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Drama bei "Wetten, dass..?": Stuntman verteidigt ZDF

"Wetten, dass..?" wird nach dem Unfall am Samstag nicht eingestellt. Die Sicherheit werde aber erhöht, so das ZDF. Rückendeckung erhielt der Sender von einem Stuntman und früheren Wettkandidaten.

ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hat angekündigt, die Show "Wetten, dass..?" auch nach dem schweren Unfall vom Samstag weitergehen zu lassen. Allerdings müsse der Sicherheitsstandard erhöht werden, sagte Bellut am Montag dem Runfunksender NDR 1 Niedersachsen. Das ZDF werde alles tun, damit ein solches Unglück nicht noch einmal vorkomme. Eine hundertprozentige Sicherheit könne es bei solchen Sendungen aber nie geben.

"Klar ist natürlich, dass wir bei "Wetten, dass..?" nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", erklärte Bellut. "Wir müssen und wir werden bei der Auswahl der Wetten die Lehren aus dem Unfall ziehen." Der Programmdirektor kündigte eine genaue Untersuchung des Unfalls durch das ZDF an.

"'Wetten, dass..?' war sehr verantwortlich und skeptisch"

Rückendeckung erhielt der Sender durch den Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Stuntleute, der selbst ehemaliger Wettkandidat der Samstagabendshow ist. Er habe Verständnis dafür, dass das ZDF die Wette ins Programm genommen hatte, sagte René Lay dem Sender HR-Info. Es sei schon eine gefährliche Sache gewesen, "eine Herausforderung ohne doppelten Boden". Aber er glaube, jeder Skisprung-Wettbewerb, jede Formel-Eins-Übertragung birge das Risiko für Leib und Leben und für die Gesundheit. Sport sei auch Unterhaltung - und es habe seine Berechtigung, so etwas im Programm zu behalten.

Lay verteidigte das ZDF auch gegen Spekulationen, der Sender würde Druck auf die Kandidaten ausüben, um mit spektakulären Einlagen im Quotenkampf besser bestehen zu können. "Vor zwei Jahren haben wir mal einen Feuerstunt gemacht. Die Kollegen von "Wetten, dass..?" waren sehr verantwortlich und sehr skeptisch. Sie haben gefragt, können wir das in einer Livesendung machen, funktioniert das, schafft Ihr das, können wir dieses Risiko eingehen?, sagte der Stuntman der Nachrichtenagentur DPA. Ich war sehr erstaunt, wie verantwortlich die Kollegen damit umgegangen sind und wie wenig sie auf Sensation aus sind. Im Gegenteil: Es soll die Leute unterhalten, aber es soll auf keinen Fall eine Gefahr für irgendjemanden sein."

"Das ist etwas, das man immer in Kauf nehmen muss"

Lay widersprach auch dem Eindruck, mit dem Wettkandidaten Samuel Koch sei ein Laie oder ein zu junger Mann an den Start gegangen. Seine Wette sei eine Kombination gewesen aus Laufen, Springen und einem Salto, "eine hohe artistische Leistung, eine sehr hohe Körperlichkeit". Koch habe einen vorbereiteten Eindruck gemacht, insofern sei die Gefahr "nach meiner Sicht nicht so hoch gewesen, dass man das nicht hätte riskieren können", erklärte er.

Man könne auch durchaus als 23-Jähriger soweit sein, so einen Stunt auszuführen, sagte Lay weiter. "Der Kandidat hat sich sehr gut vorbereitet, er hatte gute Protektoren, er hatte einen Helm auf. Er war sich bewusst, was alles passieren kann. Unfälle passieren immer wieder. (...) Das ist etwas, das man immer in Kauf nehmen muss."

Wettkandidat Samuel Koch hatte am Samstagabend in der Live-Sendung versucht, mit Sprungfedern unter den Füßen über ein fahrendes Auto zu springen und war dabei schwer gestürzt. Der Student aus Hannover zog sich schwere Halswirbel-Verletzungen zu und zeigt nach Angaben der Ärzte Lähmungserscheinungen. Er liegt seit einer Operation im künstlichen Koma. Wie eine Sprecherin der behandelnden Düsseldorfer Uniklinik am Montag mitteilte, gibt es gegenüber Sonntag keine Veränderung bei dem von den Ärzten als "kritisch" beschriebenen Gesundheitszustand Kochs.

mad/DPA/DAPD / DPA