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TV-Tipp 6.12.: "Wie ein wilder Stier": Immer mitten in die Fresse

Boxfilme sind eigentlich nicht das Ding unseres Autoren. "Wie ein wilder Stier" hat ihn aber gepackt. Weil es wirklich schmerzt, Robert De Niro beim Scheitern an sich selbst zuzusehen.

Der Herr des Ringes: Robert De Niro spielt den New Yorker Boxer Jake LaMotta

Der Herr des Ringes: Robert De Niro spielt den New Yorker Boxer Jake LaMotta

"Wie ein wilder " 22.25 Uhr, Servus TV
BOXDRAMA Ich kapier Boxen nicht. Ehrlich. Was ist so geil daran, sich gegenseitig die Fresse einzuschlagen? Klar, es gibt Regeln, die die schlimmsten Verletzungen verhindern sollen. Aber letztlich geht es doch darum, einem anderen Menschen so wehzutun, dass er möglichst fertig zu Boden geht. Fehlt mir da irgendson Männlichkleitstestosterongedöns? Oder find ich's nur deshalb doof, weil ich schon auf dem Schulhof immer der war, der am Ende unten lag?

Die großen Boxdramen der Kinogeschichte waren mir deswegen auch lange schnurzpiepeegal. "Rocky", "Champion", "The Fighter", "Wie ein wilder Stier". Musste ich nicht sehen. Irgendwie seltsam, oder? Ich liebe Tarantino - und der Typ ist nun wirklich nicht für seine Feelgood-Movies bekannt. Oder " ". Krasser geht fast nicht. Aber diese Art von Gewalt ist nunmal so stilisiert, so künstlich überzogen, dass ich mir auch einen Itchy-&-Scratchy-Cartoon reinziehen könnte.

Irgendwann bin ich dann über "Million Dollar Baby" gestolpert, weil ihn ein Freund "dringendst" empfohlen hatte. Mit Clint Eastwood als alternden Boxtrainer. Das konnte ja nur... reaktionär werden. Doch dann war da dieser plötzliche Cut in der Handlung, ein völlig unerwarteter rechter Haken, der all meine Erwartungen und Vorurteile auf die Matte schickte. Hammer. Hatte ich dem Boxfilm unrecht getan?

"Rocky" habe ich noch immer nicht gesehen, aber "Wie ein wilder Stier" lässt mich doch sehr an meinen Vorurteilen zweifeln. Gedreht von Martin Scorsese erzählt "Raging Bull", so der Originaltitel, die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang des Boxers Jake LaMotta ( ). Heute würde man das Ding wohl Bio-Pic nennen. LaMotta gab es wirklich, die Handlung beruht auf seinen Memoiren, außerdem trainierte er De Niro persönlich für die Rolle.

Dass LaMotta sich zu so einem Seelenstriptease bereit erklärt hat, dass der Film völlig ungeschönt seine hässlichen Seiten, seine Gewaltausbrüche, seine Eifersucht und sein Cholerikertum zeigt, macht ihn so sehenswert. So wird der Boxkampf (und seine brutale, gar nicht glorifizierende Darstellung) zur perfekten Metapher für die Zerrissenheit dieses Mannes, der an seinen eigenen Vorstellungen von Männlichkeit und seinem eigenen Temperament zerbricht. Ein Mann, der selbst dann noch aufzustehen versucht und weiter in die Fresse bekommt, wenn der Ringrichter längst bis zehn gezählt hat.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs"
20.15 Uhr, Sat.1
FANTASYSAGA Teil 3 der "Ring"-Trilogie bestätigt eine alte Weisheit: Hinten ist die Ente fett. "Die Rückkehr des Königs" bietet gegenüber den Vorläufern mehr Gefühl und Kitsch, aber auch mehr Effekt und Action. Die Schlacht um Minas Tirith beschert Fans eine perfekte halbe Stunde, bevor Peter Jackson seine Tolkien-Verfilmung mit gefühlten sieben Enden abbindet. Zur Kinopremiere vor 12 Jahren ahnten nur wenige, dass der Hobbit noch kommen sollte. Nicht ganz so gewaltig, dafür berauschend märchenhaft. Ob das Ende fett ist? Lässt sich ab Donnerstag im Kino erkunden. (bis 0.20)

"Melancholia"
0.35 Uhr, Arte

DRAMA Am Abend ihres Hochzeitsbanketts verfällt Justine (Kirsten Dunst) in eine Depression - und der erlösende Weltuntergang dräut am Himmel… Lars von Trier ("Antichrist") schuf eine bildschöne Ode an die Schwermut. Ob man’s mag, merkt man schon während des Prologs. (bis 2.45)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo