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Bettina Böttinger im stern: "Ein Kollege nannte mich nur 'Herr Böttinger'"

Im stern-Gespräch spricht die Fernsehmoderatorin Bettina Böttinger über Homophobie und Frauenfeindlichkeit im Job - und darüber, wie ihre Karriere verlaufen wäre, wenn sie mit ihren Chefs hätte flirten können.

Bettina Böttinger in ihrem Kölner Loft

Bettina Böttinger in ihrem Kölner Loft. Am kommenden Montag wird die TV-Moderatorin 60 Jahre alt.

Die WDR-Moderatorin Bettina Böttinger ("Kölner Treff", "Ihre Meinung") glaubt, dass ihre Karriere anders verlaufen wäre, wenn sie keine lesbische Frau wäre. "Beim WDR gab es jahrelang ein Bashing gegen mich", sagt Böttinger im Interview mit dem stern. "Das war ganz klar homophob." Im Berufsleben gebe es "bis heute eine unausgesprochene Gepflogenheit: Man kommt durch den Faktor Flirt weiter." Ein Mittel, das sie nicht einsetzen konnte, "das wäre ja unglaubwürdig gewesen." Böttinger sagt weiter: "Manche Männer reagierten regelrecht aggressiv auf mich. Ich habe mitbekommen, dass ein Kollege von mir nur als 'Herr Böttinger' sprach."

"Viele Leute haben immer noch Vorurteile gegen Homosexuelle"

Auch wenn die Gesellschaft in Deutschland beim Thema Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben schon viel weiter sei als noch vor 25 Jahren, hätten viele Leute noch immer Vorurteile. So machte Böttinger ihre langjährige Beziehung zu einer bekannten deutschen Schauspielerin nicht öffentlich, weil ihre damalige Freundin befürchtete, dann weniger Rollenangebote zu bekommen.

In den 90er Jahren wurde sie von Harald Schmidt in seiner Show geoutet. Überrascht habe das Böttinger nicht. "Schmidt ist kein besonders liberaler Mensch, sondern im Grunde genommen konservativ bis hin zur Homophobie." Heute bezeichne sie sich als "lesbische Feministin": "Ich würde nie zuerst sagen: Ich bin eine Lesbe", weil das so seltsam altmodisch klinge.

"Der Kampf hat sich gelohnt"

Verbittert hätten sie die Rückschläge aber nicht, sagt Bettina Böttinger, die am 4. Juli 60 Jahre alt wird. Ihr Kampf habe sich am Ende gelohnt und sie werde für ihre Arbeit respektiert. "Deshalb würde ich auch jungen Frauen raten: nicht aufgeben, auch mal Wut runterschlucken. Aber die Haltung nicht verlieren."

Das komplette Interview lesen Sie im neuen stern



val