr Lanz, das wird sich noch herausstellen, aber Christian Lindner ist der bessere Finanzminister als Robert Habeck, was ich teile, Habeck als Finanzminister, da überschätzt er sich genauso wie Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin, er ist ein gnadenlos guter Schriftsteller, aber wir brauchen keinen Romaneschreiber, sondern einen, der schwarze Zahlen schreibt. Er ist aber ein richtig guter Mensch.

Sehen Sie, geht doch, Herr Kubicki.

rös

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker