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50 Jahre "Lach- und Schieß": "Je enger, desto besser die Stimmung"

Dieter Hildebrandt, Bruno Jonas oder Jochen Busse - das sind nur einige der Namen, die der Münchner "Lach- und Schieß" ihre bundesweite Popularität verdanken. Von einer kleinen Bühne in Schwabing aus wurde über Jahrzehnte politische Meinung geprägt.

Was auf einer kleinen Bühne in Schwabing begann, wurde bald zum Aushängeschild des bundesdeutschen Kabaretts: Als nach nur drei Wochen Probezeit die Lach- und Schießgesellschaft am 12. Dezember 1956 erstmals auftrat, glaubte wohl niemand der Protagonisten an den Erfolg der Münchner Kabarett-Truppe.

Man habe einen "merkwürdigen Namen" getragen und sei zu einem Datum aufgetreten, "an dem man keine Premieren macht: Am 12. Dezember macht kein anständiges Theater eine Premiere", sagt Dieter Hildebrandt, für den seine Jahre in der Lach- und Schießgesellschaft der Anfang einer langen Karriere als Kabarettist, Schauspieler und Buchautor waren.

Die Lach- und Schießgesellschaft legte den Finger in die Wunden der jungen Bundesrepublik. Politischen Zündstoff, so erinnert sich Hildebrandt, gab es genug: Der Drang zur Wiederbewaffnung, die Wiederkehr von Alt-Nazis, Restauration in weiten Gesellschaftsteilen. Noch heute treffe er viele Fans der Lach- und Schießgesellschaft, die erzählen, ihre politische Meinung sei durch das Kabarett geprägt worden, erinnert sich der 79-Jährige: "Das werden uns jetzt unsere Gegner wieder vorwerfen, dass wir beeinflussen wollten. Aber natürlich wollten wir das."

Sammy Drechsel, 1986 gestorbener Journalist, Regisseur, Tausendsassa und Vater der Lach- und Schießgesellschaft, holte das Ensemble zusammen, damit das kleine Lokal in der Ursulastraße wieder bespielt werden konnte. Er überzeugte die bekannte Schauspielerin Ursula Herking, noch einmal auf die Kabarett-Bühne zurückzukehren. Klaus Havenstein, Hans Jürgen Diedrich und Hildebrandt vervollständigten die erste Generation für das Programm "Denn sie müssen nicht, was sie tun".

Auf einer handtuchgroßen Bühne wurde die politische Meinung geprägt

Die Bühne war nur handtuchgroß, das Publikum quetschte sich an den Tischen, um nur kein Wort der satirisch-kritischen Bestandsaufnahme über die bundesrepublikanische Befindlichkeit zu verpassen. "Wir sind räumlich beengt, und zwar genauso wie Sie, verehrte Besucher. Wir haben in unserer Kleinst-Garderobe auch nicht mehr Platz als Sie an ihrem Tisch", hieß es 1959 tröstend in einem Programmheft.

Und das Ensemble versprach: "Je enger man aufeinander hockt, desto besser ist die Stimmung." Der Münchner Oberbürgermeister und Hobby- Kabarettist Christian Ude (SPD) lobt vor allem den Charme der "geliebten Sardinenbüchse", die "sichere Zufluchtstätte und das denkbar beste Antidepressivum überhaupt" sei.

Vom Herzen Schwabings in die bundesdeutschen Wohnzimmer

Die Wurzeln blieben im "Laden", doch bald sei man auch im Fernsehen zum "gefragten Unterhaltungsartikel" geworden, berichtet Hildebrandt. Der Zuspruch war enorm, die Lach- und Schießgesellschaft wurde zum Straßenfeger. Es ging soweit, dass die Hotels und Gastronomen in einem Brief an den Bayerischen Rundfunk darum baten, das Quartett mit der Silvestersendung doch bitteschön nicht um 20 Uhr über die Mattscheibe flimmern zu lassen - die Leute kämen deshalb erst um halb elf zum Essen.

1972 gab es die erste große Zäsur in der Geschichte der "Lach und Schieß", als die Olympischen Spiele nach München vergeben wurden, beschloss man die Trennung: "Dann sind wir 17 Jahre zusammen, das wäre doch eine gute Idee, auseinander zu gehen und jedem die Chance zu geben, etwas anderes zu machen, als jeden Abend auf der Bühne in Schwabing zu stehen", sagt Hildebrandt. Ihn selbst jedoch hat der "Laden" nicht losgelassen, zusammen mit Werner Schneyder trat er weitere acht Jahre dort auf.

"Die Leute jubeln, ich bin selig"

Dann kamen neue Ensembles, bekannte Namen wie Jochen Busse oder Bruno Jonas gehörten dazu - doch sie wurden immer an Hildebrandt und Co. gemessen. Die derzeitige Stammbesetzung feiert mit dem Jubiläumsprogramm "Verlängert" große Erfolge - zur Freude von Dieter Hildebrandt: "Die Leute jubeln - ich bin selig. Das muss so sein, dieses Haus muss bespielt bleiben."

Kathrin Zeilmann/DPA / DPA
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