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"Rach, der Restauranttester": Starkoch statt Mathe-Lehrer

Ohne je eine Lehre gemacht zu haben, schaffte es Christian Rach zum erfolgreichen Profikoch mit eigenen Restaurants. In der dritten Staffel seiner TV-Doku "Rach, der Restauranttester" nutzt er sein Wissen wieder, um Lokale vor dem Bankrott zu retten.

Von Carolin Neumann

Dem Namen zum Trotz steppt im Restaurant "Bärenhaus - Casa del Oso" im mallorquinischen Ferienort Cala Ratjada nicht gerade der Bär. Man kann es den Gästen nicht verübeln, denn das Fett in der Friteuse ist nicht das einzige, was nicht mehr ganz frisch ist. Aus der Kühltruhe kommen schon die Fliegen, die Gäste bleiben aus, Wirtin Viola Tölle ist Kellnerin, Geschäftsführerin und Köchin zugleich und vollkommen überfordert. Ihre selbst erlernten Koch"künste" passen so gar nicht ins sommerliche Balearen-Klima. "Das ist handwerklich eine Sechs", urteilt Christian Rach, nachdem er die Speisekarte einmal durchprobiert hat.

Fernsehkoch Rach kann sich dieses Urteil erlauben. Schon vor über 20 Jahren eröffnete er das Restaurant "Leopold". Heute betreibt er mehrere Restaurants in Hamburg. Sein Herzstück, das Tafelhaus an der Elbe, gehört zu den ersten Adressen in Hamburg und hat seit 1991 einen begehrten Michelin-Stern. Sich selbst das Kochen beizubringen, muss also nicht in einer Katastrophe enden: Der 50-jährige Wahl-Hamburger hat nie eine professionelle Ausbildung durchlaufen, sondern seine Leidenschaft und vor allem sein Talent fürs Kochen in Nebenjobs während des Mathematik- und Philosophiestudiums entdeckt. Seit zwei Jahren steht der Sternekoch als "Rach, der Restauranttester" vor der Kamera. In der letzten Woche startete auf RTL die dritte Staffel, die wegen des Vorjahreserfolgs in die Primetime am Montagabend befördert wurde. Zwar konnte die Show noch nicht an bisherige Traumquoten anknüpfen, dürfte aber mit 15,3 Prozent sehr zufriedenstellend für den Kölner Sender gewesen sein.

Fünf Tage für ein komplettes Make-over

Auch wenn er sich zu Beginn der Sendung durch die Speisekarte probiert, ist Christian Rach kein Restauranttester im eigentlichen Sinne. Korrekterweise müsste es "Rach, der Restaurantretter" heißen, denn so lautet seine Mission: Heruntergekommene Lokale vor der Pleite und überforderte, antriebslose Gastronomen vor sich selbst zu retten. Statt am Folgetag aus der vernichtenden Kritik in der Zeitung erfahren die Wirte vom pingeligen Rach sofort, was bei ihnen falsch läuft. Das sind nicht nur die dreckigen Küchen, bei deren Anblick wohl jeder Gast die Flucht ergreifen würde. Manche Wirte haben sich schlicht übernommen, scheuen aber die notwendigen, zum Teil drastischen Veränderungen, die der gebürtige Saarländer Rach vorschlägt. Nach fünf Tagen wird erfolgreich Wiedereröffnung gefeiert. Vielleicht ist es genau dieser Vorher-Nachher-Effekt, der die Zuschauer so fasziniert.

Manche mögen als gnadenlos empfinden, doch Rach ist lediglich ehrlich und direkt. Er fühlt mit seinen Protagonisten. Schließlich weiß er, wie schwierig es ist, einen erfolgreichen Gastronomiebetrieb zu führen. Doch wenn sich der Wirt nicht einmal an die simpelsten Hygiene-Vorschriften hält, reagiert der Restauranttester genervt. Dann wirkt es nicht mehr so, als werde ein Lokal quasi zu "seinem" Restaurant, das ihm am Herzen liegt und er unbedingt retten will, wie er es immer behauptet. Im Fall des "Bärenhaus" auf Mallorca brachte Rach die ersten drei Tage damit zu, sich durch die Speisekarte zu futtern, die Probleme des Lokals zu analysieren und Wirtin Viola zum Saubermachen anzutreiben. Erst kurz vor Eröffnung kamen die wirklichen Veränderungen: neuer Koch, neue Speisekarte, neue Deko. Womöglich war Rach zu genervt von der sturen Gastronomin und sonnte sich lieber am Strand von Cala Ratjada. Jedenfalls hätte man das, was zu einer Stunde Sendung aufgeblasen wurde, auch locker in einem fünfminütigen Beitrag bei "Guten Abend RTL" abhandeln können.

Rach schickt den Zwegat vorbei

Dem Restaurant-Kenner ist es wichtig, zu betonen, dass nichts in seiner Sendung gestellt ist. Allerdings gibt es Augenblicke, in denen er darauf besteht, dass die Kameras ausbleiben. "Ich will keine Tränendrüsen-Geschichten machen", sagt Christian Rach. Vielleicht ist es ein bisschen Selbstschutz, dass gänzlich unlösbare Fälle schon in der Vorauswahl aus dem Rennen fliegen. "Es bringt nichts, wenn ich irgendwo hinkomme und dann sage: 'Es ist besser, wir schicken dir den Peter Zwegat, damit du aus deinen Schulden raus kommst", sagt Rach.

Seiner Sendung fehlt der Happy-End-Zwang von Formaten wie "Die Supernanny", das ist sicherlich ein Pluspunkt. Gleich in der ersten neuen Folge wird ein Misserfolg gezeigt: Als der Gourmet Rach nämlich nach einem Monat zur spontanen Kontrolle das "Bärenhaus" besucht, ist dort das alte Chaos zurück. Wirtin Viola Tölle hat den Koch rausgeekelt und die Chance vertan, mit den Tipps des Profis ihren Betrieb zu retten. Für einen Moment wirkt Christian Rach geknickt, wenn er mit dem Daumen nach unten sein Urteil verkündet.

Doch er ist Realist. Von zehn Lokalen, derer er sich annimmt, hätten sieben Erfolg, meint Rach. Sein liebstes Beispiel: die "Blaue Ente". Auch nach einem Jahr verfolgt er weiterhin, wie sich das Berliner Restaurant schlägt. Dessen Wirt Hubertus Eschweiler hatte sich übernommen: Statt Geflügel stand zum Beispiel Bison auf der viel zu internationalen Speisekarte. Rach krempelte die Karte um und schlug vor, einmal wöchentlich mit eigenen Produkten auf den Markt zu fahren. So lockt Hubertus Eschweiler seither die Gäste aus Berlin in den abgelegenen Stadtteil Blankenfelde. Man hört es in Christian Rachs Stimme, wie sehr er sich über den dauerhaften Erfolg freut. Und die Betriebe, die in alte Muster zurückfallen, hätten ohne seine Hilfe wohl ohnehin pleite gemacht.

"Rach, der Restauranttester" läuft montags um 21.15 Uhr auf RTL