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"Supertalent"-Kandidatin Felicitas Frank Mit bayrischem Charme gegen eine Horde Narren


Bei der RTL-Castingshow "Das Supertalent" reiht sich eine unerträgliche Darbietung an die andere. Da sticht Kandidatin Felicitas Frank mit ihrer dunklen Hautfarbe und ihrem ach so abwegigen bayrischen Dialekt angenehm heraus. Ganz gut singen kann sie nämlich auch.
Von Katharina Gipp

Dass es das Schicksal mit manchen Menschen in puncto Talentverteilung nicht ganz so gut gemeint hat, wurde in der langen Ära der Castingshows schon hinreichend bewiesen. Und dennoch bringt die RTL-Castingshow "Das Supertalent" Woche für Woche immer wieder neue Beispiele für Selbstüberschätzung hervor. Nachdem das Skurrile, Unangenehme, Ekelhafte oder Stinklangweilige ausgiebig zelebriert wurde, haben so die ein wenig Talentierteren die Möglichkeit, umso mehr zu glänzen.

Die 15-jährige Felicitas Frank hat es der Jury besonders angetan. Dabei war ihre Darbietung des Songs "Let it rain" zwar durchaus erträglich und beflügelte das Publikum zu wahren Kreischeskapaden - interessant macht die Schülerin jedoch etwas ganz anderes. Felicitas ist dunkelhäutig, spricht aber einen breiten bayerischen Dialekt. Eine Tatsache, die Jurorin Silvie van der Vaart ausgesprochen "witzig" findet. Dieter Bohlen nennt sie ein "bayrisches Cowgirl" und bewertet ihren Gesang als "super toll". Es regnet drei "Jas" und die 15-Jährige kommt in die nächste Runde.

Auch der klampfende Leon Schmidt, das Tanz-E-Gitarren-Duo "Tap DJ" und der stark übergewichtige Torben Nielsen konnten die Jury durch ihre Darbietungen überzeugen. Bei der sechsjährigen Anastasia zählte dann aber doch wohl der Niedlichkeitsfaktor. Ihre Stimme würde sich eher für den nächsten "Fruchtalarm!"-Werbespot eignen.

Irrungen und Wirrungen der Kandidaten

Wenngleich jene Darbietungen durchaus eine angenehme Abwechslung zu den übrigen Geschmacklosigkeiten bieten, nimmt sie das Studio-Publikum auf, als hätte es sich auf einer monatelangen Durststrecke befunden. Jeder etwas kraftvoller gesungene Ton verleitet die Menschen im Saal zu anhaltenden Standing Ovations, jeder geschmetterte Refrain zu wahren Jubelschreien. Bei den absonderlichen Extremen, die ansonsten geboten werden, verwundert das jedoch nicht.

Da wäre zum Beispiel die 63-jährige Elvira du Chatenier, die in einem Wassertank zu stricken und mit einer Handpuppe zu spielen versucht - zugegebenermaßen ziemlich ton- und witzlos. Andere Beispiele des schlechten Geschmacks bieten Zoltan Matyassi, der Playback-Klavier spielt, die trutschige Maria Scheckenbach mit ihrem arrhythmischen Gezappel zu Jennifer Lopez' "On the floor" oder der Amerikaner Antonio Francis, dessen einziges Talent es ist, seine Augäpfel hervorstülpen zu können.

Ein letztes Highlight unter den Lowlights stellt schließlich Stefan Choné dar, ein zotteliger Typ mit Hitlerbärtchen und Trombosestrümpfen, den die Jury schon in der vorherigen Staffel nach Hause geschickt hatte. Doch wenngleich Choné auch nichts kann und auf der Bühne mehr als seltsame Dinge tut, bedient er doch sämtliche voyeuristische Grundbedürfnisse. Sein Auftritt gipfelt schließlich im Blankziehen. Die Jury guckt weg, lugt aber hin und wieder zwischen den Fingern hindurch.

Und auch die Autorin dieser Zeilen fragt sich: "Wann hat das Elend ein Ende?"

Katharina Gipp

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