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"Menschen bei Maischberger": Und wöchentlich grüßt die Eurokalypse

Schocker bei Maischberger: "Die Angst wächst: Eurokalypse now?" kündete die Moderatorin schon mal vom Ende der Währungsunion. Doch die Runde selbst brachte wenig Erhellendes - außer dem Einblick in die Selbstverliebtheit ihrer Diskutanten.

Von Christoph Forsthoff

"Eurokalypse now" - welch eine wunderbare Wortschöpfung! Schade nur, dass selbige als Schocker-Motto schon fast das einzig Originelle in der Runde bei Sandra Maischberger war, in der es wieder einmal um die Krise des Euro ging. Und damit natürlich auch irgendwie um die Finanz- und Bankenkrise, Griechenland und die EU - eben all die leidigen Themen, die längst nicht mehr allein Europas Politiker beschäftigen, sondern denen auch der Bürger kaum mehr entkommen kann, sofern selbiger nicht mittlerweile in den Medienboykott getreten ist.

Was keinem zu verdenken wäre angesichts solcher Talkshows. Nein, zur Erhellung trug auch dieser Abend nicht bei, war vielmehr ein weiteres Beispiel für den aussichtslosen Kampf der Moderatorin um eine Gesprächsführung und eine offenbar fehlende Diskussionskultur unter Menschen, die sehr von sich überzeugt sind.

Gesichter, die der Zuschauer nicht mehr sehen kann

Hinzu kamen Gesichter, die der interessierte Zuschauer einfach nicht mehr sehen kann und will: Sahra Wagenknecht mag eine aparte Erscheinung sein, allein, die ständigen Wiederholungen ihrer Thesen und Parolen nehmen diesen nichts von ihrer Schlichtheit. Ja, die vermeintliche Euro-Rettung ist eigentlich nur eine Banken-Rettung, an dem ganzen Desaster sind lediglich die bösen Kapitalisten schuld, allen voran dieser teuflische Herr Ackermann - es ist die ewig gleiche Talkshow-Leier, die uns mittlerweile doch an den angeblich brillanten intellektuellen Fähigkeiten der Vize-Vorsitzenden der Linken zweifeln lässt.

Dass ihr zur Linken ausgerechnet die Bundesvorsitzende der "Jungen Unternehmer" saß, sorgte immerhin noch für einen Schmunzler - inhaltlich indes trug Marie-Christine Ostermann nichts Neues zur Debatte bei. In der Vergangenheit seien in der Eurozone immer wieder die Schuldenregeln gebrochen worden, die Politiker wären offenbar nicht willens da einzuschreiten: "Wir brauchen den Druck durch den Markt." Aha.

Super-Mama und der weise, alte Mann

Zugegeben: Wer mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und dem ehemaligen BDI-Chef Hans-Olaf Henkel in einer Runde sitzt, hat ohnehin kaum Chancen, zu Wort zu kommen. Hier die Super-Mama, die Verständnis für alle mimt - "ich finde ganz spannend, dass Sie beide die Vorstellung haben…" - um dann ausführlich ihre eigene Position darzustellen. Dort der weise alte Mann, der gern ins Dozieren verfällt. Und mittendrin der Unruhestifter, der mit unangenehmen Fakten auftrumpft. Etwa, dass die Deutsche Bank kaum Probleme mit einem Schuldenerlass für Griechenland haben würde, sondern letztlich vor allem einige Staaten. Denn 80 Prozent der griechischen Staatsanleihen befänden sich bereits in den Händen verstaatlichter Geldinstitute wie den französischen Banken oder auch der Bayerischen Landesbank. Der hellenischen Industrie indes würde solch ein Schuldenschnitt gar nicht helfen, denn die sei schlicht nicht wettbewerbsfähig - und sie könne es auch nicht werden, "weil ihr die Chance zur Währungsabwertung fehlt". Henkels Vorschlag: eine Zweiteilung Europas, Deutschland, Österreich, die Niederlande und Finnland sollten eine eigene Währung aufmachen. Pure Provokation oder eine echte Alternative?

Die gleichen, alten Forderungen

Nun, es wäre interessant gewesen, diesen Gedanken zu vertiefen. Doch da Biedenkopf aus seiner Verachtung keinen Hehl machte - dem Euro-Kritiker fehle jegliches historische Verantwortungsbewusstsein - und die übrigen in der Runde nicht willens (oder nicht fähig) waren, solch ein gedankliches Experiment fortzuspinnen, blieb es am Ende bei den üblichen, möglichst allgemein gehaltenen Forderungen nach strengeren (Defizit-)Regeln für die Euro-Zone. Aber keine Sorge, die nächste Talkshow zu dem Thema kommt bestimmt: Schließlich steht ja am Wochenende schon wieder ein Euro-Krisengipfel ins Haus…