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"Schlag den Raab" Peter Meiners erleichtert Stefan Raab um 2,5 Millionen


Um 2.23 Uhr wurden wir erlöst von der längsten Show in der Geschichte von "Schlag den Raab". Der Herausforderer ist um zweieinhalb Millionen Euro reicher. Der Weg dahin hatte einen gewaltigen Haken.
Von Mark Stöhr

Um es mal mit Larissa Marolt zu sagen: Seid's ihr deppert, ProSieben? Nicht ganz dicht? Völlig durchgedreht? Sechs Stunden und zehn Minuten dauerte "Schlag den Raab". Zum Mitschreiben: sechs Stunden und zehn Minuten. Davon gingen allein 60 Minuten dafür drauf, dass Raab und sein Herausforderer Peter versuchten, einen an einem Seil befestigten Ring an einen Haken zu hängen. Engländer vertreiben sich mit diesem Spiel ihre Abende im Pub und haken den Ring ohne große Mühe ein. Auch besoffen. Die beiden Deutschen scheiterten bis zum Schluss. Stocknüchtern. Selten war das Fernsehen so fies zu uns. Wie konnte es nur so weit kommen?

Eine Stunde Schwingen, Scheitern und Strullen

"Ringing the Bull" heißt der Spaß mit dem Ring und dem Haken. Obwohl Spaß die Sache nicht ganz trifft. Eher Stumpfsinn. Stefan Raab verfluchte nicht zu Unrecht den Redakteur, der auf die Idee gekommen war, die blöde Seil-Schwingerei ganz ans Ende zu setzen. Immerhin hätte sie darüber entscheiden können, ob der 34-jährige Medienanalyst Peter in seinem Leben nochmal einen Finger krumm machen muss oder nicht.

Wie zwei Kinder, die die Lust an ihrem Spiel verloren haben und ins Stadium der vollendeten Wurstigkeit eingetreten sind, rotzten die beiden Kontrahenten den Ring irgendwann nur noch durch die Luft. Zwischendurch gingen sie aufs Klo. ProSieben übertrug ihre vorübergehende Abwesenheit in voller Länge. Diese absurde Stunde Schwingen, Scheitern und Strullen hätte ein historischer Fernsehmoment sein können. Eine Sternstunde des TV-Dadaismus. War es aber nicht. Es ging nur alles einfach den Bach runter.

Krise ohne Manager

Steven Gätjen soll ja privat sehr nett sein, sogar witzig. Das lässt er sich auf der Bühne nicht anmerken. Charmant wie ein Stromgenerator moderiert er alles weg, was ihm vor die Füße kommt. Der 42-Jährige ist der ideale Mann für Sponsorengalas. Auch Gewinnspiele bekommt er gut hin. Kaum ein anderer leiert so schmerzfrei und pomadig Worterfindungen wie "Zwei-Zonen-Klimaausstattung" oder "Lichtsensoren mit statischem Kurvenlicht" herunter. Eines muss man Gätjen aber lassen: Mit ihm ist Zug in der Show. Er lässt Raab seine permanenten Versuche, die Regeln zu seinen Gunsten auszulegen und die Gegner mit seiner Hibbeligkeit und Reinquatscherei zu verunsichern, nicht durchgehen.

Beim großen Show-Knockout im 15. Spiel versagte allerdings auch Mr. Perfect auf ganzer Linie. Anstatt dem Drama der Auflösung von allem, was mit "We love to entertain you" gemeint sein könnte, wenigstens nach einer halben Stunde Einhalt zu gebieten, versank er wie alle in einer tiefen Novemberdepression. Viel zu spät zog er die Notbremse und setzte ein Stechen an: Ein Flummi brachte schließlich die Entscheidung über zweieinhalb Millionen Euro für den Herausforderer. Das hatte schon fast wieder was.

Allrounder gegen zähen Knochen

Das Hauptproblem von "Schlag der Raab" gestern war: Raabs Gegner war stark. Das andere: Er war nicht stark genug. Das machte aus der ganzen Geschichte so eine elend überlange Angelegenheit. Der Berliner Peter präsentierte sich in seinem Bewerbungsvideo als Allrounder: Er ist als Medienanalyst nah dran am Zeitgeschehen, betreibt einen eigenen Fitnessverein und nimmt an Quizmeisterschaften teil. Und in der Tat spielte er Raab in den ersten Runden komplett an die Wand. Beim Promis-Erkennen, im Baseball, bei der Cross-Verfolgung auf dem Rad. Alles deutete auf eine rasche Entscheidung hin. Raab wirkte angeschlagen und legte sich mit dem Mountainbike zum allem Überfluss auch noch der Länge nach hin.

Aber der Entertainer ist ein zäher Knochen, das muss man ihm lassen. Er kämpfte sich zurück, schraubte in Blitzgeschwindigkeit 50 Glühbirnen in ihre Fassungen, ließ seinem Gegner bei "Blamieren oder Kassieren" keine Chance und beim anschließenden Präzisionsschießen mit einem Fußball auch nicht. Und so schaukelten sich die beiden Kontrahenten gegenseitig hoch und spielten sich geradezu in einen Rausch - bis ihnen beim "Ringing the Bull" die Puste ausging. Wie zwei erschöpfte Boxer hingen sie an den Seilen, die sie zum Schwingen bringen sollten. Zwei besoffene Engländer wären deutlich unterhaltsamer gewesen.


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