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ARD-Show Jeden dritten Tag wird eine Frau getötet: Carolin Kebekus spricht über Femizide

Carolin Kebekus
Carolin Kebekus befasst sich in der aktuellen Ausgabe ihrer Show mit einem ernsten Thema: Femizide.
© WDR/Nirén Mahajan / ARD
Eigentlich ist sie Comedienne, doch diesmal war Carolin Kebekus gar nicht lustig. In der aktuellen Folge ihrer Show sprach sie ein ernstes Thema an: Femizide.

Dass in einer Humorsendung eine Trigger-Warnung eingeblendet wird, ist im deutschen Fernsehen alles andere als üblich. Am Donnerstagabend griff Carolin Kebekus zu dieser drastischen Maßnahme. Denn die für ihren rheinischen Frohsinn bekannte Comedienne sprach etwas an, das ihr sehr am Herzen liegt: "Unser Thema jetzt ist alles andere als lustig", begann die 42-Jährige. "Wir wissen, für eine Comedy-Show ist das echt heavy, aber: macht halt niemand anders. Und dann müssen wir eben wieder ran."

Das Thema, um das es in den nun folgenden 15 Minuten ging, war Femizid: "Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland seine Frau umzubringen, jeden dritten Tag gelingt es ihm", leitete die Moderatorin den Beitrag ein. Ein Skandal, der für sich schon schlimm genug ist. Doch Kebekus geht es um etwas anderes: die Art, wie in den Medien über diese Verbrechen gesprochen wird. Die unglaubliche Dimension werde verharmlost durch Berichterstattung, die oft so tut, als wären das Einzelfälle.

Carolin Kebekus plädiert dafür, die Fälle als das zu benennen, was sie sind: Femizide. Das Wort bezeichne "die vorsätzliche Tötung einer Frau durch einen Mann aufgrund ihres Geschlechts". Kebekus glaubt, es gebe hinter den vielen Tötungsdelikten "Strukturen". 

Carolin Kebekus über einen geschmacklosen Trend

Was die Comedienne besonders erschreckt: Viele dieser Morde dienten nur als Vorlage für Unterhaltung. Sie verweist dabei auf den Boom des Genres "True Crime". Mehr als 1000 Podcasts gebe es aus dem Bereich allein bei Spotify. 

Um zu demonstrieren, wie geschmacklos sie diesen Trend empfindet, inszeniert Kebekus einen Podcast, indem sie einen Femizid ausschlachtet: "Es wird deep. So ein richtiges Drama aus Liebe und Gewalt", säuselt sie in das Mikrofon eines Tonstudios. Als Vorlage nimmt sie den realen Mord des französischen Sängers Bertrand Cantat an der Schauspielerin Marie Trintignant. Cantat kam damals nach drei Jahren Haft wieder frei.

Im Schnitt 122 Frauen pro Jahr

Immer wieder werde über Femizide unangemessen berichtet. Kebekus stört sich vor allem an dem verharmlosenden Begriff "Familiendrama". Doch das Problem sieht sie auch bei der Politik: Anders als in Spanien sei der Begriff Femizid in Deutschland offiziell noch nicht anerkannt, da wundere es nicht, dass Behörden bei diesen Verbrechen oft versagten. In dem Zusammenhang erwähnt sie einen Fall, in dem ein Mann seine Frau erwürgt hatte und nur für Totschlag verurteilt wurde - weil sie ihn vorher verlassen hat. Das könne laut Bundesgerichtshof "als gegen die Niedrigkeit des Beweggrundes sprechender Umstand beurteilt werden". 

So sei in Deutschland noch viel zu tun, bis diese Verbrechen in ihrem vollen Umfang erkannt würden. Das Problem ist drängend: "Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland seine Frau umzubringen, jeden dritten Tag gelingt es ihm. Im Schnitt sind das 122 Frauen im Jahr."

Die komplette Folge der "Carolin Kebekus Show" können Sie in der ARD-Mediathek sehen

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