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Vormundschaft "Britney vs. Spears": Die schockierendsten Enthüllungen der Netflix-Doku

Britney Spears
Britney Spears steht seit 2008 unter einer strengen Vormundschaft
© Rich Fury / Picture Alliance
Die neue Netflix-Dokumentation "Britney vs. Spears" legt den Fokus auf die frühen Jahre der Vormundschaft – und deckt in diesem Zuge schockierende Details auf. 

Es scheint, als wäre schon alles gesagt über Britney Spears' Vormundschaft, die ihr seit mehr als zehn Jahren die Freiheit nimmt. Immerhin mehren sich die Artikel und Verschwörungstheorien in vergangener Zeit.

Doch die von vielen Fans heißersehnte Netflix-Dokumentation "Britney vs. Spears" schafft es, neue Details zu erzählen und lässt die informiertesten Britney-Experten zurück mit der Erkenntnis: Sie wissen nicht mal ansatzweise alles. 

Britney Spears: Der Grund für ihre Vormundschaft

Filmemacherin Erin Lee Carr und Journalistin Jenny Eliscu liegen bislang unter Verschluss gehaltene Gerichtsdokumente vor, aus denen die Frauen herauslesen können, warum Britney Spears 2008 überhaupt einen Vormund gebraucht haben soll.

Die Regelung kam zustande aufgrund von "Anordnungen im Zusammenhang mit der Unterbringung von Demenzkranken". Eine merkwürdige Analyse, immerhin handelte es sich um eine damals 26-Jährige, die selbst unter Vormundschaft weiterhin gearbeitet hat. 

Als Grund, warum die Vormundschaft so hastig ins Leben gerufen wurde, nannte Lorilee Craker, Biografin von Britneys Mutter Lynne, die "Krise", in der sie sich befand. Spears' damaligem Manager Sam Lutfi wurde von der Familie vorgeworfen, er würde ihr Drogen ins Essen mischen und sie müsse gerettet werden. Lutfi soll der Grund gewesen sein, warum der Sängerin die ihr zustehende Frist von fünf Tagen verwehrt wurde, in der sie gegen die Vormundschaft hätte Einspruch erheben können. "Der einzige Grund für die Verweigerung der fünftägigen Frist für Britney ist, dass Sam Lutfi gefährlich ist und ferngehalten werden muss", erklärte Craker in der Doku. Lutfi selbst kommt in "Britney vs. Spears" auch zu Wort, sagt, er sei der "perfekte Sündenbock" gewesen.

Die Hotel-Schmuggelei

Dramatisch ist ein Ereignis, das Ex-"Rolling Stone"-Journalistin Eliscu erzählt. Sie und Britney standen sich nahe, nachdem sie für die Musikzeitschrift ein Porträt über die Sängerin geschrieben hatte. Eliscu verrät, dass Spears sich 2009 einen eigenen Rechtsbeistand gewünscht hatte. Ihr war damals offenbar schon klar, dass ihr vom Gericht zugeordneter Beistand, Sam Ingham, nicht in ihrem Interesse handelte. 

Doch einen eigenen Anwalt zu bekommen, gestaltete sich als schwierig. Und so kam Eliscu ins Spiel. In einer Geheimoperation schlich sie sich in ein Hotel in Los Angeles, wo Britney Spears sich zu der Zeit aufhielt. Wie abgesprochen ging sie mit einem offiziellen Antrag in der Tasche in eine der Hoteltoiletten und wartete dort auf Britney. Als sie den tätowierten Knöchel der Sängerin unter der Toilettenkabine sah, übergab sie ihr die Unterlagen, die Britney unterschrieb und in denen stand, dass sie einen neuen Anwalt wünsche. "Wir sehen uns bald wieder", sagte Eliscu damals zu Britney, wie sie in der Doku unter Tränen gesteht. 

Ihre Mühen waren am Ende ohne Erfolg. "Es wurde entschieden, dass sie nicht in der Lage war, ihren eigenen Anwalt zu wählen, und dass sie genug Zweifel daran hatten, dass das ihre Unterschrift war. Ich habe nie wieder etwas davon gehört. Niemand hat je wieder darüber gesprochen", erklärt Eliscu. 

"Britney vs Spears" Dokuserie startet auf Netflix

Der offene Brief

Während Vormund Jamie Spears jeden Schritt seiner Tochter kontrollierte und über ihre Finanzen verfügte, versuchte eine verzweifelte Britney Spears offenbar, sich Gehör zu schaffen. Denn die Art und Weise, wie ihre Scheidung von Kevin Federline in der Presse porträtiert wurde, gefiel der Sängerin nicht. Und so wandte sie sich 2009 an Freund und Filmemacher Andrew Gallery und bat ihn, im TV einen offenen Brief von ihr vorzulesen. 

Darin schrieb sie: "Dieses Jahr wurde Britney zum Schweigen gebracht, um über alles zu sprechen, was wirklich vor sich geht. Die Leute, die ihr Leben kontrollieren, haben dieses Jahr drei Millionen Dollar verdient. Sie würde gerne Aufmerksamkeit auf ihre Situation lenken, aber wenn sie es anspricht, wird ihr ständig gedroht, dass die Vormünder ihr die Kinder wegnehmen werden. Wie lange soll das noch so weitergehen? Solange die Leute bezahlt werden und sie keine Rechte hat, könnte es eine Weile so weitergehen, aber das macht es überhaupt nicht richtig."

Bevor Gallery sich dazu entschließen konnte, mit dem Schreiben ins Fernsehen zu gehen, erfuhren Britneys Vormünder von dem Brief und verhinderten Gallerys Hilfe. Seitdem hatte Spears' ehemaliger Vertrauter keinen Kontakt mehr zu ihr. 

"X-Factor", Medikamente und Welttournee

Schockierend sind auch die Details über Britneys Zeit in der Castingshow "X-Factor". Denn die hätte eigentlich nicht stattfinden dürfen, hätte man auf Spears' Ärzte gehört. Denn die bescheinigten im Jahr 2011, die Arbeit würde ihrer Patientin mental nicht guttun und ein Engagement hätte Folgen für ihre psychische Gesundheit. 

Doch Cash-Cow Britney war eine Auszeit nicht gegönnt. Laut Unterlagen, die Carr und Eliscu vorliegen, wurden Britneys Ärzte von den Vormündern unter Druck gesetzt, ihr die Arbeit bei "X-Factor" zu erlauben. Sie legten strenge Regeln fest, unter anderem, dass Britneys damaliger Verlobter, Jason Trawick, am Set immer dabei sein sollte. 

Die Doku offenbart außerdem, dass Britney vor Konzerten und während Tourneen "stimulierende" Medikamente gegeben wurden, damit sie funktionierte. 

Ein Ende der Vormundschaft

Nachdem Britney Spears im Juni dieses Jahre ein emotionales Statement vor Gericht abgegeben hatte, in dem sie sagte, ihre Vormünder gehörten allesamt ins Gefängnis, wehrte sich ihr Anwalt mit der Behauptung, sie habe ihm gegenüber nie gesagt, dass sie die Vormundschaft beenden wolle. 

Eine Lüge, wie in "Britney vs. Spears" gezeigt wird. "[Sie] möchte aus der Vormundschaft entlassen werden", liest Filmemacherin Carr aus einem Gerichtsdokument von 2011. "Manchmal scheint sie die Vorteile der Vormundschaft zu verstehen. Zu anderen Zeiten deutet sie an, dass sie mit der Vormundschaft über das Finanzielle einverstanden wäre. Aber meistens will sie die Vormundschaft für die Person beenden", erklärt sie. Die Vormundschaft über die Person bezieht sich auf alle Entscheidungen, die nicht das Finanzielle betreffen. Wen Britney trifft, wann sie ihre Kinder sieht, wie sie arbeitet und wie sie ihre Freizeit verbringt. 

Spears erklärte bereits vor zehn Jahren, dass sie ihre Freiheit zurück wolle. Eine Tatsache, die Ingham schlicht verschwieg. "Wir haben hier Beweise dafür, dass sie aus der Vormundschaft raus wollte, dass sie dieses Bedürfnis geäußert hat, und dass es ignoriert wurde", sagt Carr. 

"Britney vs. Spears" offenbart viele, teilweise neue Erkenntnisse. Und doch erschleicht den Zuschauer am Ende das Gefühl: So tief wie die Filmemacherin in die Abgründe der Vormundschaft eingedrungen ist, so sehr kratzt sie anscheinend noch immer an der Oberfläche. Denn was Britney Spears im vergangenen Jahrzehnt durchmachen musste, darüber kann nur sie selbst Auskunft geben. 

ls

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