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TV-Kritik zum "Bachelor"-Finale: Gefühlsaufbau Ost

Krankenschwester Liz aus Brandenburg ergattert die letzte Rose von "Bachelor" Oliver Sanne. Und nun: Liebe, Hochzeit, Kinder? Wohl kaum. Gerüchteweise ist schon wieder alles vorbei.

Von Simone Deckner

Die letzte Rose ist verteilt: "Bachelor" Oliver Sanne und Krankenschwester Liz nach der Entscheidung

Die letzte Rose ist verteilt: "Bachelor" Oliver Sanne und Krankenschwester Liz nach der Entscheidung

Die fünfte Staffel "Der Bachelor" ist Geschichte. Das ist eine gute Nachricht. Sieben Wochen lauwarmes Liebesgeflüster, unangenehme Nahaufnahmen von Mundöffnungen sowie falschen Wimpern und Vorstellungen von der Liebe liegen hinter uns. Unsere Kritikerin hat sich durch die Finalshow gequält – ohne Zuhilfenahme des Gesöffs mit den Elefanten auf dem Etikett.

Wer hat die letzte Rose bekommen?

Liz, die blonde Krankenschwester aus Eberswalde – obwohl sie, ganz Larissa Marolt-like, die Sendung unter Umständen zuvor nicht ganz so genau studiert hatte. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Blondine sich bitterlich beim Bachelor beschwerte, "dass da noch jemand anderes ist."

Knallhart nahm sie Oli ins Kreuzverhör, wollte wissen, was zwischen ihm und der Steuerfachangestellten Caro gelaufen war. "Nur geknutscht!", schwor der Bachelor. "Nicht gefummelt?", hakte Liz in bester Günter Wallraff-Manier nach. Bloß um kurze Zeit später zu betteln: "Gib mir bitte die letzte Rose. Du wirst es nicht bereuen!"

So geschah es. Ein privater Gefühlsaufbau Ost gewissermaßen. Laut hartnäckigen Gerüchten ist aber schon wieder alles aus und der Bachelor a) mit der Zweitplatzierten Caro oder b) wieder mit seiner Exfreundin zusammen.

Wer hat eigentlich gewonnen?

Das blonde Playmate/Model/Bankerin Sarah. "Ich kann mich vor Anfragen kaum retten", prahlt sie gegenüber der Bild-Zeitung. Auf ihrer Facebook-Seite postet die "Person des öffentlichen Lebens" schon fleißig Fotos auf denen sie ein Duckface zieht. Ihre Rechnung, sich "ganz auf die Karriere zu konzentrieren", scheint also aufzugehen.

Dass man nicht gewinnen muss, um hübsch Gewinne zu machen, kann man bis heute am Beispiel der Vorgängerinnen Melanie Müller, Angelina Heger und dem Sams, pardon …, Georgina Fleur verfolgen: vom Nacktrodeln über Promi-Dinner bis zum Dschungelcamp zweitverwerten sich die ehemaligen Kandidatinnen als "It-Girls" auf Teufel komm raus.

Was bleibt vom Finale hängen?

Der Ruhrpott-Slang, den die Mutter vom Bachelor drauf hatte: Ein beherztes "Männeken" und "Schätzelein" in jedem zweiten Satz.

Demgegenüber komplett gestelzt: die verbalen Fähigkeiten ihres Sohnemanns: Er habe durchaus "Gefühle aufgebaut" für die beiden Finalistinnen, formulierte er hölzern. Überhaupt: Dieses ständige Sich-selbst-in-der-Situation-analysieren, schlimm! Schön schnell aus der Hüfte geschossen hingegen der stolze Kommentar von Liz, als sie Papa und Mama Bachelor zum ersten Mal begegnet: "Wir hatten auch ganz schnell Körperkontakt."

Ist das Konzept nicht ohnehin zum Scheitern verurteilt?

Auf die Männer bezogen: ja. Noch keiner der Bachelors hat "die große Liebe" vor laufender Kamera gefunden. Christian Tews plant gerade seine Hochzeit mit einer Frau, die er nach seiner Mini-Liaison mit Gewinnerin Katja kennenlernte. Jan Kralitschka ist wieder mit seiner Ex zusammen. Paul Jahnke wurde zuletzt immerhin eine Affäre mit Dschungelcamp-Kandidatin Tanja Tischewitsch angedichtet.

Bloß bei der "Bachelorette" Anna hält die durchs TV gestiftete Beziehung nun schon seit acht Monaten. Und auch in Amerika, dem Mutterland des Bachelors, wo man mittlerweile 19 Staffeln gesendet hat, gibt es diverse Ehen und Kinder zu vermelden.

Warum schauen wir trotzdem hin?

Vielleicht aus dem gleichen Grund, aus dem wir immer wieder in die Burger-Läden rennen: Weil es bequem ist und wir nicht viel nachdenken müssen. Es macht satt, wenn auch nicht glücklich. Nach einer Stunde Bachelor-Konsum fühlt man sich ähnlich pelzig von Innen wie nach dem Verzehr einer großen Portion Pommes. Das ist dann auch der Zeitpunkt, an dem man sich etwas schämt für die eigene Bequemlichkeit. Dann nimmt man sich hoch und heilig vor, sich an dieses Gefühl zu erinnern, wenn der Heißhunger das nächste Mal kommt. Ganz bestimmt!

Vielleicht aber auch aus dem gleichen Grund, aus dem wir gern kitschige YouTube-Videos schauen: "llusionen, Illusionen sind das Schönste auf der Welt / Illusionen, Illusionen, sie sind das, was uns am Leben hält", sang Hildegard Knef und wer würde je an der großen Knef zweifeln?

Das Fazit?

"Ich kann echt keine Rosen mehr sehen", sagte der Bachelor irgendwann in einem jähen Moment der Klarheit. Frag uns mal! Die Aussage ist jedoch symptomatisch für die Show: Das Symbol für die Liebe - runter gerockt zu einem lästiges Anhängsel. Ein Trost: Am 8. März werden weltweit wieder rote Blumen verteilt, die wirklich etwas bedeuten: am Internationalen Frauentag.

Offenlegung: Die Autorin hat dunkle, kurze Haare. Auf Twitter nennt sie sich @senatorsim. Fragen Sie nicht.