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Campbells Aussage in den britischen Medien: Der Promi-Faktor entscheidet

Als Naomi Campbell den Gerichtssaal in Den Haag betrat, unterbrachen britische TV-Sender ihr Programm, um live dabei zu sein. Seit Tagen dominieren die Aussagen des Supermodels die Medien auf der Insel. Denn was zählt, ist der Promi-Faktor. Und wer profitiert von der britischen Star-Besessenheit? Diktator Charles Taylor.

Von Cornelia Fuchs

Es geht um Kriegsverbrechen, sexuelle Versklavung, die Verschleppung von Kindersoldaten, Mord und Totschlag, Plünderungen, unmenschliche Akte wie Kannibalismus und Verletzungen der persönlichen Würde. Seit mehr als drei Jahren hört das Sondergericht für Sierra Leone Zeugen der Verteidigung und der Anklage im Fall gegen den ehemaligen Präsidenten von Liberia, Charles Taylor. Er wird schlimmster Menschenverbrechen bezichtigt in mindestens elf Fällen.

Wer die britischen Nachrichten in den vergangenen Tagen gelesen hat, könnte meinen, es hätte niemals in diesen Jahren wichtigere Aussagen gegeben als die von einem ins Alter gekommenen Supermodels, seiner verhärmten Agentin und einer Schauspielerin, die besonders für eine schmutzige Scheidungsschlacht und medienwirksame Kreuzzüge gegen Unrecht in aller Welt bekannt ist.

Die Sender unterbrachen ihr Programm

Als Naomi Campbell als Zeugin vor den Richtern Platz nahm, stoppten die beiden Nachrichtenkanäle BBC und Sky die laufende Berichterstattung und schalteten live nach Den Haag, dem Tagungsort des Prozesses gegen Charles Taylor. Jede Minute wurde gezeigt, jede Handbewegung von Campbell interpretiert. Am nächsten Tag erschien Campbell auf fast allen Titelseiten, Radiosendungen wurden ihrer Aussage gewidmet. War es nun schlimmer, dass sie mitteilte, sie kenne Diamanten nur als schöne, glänzende Steine und nicht als dreckige Kiesel? Oder dass die Übergabe solcher Geschenke, mitten in der Nacht von fremden Männern an der Hoteltür übergeben, für sie "nichts Besonderes" sei? Oder dass sie aussagte, sie habe von Charles Taylor und dem Krieg in Liberia zuvor noch nie gehört?

Großbritannien ist - oft zu Recht - stolz auf seine Presse. In der investigativen Sendung "Dispatches" zeigte der TV-Sender Channel4 in diesen Tagen eine überaus beeindruckende Dokumentation über Exorzismus-Praktiken an Kindern in evangelikalen Kirchen afrikanischer Einwanderer in London. In Tageszeitungen berichteten Journalisten über Pläne der Armee, die Ausbildung von Bombenspezialisten von 17 auf vier Monate zu verringern, und das in einer Zeit, in der die Angriffe auf Patrouillen in Südafghanistan immer mehr zunehmen. An anderer Stelle wurde aufgedeckt, dass Sozialämter oft mehr als ein Jahr brauchen, um zu entscheiden, ob Kinder bei ihren Problem-Familien bleiben oder in Pflege gegeben werden sollen. Monate, in denen die eigentlich Schutzbedürftigen weiter gequält werden können.

Doch angesichts der Aussage eines Supermodels in Den Haag hat keines dieser Themen auch nur den Hauch einer Chance, mehr Gehör zu finden als eine einmalige Erwähnung auf den hinteren Plätzen. Die Briten sind besessen von Stars und Sternchen - und das nicht mehr nur in den Boulevard- und Klatsch-Zeitungen. So beugt sich auch der "Guardian" dem Gebot der großen Namen - wenn er die Aufregung auch vor allem dazu nutzt, dass seine Kolumnisten sich darüber lustig machen. Noch nie seien wohl so viele Journalisten nach Den Haag gekommen, wie an dem Tag, an dem Naomi Campbell sich bequemte dort aufzutauchen.

Jedes Thema braucht einen Promi

Zu jedem Thema gibt es inzwischen in Großbritannien den Proto-Promi: Flüchtlingsgeschichten aus den größten aber auch langweiligsten - weil immer gleich elendigen Flüchtlingslagern der Erde - haben nur noch eine Chance auf breite britische Aufmerksamkeit, wenn Angelina Jolie sie mit ihrem Lächeln beglückt. Das Elend in Haiti wird wieder wichtig, weil der Rap-Künstler Wyclef Jean dort plötzlich Präsident werden will.

Und die Suche nach Gerechtigkeit in Den Haag kommt auf die Titelseiten, weil Naomi Campbell zu ihrer Zeugenaussage die Haare im Retro-Style trug, à la 60er. Dabei war in den Berichten nicht weiter wichtig, dass Charles Taylor keinesfalls wegen seiner Verbrechen in Liberia angeklagt ist, dem er bis 2003 als Staatsoberhaupt vorstand. Es geht in diesem Prozess um seinen Einfluss auf den schrecklichen, elfjährigen Bürgerkrieg im Nachbarland Sierra Leone, in dem Armeen und Milizen die Zivilbevölkerung quälten, wahllos vergewaltigten, Gliedmaßen amputierten und Häuser plünderten.

Profitiert am Ende Charles Taylor?

Taylor soll sich Einfluss und Waffen mit illegal geschürften Diamanten aus Minen in Sierra Leone erkauft haben, mit "Blutdiamanten". Naomi Campbell hätte mit ihrer Aussage dazu beitragen können, dass Taylors Verbindung zum Diamanten-Nachschub dokumentiert worden wäre. Sie sagt, sie könne nicht wissen, wer ihr die Diamanten geschenkt habe, sie habe die Männer vorher noch nie gesehen.

Da ist etwas, was ebenfalls in kaum einem Artikel über das Erscheinen der eleganten Naomi erwähnt wurde: Derzeit ruft die Verteidigung von Charles Taylor in Den Haag Zeugen auf. Taylors Anwälte werden sich über die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Weltpresse angesichts dieser für ihn erfreulichen Aussage gefreut haben.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo