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Interview

Neue Staffel der Serie: Christian Ulmen über "Jerks": "Es gibt kein 'zu krass'"

Mit "Jerks" sorgte Christian Ulmen vergangenes Jahr für Furore: Selten hat eine Serie so konsequent Schmerzgrenzen verletzt. Zum Start der 2. Staffel verriet Ulmen, wie er die Produktion bei einem Sender untergebracht hat - und wo seine persönliche Grenze liegt.

Christian Ulmen

Christian Ulmen führt Regie und spielt zusammen mit Fahri Yardim die Hauptrolle in der Serie "Jerks".

DPA

Herr Ulmen, der Humor in Ihrer Serie "Jerks" geht deutlich weiter als in Deutschland üblich. Wie schwer war es, das Format beim Sender unterzubringen?
Als ich dazu kam, hatte die Produktionsfirma Talpa schon mit ProSieben angebandelt. Nach meiner Erfahrung gibt es grundsätzlich leichte Berührungsängste mit dem Thema Improvisation unter Programmverantwortlichen. Denn Redakteure lieben es, Dialogbücher zu besprechen. Und die gibt es ja bei uns nicht. Maxdome hatte keine Angst, ProSieben auch nicht. Gemeinsam haben wir "Jerks" gemacht. Ohne die Dänen hätte die Suche nach einem Sender vielleicht länger gedauert. In Deutschland gehen Adaptionen super. Und allmählich lösen wir uns immer stärker von der Vorlage.

Funken da keine Redakteure dazwischen, denen manche Szenen zu krass sind?

Die Frage ist sehr berechtigt. Aber wir haben unfassbares Glück mit unserer Redaktion, die genauso tickt wie wir, die uns echter Partner in der Vorbereitung ist und im entscheidenden Moment loslassen kann. So viel gegenseitiges Vertrauen ist selten. Wir gehen von derselben Prämisse aus, was die Krassheit in "Jerks" betrifft. Es ist ein ständiges Abwägen, ob die harten Aspekte nur erzählt werden, weil sie provozieren sollen, also nur des Effektes wegen, oder aber zum Gesamtbild beitragen und der Geschichte und ihren Figuren Wahrhaftigkeit verleihen. Und wir haben die Härte immer für wichtig befunden, einfach, weil wir so ehrlich wie möglich erzählen wollen. Es gibt also kein "zu krass".

Gibt es für Sie eine Schmerzgrenze: Was würden Sie in "Jerks" nicht machen?
Solange außer Fahri oder mir niemand sonst vorsätzlich bloßgestellt wird, ist alles erlaubt.

Als Regisseur mussten Sie jetzt eng mit Ihrer Frau zusammenarbeiten. Wie war das?
Man kennt sich in- und auswendig. Das kann mal helfen, aber manchmal ist es auch schwierig. Ich arbeite eigentlich lieber mit Nicht-Familienmitgliedern, aber es hat gut funktioniert.

Inwiefern ist die Arbeit eines Regisseurs anders, wenn die Schauspieler improvisieren? Muss man sie anders motivieren?

Es braucht da kaum Motivationshilfe. Die Klischeeantwort aller Schauspieler auf die Frage, was sie an ihrem Beruf mögen, heißt immer: "Ich liebe es, in andere Welten einzutauchen, ein anderer zu sein." Was ja aber fast nie stimmt. Wenn du einen Film drehst, tauchst du für zwei Minuten in deine fremde Welt ein und sitzt danach wieder zwei Stunden im Wohnwagen, bis das Licht neu eingerichtet wurde. Du rezitierst einen Text und der Regisseur sagt dir, wo du stehen sollst. Aber in der Improvisation stimmt dieses Klischee vom Eintauchen und "ein anderer sein". Du hast keinen Text gelernt, kannst dich hinstellen, wo du willst. Ein Take bei uns dauert nicht zwei, sondern manchmal 20 Minuten. Es gibt keine Umbaupausen, wir drehen mit vorhandenem Licht. Du kannst es dir ausgiebig bequem machen in deiner Rolle. Das macht jedem Schauspieler, der bei uns mitmacht, wahnsinnig viel Spaß. Das rührt eben an der Ursprungsidee vieler, diesen Beruf je ergriffen zu haben: Unbedingtes Spielen.

Also gibt es weniger Takes?
Es sind weniger Takes, die dafür länger sind. Der Rekord lag bei 30 Minuten. Wir drehen immer mit zwei Kameras, damit die Szenen in Schuss-Gegenschuss geschnitten werden können. Keiner muss wiederholen, was er gerade gesagt hat.

Was ist der Erfolgsstandard, an dem die Serie gemessen wird? Vor allem von ProSieben und Maxdome?
Das können ProSieben und Maxdome bestimmt besser beantworten. Die Serie wurde gut angenommen, es gab gute Kritiken, Preise und die Quoten waren ganz okay. Aus Geschäfts- und inhaltlicher Sicht hat alles gereicht, um weiter zu machen.

Die 2. Staffel von "Jerks" steht ab dem 29. März auf dem Streaming-Plattform "Maxdome" bereit, ab dem 8. Mai sind die neuen Folgen auf ProSieben zu sehen.

Jerks heißt die neue Serie mit Christian Ulmen und Fahri Yardim