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#actout-Manifest Coming-out von Schauspielstars - warum es uns etwas angeht, wen andere lieben

#actout Mavie Hörbiger, Mehmet Ateşçi und Jonathan Berlin
#actout: Unter anderem haben Mavie Hörbiger, Mehmet Ateşçi und Jonathan Berlin ihr Coming Out im aktuellen "SZ Magazin".
© Picture Alliance
Der ist schwul, na und? Viele Menschen halten es für überflüssig, über die sexuelle Orientierung zu sprechen und wähnen sich dabei besonders aufgeklärt. Warum ein Coming-out wichtig und richtig ist, zeigen die 185 Schauspielstars von #actout.

"Das ist doch deren Privatsache." Dieser Satz fällt häufig, wenn es um das Coming-Out von Schwulen, Lesben, Transmenschen oder nichtbinären Personen geht. Er folgt einer vordergründig aufgeklärten Doktrin, die Bundeskanzler Helmut Kohl schon in den 80er Jahren in seinem Kabinett vorgab. Der ein oder andere schwule Minister durfte zwar in seinem Privatleben alles machen, sich aber bloß nicht dabei von der Presse erwischen lassen oder gar darüber reden. Tenor: Was zuhause im Bett geschieht, geht niemanden etwas an. Beispiele für diese Einstellung gibt es viele. Egal, ob bei der Bundeswehr, wo das jahrelang gängige Praxis war, im Bundesligafußball oder beim Urlaub in Dubai. Doch sie ist falsch und antiquiert.

185 queere Schauspieler*innen haben sich in der Initiative #actout zusammengetan und sich im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" geoutet. Darunter sind so prominente Namen wie Jannik Schümann, Ulrich Matthes, Ulrike Folkerts oder Mavie Hörbiger. Ihr Ziel ist es, mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit zu erzeugen - und dadurch mehr Anerkennung und Diversität in Fernsehen und Theater. Ihnen geht es darum, offen zu zeigen, ob jemand schwul, lesbisch, transgender oder nichtbinär ist und damit ein Stück Normalität in einer ansonsten heteronormativen Welt zu schaffen.

Ein Beispiel liefert Schauspielerin Karin Hanczewski. Die "Tatort"-Kommissarin erzählt im Interview mit dem "SZ-Magazin" von einer Erfahrung bei einem Filmfest": "Ich hatte meine Freundin dabei. Ich wusste, es wird einen roten Teppich geben, es werden Fotos gemacht. Meine damalige Agentin riet mir, es sei besser, wenn ich meine Freundin nicht mit auf den roten Teppich nähme", sagt die 39-Jährige. Sie habe ähnliche Erfahrungen in ihrem Berufsleben immer wieder gemacht. Derartige Handlungsmuster würde Schwulen und Lesben zeigen: "Irgendwas stimmt nicht mit uns."

Die sexuelle Orientierung ist Teil der Identität

Queere Menschen stehen in ihrem Leben immer wieder vor der Herausforderung, sich ihrer Umwelt mitzuteilen. Das fängt beim Coming-out vor den Eltern an und endet beim Gespräch in der Kaffeepause, bei dem der neue Kollege gefragt wird, ob er das Wochenende mit seiner Freundin verbracht habe. Es liegt dann an ihm, sofort offen zu sagen, dass er einen Partner hat – auch wenn er nicht weiß, wie die anderen reagieren oder wie das generelle Klima in der Firma ist - oder ein unter Umständen jahrelanges Versteckspiel zu beginnen. 

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Die sexuelle Orientierung gehört zur Identität eines Menschen. Ob auf Fotos in sozialen Medien oder beim Kuss auf der Straße: Wir teilen ständig mit, was und wen wir lieben. Es geht also nicht darum, über sexuelle Praktiken zu sprechen. Aber gerade bei Prominenten ist es wichtig zu sagen: Ich bin schwul, lesbisch, bisexuell oder transgender. Die 185 Schauspieler*innen, die das gerade getan haben, sind Rolemodels für alle jungen Menschen, die sich ihrer sexuellen Identität noch nicht sicher sind. Sie sind ein Vorbild für ein offenes und akzeptiertes Miteinander.

#actout-Stars wollen sich nicht mehr verstecken

"Noch zu oft haben viele von uns die Erfahrung gemacht, dass ihnen geraten wurde – sei es von Agent*innen, Caster*innen, Kolleg*innen, Produzent*innen, Redakteur*innen, Regisseur*innen usw. –, die eigene sexuelle Orientierung, Identität sowie Gender geheim zu halten, um unsere Karrieren nicht zu gefährden", schreiben die Unterstützenden der #actout-Gruppe in ihrem Manifest und sagen: "Das ist jetzt vorbei." Nur durch Offenheit gibt es Veränderung. Deshalb ist es wichtig, über sexuelle Orientierung zu sprechen. Sie ist keine Privatsache.


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