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Interview

Carmen Hanken: "Tamme würde wollen, dass ich weitermache"

Vier Monate nach dem tragischen Tod ihres Mannes kehrt Carmen Hanken auf den Bildschirm zurück. Im Gespräch mit dem stern erzählt die 57-Jährige, wer ihr in ihrer Trauer zur Seite gestanden hat - und wie es finanziell um den Hankenhof bestellt ist.

Carmen Hanken

Carmen Hanken führt den Hankenhof in Filsum in Eigenregie fort.

Frau Hanken, wie geht es Ihnen gerade?
Ich versuche, nach vorne zu blicken. Dabei hilft mir der gute Geist, den Tamme hinterlassen hat. Und die vielen Menschen, die immer noch Anteil nehmen. Zu merken, dass man nicht allein ist auf der Welt, gibt viel Kraft.

Wer hat Ihnen in der ersten Zeit nach dem Tod Ihres Mannes am meisten geholfen?
In erster Linie unser Team vom Hankenhof. Daneben habe ich viele gute Bekannte, die inzwischen zu Freunden geworden sind, weil sie mir in dieser schwierigen Zeit zur Seite stehen und mir die Kraft geben, weiterzumachen.

Ist das Team so etwas wie Ihre Familie?

Das kann man genau so sagen. Nach Tammes Tod kam die Frage: "Was machst du jetzt mit uns? Entlässt du uns?" Mein Wunsch ist es, den Hankenhof genauso zu erhalten, wie Tamme ihn hergerichtet hat. Die Mitarbeiter bringen sich toll ein. Sie machen nicht nur ihren Job, jeder trägt Verantwortung für seinen eigenen Bereich.

Sie müssen also niemandem kündigen?
Ich werde keinen entlassen. Wir werden gemeinsam daran arbeiten, den Hof und seine vielen Angebote bekannter zu machen.

Tamme Hanken sitzt lachend auf dem Rücken eines Pferdes

Sie bieten inzwischen auch Dienste als Tier-Heilpraktikerin an. Können Sie immer helfen?
Tamme hat immer so schön gesagt: "Ich bin nicht der liebe Gott" - und das gilt sicher auch für mich. Aber ich arbeite seit 50 Jahren mit Pferden. Wir waren ein tolles Team: Tamme hatte seine Arbeit auf die Bewegungsmechanik der Tiere eingestellt, und ich auf das Aufbautraining und Reha. Weil wir uns ergänzt und ausgetauscht haben, kann ich inzwischen auch viele Tipps geben. Zudem bilde ich mich in dem Bereich weiter.

Im ersten Teil von "Neues vom Hankenhof - Tamme Forever" (Dienstag, 20.15 Uhr auf Kabel 1) sieht man, wie Sie 20 von 50 Pferden verkaufen, um den Hof zu retten. Ist Ihnen das gelungen?
Mir ist wichtig, den Hankenhof auf gesunde Beine zu stellen. Ich bin jetzt Unternehmerin geworden. Das wollte ich nicht, aber das ist jetzt so. Man baut ein Haus auf einem soliden Fundament. Das Fundament ist für mich, die Kosten zu reduzieren. Man kann sich als Laie vorstellen, was ein Pferd kostet. Ich könnte mir das Futter für 50 Pferde leisten, aber ich möchte den Hankenhof langfristig weiter nach vorne bringen. Wir wollen vor allem für die Gesundheit der Tiere arbeiten, die zu uns kommen - und nicht nur für die eigenen Tiere.

Es muss sich aber niemand Sorgen machen, dass der Fortbestand des Hankenhofes gefährdet ist?
Definitiv nicht. Der Hankenhof ist ein gesundes Unternehmen, aber wenn man ein Unternehmen umstrukturieren muss, gehört auch dazu, dass man Kosten spart. Jetzt gilt es, den Rahmen so anzupassen, dass man ihn erhalten kann. Dazu muss man manche Dinge gezielt verkleinern. Die Zucht, Deckstation und Reha bleiben aber erhalten.

Carmen Hanken: "Der Hof steht an erster Stelle"

Mussten Sie lange nachdenken, als Kabel 1 bei Ihnen angefragt hat, neue Folgen zu drehen?
Es war überhaupt nicht klar, ob ich die Reihe weiterführe. Aber im Nachhinein haben mir die Dreharbeiten und die Reise auf Tammes Spuren geholfen, seinen Tod mental besser zu bewältigen. Am Tag bin ich immer für die Mitarbeiter da und die Menschen, die Hilfe suchen. Hier habe ich auch mal was für mich getan.

Sechs Folgen sind jetzt abgedreht. Ist eine weitere Zusammenarbeit geplant?
Bis jetzt noch nicht. Man muss erst mal sehen, ob das beim Zuschauer überhaupt ankommt. Und ob es sich mit meiner anderen Arbeit vereinbaren lässt: Der Hof steht für mich an erster Stelle.

Der Hankenhof ist auch auf Facebook vertreten und hat 320.000 Fans. Wie gehen Sie mit dem nicht immer positiven Feedback um?
Ich gucke schon, was die Menschen empfinden, wenn ich Informationen teile. Nehmen die mich wahr, wie ich wirklich bin, oder empfinden die mich als Fassade? Ich bin genau wie Tamme immer authentisch. Manchmal tun die Reaktionen auch weh. Es gibt Leute, die einen anfeinden, weil sie der Meinung sind, ich müsste drei Monate nichts anderes machen als trauern. Ich denke dann immer: Was würde Tamme dazu sagen? Er würde wollen, dass ich weitermache und unser gemeinsames Erbe fortführe.

Sie sind gebürtige Rheinländerin. Planen Sie, eines Tages in ihre alte Heimat zurückzukehren, oder sind Sie mit Leib und Seele Ostfriesin geworden?
Leider habe Ende des vergangenen Jahres meine Mutter verloren. Ich liebe das Rheinland und fahre einmal im Monat hin. Aber ich habe meine Heimat auf dem Hankenhof gefunden. Tamme hat uns in den 14 Jahren, die wir zusammen waren, ein Nest gebaut. Und dieses Nest möchte ich nicht mehr verlassen.

"Neues vom Hankenhof - Tamme Forever" läuft immer dienstags um 20.15 Uhr auf Kabel1.

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