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Bambi-Verleihung Der Abend des goldenen Rehkitz


Ein nervöser Mesut Özil, ein schluffiger Udo Lindenberg und ein gerührter Hans-Dietrich Genscher - bei der Bambi-Verleihung in Potsdam gibt es von allem etwas.

Posthume Ehrung für Christoph Schlingensief und ein Überraschungs-Bambi für US-Star Sarah Jessica Parker: In Potsdam ist am Donnerstagabend zum 62. Mal der Burda-Medienpreis Bambi verliehen worden.

Hannah Herzsprung und Florian David Fitz erhielten den Medienpreis Bambi in der Kategorie Schauspieler/in. Die 29-Jährige ("Weissensee") setzte sich gegen ihre ebenfalls nominierten Kolleginnen Christiane Paul und Anna Loos durch. Bei den Männern waren neben Fitz ("Vincent will Meer") auch Felix Klare und Friedrich Mücke im Rennen um den Burda-Medienpreis. Zur besten Fernsehserie wurde "Um Himmels Willen" (ARD) gekürt.

Fußballnationaltrainer Joachim Löw und sein Trainerstab bekamen unter dem Jubel der Gäste den Sonderpreis der Jury. Die Laudatio hielt Fußballer Mesut Özil, der an die Fußball-WM in Südafrika erinnerte, bei der das junge deutsche Team Dritter geworden war. "Es war für uns ein tolles Turnier", sagte Özil. Er bedankte sich für Löws Vertrauen in ihn. Der deutsch-türkische Sportler erhielt selbst auch ein Rehkitz - aus der Kategorie "Integration", überreicht von Moderatorin Nazan Eckes, die ebenfalls aus einer türkischen Familie kommt.

"Sex and the City"-Star Sarah Jessica Parker begrüßte die Gäste der ARD-Gala, die diesmal keine festen Moderatoren hatte, und kündigte "sagenhafte Preisträger" an. Die Amerikanerin erschien im knappen Korsagenkleid, das an ein Dirndl erinnerte. Sie schwärmte über die Trophäe, die die Stars begeistere. "Man muss sich dieses niedliche Geschöpf nur ansehen!" Am Ende durfte sie selbst einen Überraschungs-Bambi mit nach Hause nehmen.

Gerührt waren die sehbehinderte Biathletin Verena Bentele und Europas Sprintkönigin Verena Sailer, die in der Kategorie Sport geehrt wurden. Affenforscherin Jane Goodall nahm den Preis in der Sparte "Unsere Erde" entgegen. Schauspieler Hannes Jaenicke würdigte Goodalls Mut, Kraft und Durchsetzungsfähigkeit als beispielhaft. "Sie sind ein Vorbild für uns alle", sagte er. Die 76-Jährige bedankte sich bei ihren Tieren, den Schimpansen, und führte deren Begrüßungsruf vor.

Wie im Vorjahr lud das Medienhaus Hubert Burda etwa 800 Gäste in die Metropolis-Halle nach Babelsberg. Was vorab feststand: Hollywoodschauspieler Orlando Bloom ("Fluch der Karibik") bekommt für sein Engagement als Unicef-Botschafter den Charity-Bambi.

Panikrocker Udo Lindenberg konnte sich ein goldenes Reh für sein Lebenswerk abholen. Der 64-Jährige nutzte die Gelegenheit, um vor der Show für sein Mauerfall-Musical zu werben, zu dem gerade in Berlin die Proben laufen, und gab fleißig Autogramme.

Eine besondere Ehre wurde dem im August gestorbenen Theater- und Filmregisseur Christoph Schlingensief zuteil: Der Bambi wurde ihm posthum in der Kategorie Kultur zuerkannt. Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte des Preises, dass eine Persönlichkeit nach ihrem Tod geehrt wird. Bislang gab es das nur bei Showmaster Peter Frankenfeld ("Musik ist Trumpf") im Jahr 1979.

Die Laudatio hielt Schauspieler Michael Mendl. "Christoph Schlingensief hat niemanden kalt gelassen", sagte Mendl. Schlingensief habe von der Ehrung in der Sparte Kultur gewusst und auch zu der Verleihung kommen wollen. Er starb mit 49 Jahren an Krebs. Mendl würdigte ihn als "unersetzlich".

Schlingensiefs Ehefrau, Aino Laberenz, reagierte gerührt auf die Auszeichnung. "Ich freue mich wirklich sehr, dass mein Mann den Bambi bekommt", schrieb sie an das Medienhaus Burda. "Es ist sehr schön für mich, dass er in seiner Arbeit nicht nur gesehen, sondern auch geehrt wird!" Sie habe lange überlegt, ob sie persönlich den Preis in Empfang nehme. "Aber ich bin grad nicht so stark, um so etwas gut durchzustehen."

Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher nahm den Millenniums-Bambi entgegen und erinnerte daran, dass die Mauer vom Osten her zum Einsturz gebracht worden war. Zuvor hatte Laudator Guido Westerwelle Genschers Verdienste um die deutsche Einheit gewürdigt. Der Außenminister nannte Genscher einen "überzeugten Europäer".

Caroline Bock und Marion van der Kraats, DPA DPA

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