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Stern Logo "Bauer sucht Frau" - Landwirte suchen ihr Liebesglück

Neue Staffel "Bauer sucht Frau": Ab zum Zahnarzt

Im deutschen Fernsehen ist keine Doku-Soap erfolgreicher - und wohl auch keine klischeebelasteter als "Bauer sucht Frau". Zum siebten Mal schickt RTL-Moderatorin Inka Bause Landwirten heiratswütige Frauen in die Ställe.

Von Christoph Forsthoff

Ein Fall für Deutschlands Zahnärzte. Nein, nicht die Moderatorin mit dem Lächeln aus der Zahnpasta-Werbung, sondern die neuen Landjungs von Inka Bause. Aber vielleicht hat RTL ja die Kandidaten für die siebte Staffel von "Bauer sucht Frau" nach eben diesem Kriterium der Notwendigkeit einer Gebisssanierung ausgewählt ... Natürlich nicht, um beim Zuschauer die niederen Hohn- und Spottinstinkte zu wecken. Das würde der Sender nie tun, ganz im Gegenteil gibt's sogar als Publikumshilfe hochdeutsche Untertitel - etwa für den "einsamen Niedersachsen" Friedrich, dessen leicht nuschelige Aussprache von einer land(es)typischen Färbung geprägt ist. Schließlich geht es der "Liebesbotin" und ihrer Redaktion ja allein um die Sozialisierung der vom Landleben hart geprüften männlichen Geschöpfe, wie wir schon zum Auftakt der erfolgreichsten deutschen Dokusoap beim Scheunenfest erfahren: "Für viele Bauer ist es das erste Fest ihres Lebens", drückt da das RTL-Blondie mächtig auf die Freudentränendrüse

Adjektiv + Subjekt - fertig ist der Charakter

Hallo, geht's noch, Frau Bause!?! Schon mal auf dem Land gewesen und was von Dorffesten gehört? Oder sollten wir das Ganze vielleicht doch eher als Karikatur einer telegenen Partnervermittlung in Zonenrandgebieten verfolgen? So wie offenbar der Sender selbst auch, der auf seiner Website unter einem Foto der neun Kandidaten schreibt: "Diese 14 Bauern suchen die großen Liebe" - welch feiner Seitenhieb auf den "schwäbischen Pfundskerl" Thomas. Denn auch diese siebte Auflage strotzt in der ersten Kennenlernfolge wieder vor Klischees und Lore-Roman-Formulierungen: Angefangen von dem "fröhlichen Friesen" Gerold bis hin zu dem "liebevollen Lausitzer" Dirk oder dem "sanften Schweinebauer" Uwe - Adjektiv plus Subjekt und fertig ist der Charakter. Dazu gibt's Sprachbilder, dass die Schwarte kracht: "Im schönen Münsterland bestellt der heitere Ackerbauer Rolf sein Feld - nur die Liebe will hier einfach nicht gedeihen." Gegen solch redaktionellen Blüten helfen nur noch stärkste Herbizide.

Nein, es sind nicht die neun Junggesellen, die uns fassungslos die ersten 75 Minuten dieser Kuppelshow mit Dirndl und Trecker verfolgen lassen. Deren Bewerbungen für ihren Seelenstriptease vor der Kamera mögen zum Großteil tatsächlich von der Tristesse einsamer Hofnächte und der Sehnsucht nach einer liebevollen Umarmung geschrieben sein. Dass ihre Chancen, auf diesem Wege die Passende zu finden, indes noch bescheidener sind als via Anzeige in der Dithmarscher Rundschau, wird keinen wirklich überraschen.

"Der erste Bauer dieser Art"

Natürlich haben sie sich freiwillig für diesen Gang in die Entblößung entschieden, der ihnen nun (vorerst) eine Woche lang Alltagsleben im Scheinwerferlicht mit ihrer auserwählten Herzensdame beschert. Aber gibt es nicht auch Grenzen des Anstandes, die ein Vorführen menschlicher Schwächen zwecks Schenkelklopfen und Unterhaltung des Zuschauers verbieten sollten? Klar ist es zum Brüllen, wenn Rolf ("der heitere Ackerbauer") angesichts der Vierbeiner seiner potenziellen Hofgefährtin sich besorgt erkundigt: "Und die Hunde sind tätowiert, die können also keine Jungen kriegen?" Doch solch Humor auf Kosten anderer ist eben auch unterste Geschmacksschublade.

Richtig übel ward uns allerdings, als Frau Bause dann noch versuchte, die "Toleranz-für-Minderheiten"-Karte zu spielen: Philipp ("der fleißige Pferdewirt") sucht nämlich keine Frau, sondern… einen Mann. "Du bist ja der erste Bauer dieser Art, den wir bei uns haben", tat sich die Moderatorin hörbar schwer, Worte wie gleichgeschlechtliche Liebe, schwul oder homosexuell in den Mund zu nehmen. Um dann von einem "Zeichen der Toleranz" zu schwafeln, von einem "ganz wichtigen Zeichen, das ich setzen möchte". Verlogener geht's wirklich nicht mehr bei dieser schlichten Jagd nach Einschaltquoten.