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ARD-Sendung "Das Buch war in den USA ein Renner": Dieter Nuhr blamiert sich mit erfundenen Fakten

Dieter Nuhr
Dieter Nuhr hat in seiner Sendung am Donnerstag über Alice Hasters Buch "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" gesprochen.
© Screenshot ARD
In seiner aktuellen Sendung berichtete Dieter Nuhr über die Autorin Alice Hasters und ihren Erfolg in den USA, der Donald Trump begünstigt habe. Das Problem: Ihr Buch erschien dort gar nicht.

Vermutlich hat Alice Hasters am Donnerstag nicht die ARD eingeschaltet. Doch auch so erfuhr sie noch am gleichen Abend, dass sie plötzlich Bestsellerautorin in den USA geworden ist. Es dürfte sie überrascht haben. 

Denn bislang hat die 1989 in Köln geborene Journalistin hauptsächlich in Deutschland publiziert, unter anderem arbeitete sei für die "Tagesschau" und den RBB. Im vergangenen Jahr veröffentlichte Hasters das Buch "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten", indem sie ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Vorwürfe darüber aufklärte, wie und wo sie als Schwarze Rassismus im Alltag erlebt. Ein kluges, gute lesbares und informatives Buch das sich an jeden richtet, dem es nicht egal ist, wenn er oder sie andere Menschen unfreiwillig verletzt.

Hasters' Debüt wurde ein Bestseller und liegt häufig an Bahnhöfe oder Flughäfen aus, wo es dem Kabarettisten Dieter Nuhr ins Auge fiel. Der fühlte sich offenbar schon vom Titel derart angegriffen, dass er sich dazu entschloss, das "Erlebnis" in seine Sendung aufzunehmen.

Eine nähere Auseinandersetzung mit dem Buch ersparte sich Nuhr. Der Titel sei ihm "ein bisschen zu rassistisch" gewesen, so seine Erklärung. Hätte er besser mal einen Blick hineingeworfen - ihm wären die anschließenden Peinlichkeiten vermutlich erspart geblieben. "Die Frau behauptet ernsthaft, als Weißer sei ich automatisch Rassist", dozierte der studierte Lehrer. Eine Behauptung, die sich schon bei flüchtiger Lektüre des Buches leicht entkräften ließe.

Dieter Nuhr fabuliert frei von Fakten

Doch wo Nuhr schon so schön dabei war, fabulierte er fröhlich vor sich hin. "Das wird in den USA ernsthaft so diskutiert", berichtete der Kabarettist seinen Zuschauern. Und verriet: "Das Buch war in den USA ein riesen Renner." Das kam vermutlich auch für die Autorin überraschend: "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen" ist bislang ausschließlich in deutscher Sprache erschienen.

Doch von Fakten wollte sich Nuhr seine tolle Nummer nicht kaputt machen lassen. Und da er gerade so gut in Fahrt war, hob er zu seiner Schlusspointe an: Er glaube, dass diese Form der "Schein-Intellektualität einer arroganten Linken" maßgeblich für den Erfolg Donald Trumps verantwortlich sei. 

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Eine Kölnerin schreibt Donald Trump ins Amt: Vermutlich hat seit Hermann Hesse kein deutscher Autor mehr so eine Wirkung in den USA erzielt wie Alice Hasters. 

Die reagierte noch am Donnerstagabend und bewies deutlich mehr Humor als Nuhr in seiner Nummer. "Wusstet ihr schon, dass mein Buch in den USA ein 'riesen Renner' war?", schrieb sie stolz auf Twitter.

Auch ihr Verleger Jo Lendle meldete sich zu Wort: Er kündigte auf Facebook an, Dieter Nuhr ein Exemplar des Buches schicken zu wollen.

Nachtrag:
Mittlerweile hat sich auch Dieter Nuhr auf Facebook zu Wort gemeldet. "Ich hatte mich falsch ausgedrückt. Sagen wollte ich eigentlich: SOLCHE Bücher sind gerade in den USA ein großer Renner." Der Kabarettist ist weiterhin der Meinung, dass der Buchtitel "Menschen eine bestimmte Denkart aufgrund von Hautfarbe unterstellt".


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