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Berlin Medienpreis "Goldene Henne" im Zeichen der deutschen Einheit


Der Medienpreis "Goldene Henne" ist im Berliner Friedrichstadtpalast an Joachim Gauck verliehen worden. Auch der Verpackungskünstler Christo wurde für sein Lebenswerk geehrt.

Auf dem Roten Teppich vor dem Berliner Friedrichstadtpalast tummeln sich die Stars und Sternchen. Es ist wieder Zeit für die "Goldene Henne" - den ostdeutschen Medienpreis. Während immer mehr Promis in Glanz und Glitter eintreffen, gibt Star-Friseur Udo Walz schon mal Stylingtipps für die kommende Saison. Ex-Eiskunstläuferin Katarina Witt strahlt im glitzernden schwarzen Kleid und verrät, dass sie zwar keine Henne bekommt, dafür aber eine an zwei Herren überreichen wird. Doch in diesem Jahr steht die "Goldene Henne" nicht nur im Zeichen von Glanz und Glamour, sondern vor allem im Zeichen der deutschen Einheit.

Den Ehrenpreis Politik für sein Engagement für Demokratie und Freiheit erhielt dann auch der Mann, der in diesem Jahr wie wohl kaum ein anderer die Gemüter der Menschen in Deutschland bewegt hat: Der ehemalige Bürgerrechtler und Anwärter auf das Amt des Bundespräsidenten, Joachim Gauck. "Ich war immer eingenommen von diesem lebensklugen Kopf", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der die Laudatio hielt. "Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung" - allein dieser Satz von Gauck sei schon "hennewürdig", betonte Platzeck. Gauck bedankte sich für die Auszeichnung und nannte sich hinsichtlich der verlorenen Bundespräsidentenwahl "den glücklichsten Verlierer", weil er so viel Unterstützung bekommen habe. Zugleich erinnerte er an die vergangene Woche verstorbene DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley.

Für Überraschung sorgte im Laufe des Abends eine Kunstaktion, die ebenfalls dem vereinten Deutschland gewidmet war: Die komplette Verhüllung des Friedrichstadtpalasts in Anlehnung an den 1995 verhüllten Reichstag durch den Verpackungskünstler Christo, der die "Goldene Henne" für sein Lebenswerk entgegennahm. "Die damalige Kunstaktion hat ein neues, ein anderes Deutschland gezeigt", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in seiner Laudatio. Er würdigte Christos Aktion als ein einmaliges wunderbares Erlebnis.

Zwar wurde die "Goldene Henne" nicht zum 20. Mal, sondern erst zum 16. Mal verliehen, dafür feierte aber die Zeitschrift "Super Illu" - die den Preis gemeinsam mit den Sendern RBB und MDR und dem Friedrichstadtpalast verleiht - ihr 20-jähriges Bestehen. Moderatorin Miriam Pielhau, die elegant im roten Kleid mit Rosenbesatz durch die Show führte, betonte, dass die Zeitschrift in den vergangenen Jahren viel zum deutsch-deutschen Verständnis beigetragen habe.

Die Verleihung der "Goldenen Henne" 2010 sorgte für viele bewegende Momente. So überreichte "Super Illu"-Chefredakteur Jochen Wolff eine Henne an das völlig überraschte Berliner Ehepaar Barbara und Michael Kaasch für ihre Verdienste in Haiti. Vom Publikum wurden sie mit Standing Ovations gefeiert. Turbine-Potsdam-Fußballerin Anna Felicitas Sarholz erhielt den "Aufsteiger des Jahres"-Preis und widmete diesen in bewegenden Worten ihrer Mutter. Vor den rund 2.000 Gästen im Saal sagte Sarholz, dass es ihre Mutter gewesen sei, die sie immer angetrieben und unterstützt habe, zu der sie aber wegen eines Streits kaum noch Kontakt habe.

Einige Promis gewährten denn auch schon mal Einblick in ihre persönliche Vergangenheit seit der deutschen Wiedervereinigung. "Ich hatte sehr viel Glück in den letzten 20 Jahren", sagte Katarina Witt. "Sie sind nur viel zu schnell vorbeigegangen". Und Sänger Dirk Michaelis sagte: "Ich fühle mich frei und glücklich". Zwar gilt die "Goldene Henne" immer noch als ostdeutscher Preis, spätestens im 20. Jahr der deutschen Einheit aber ist der Preis in ganz Deutschland angekommen.

APN APN

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