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Twitter-Thread "Better Call Saul"-Drehbuchautorin erklärt, welche simpel aussehenden Szenen besonders schwer zu filmen sind

Drehbuchautorin Gennifer Hutchison und eine Szene aus "Better Call Saul"
Drehbuchautorin Gennifer Hutchison und eine Szene aus "Better Call Saul"
© Picture Alliance
Dass Dreharbeiten, die mit Kindern oder Tieren zu tun haben, der Albtraum aller Filmemacher sind, das weiß man inzwischen, auch wenn man noch nie an einem Filmset war. Es gibt aber zahlreiche Situationen, die eigentlich ganz einfach wirken – aber eine echte Herausforderung darstellen.

Gennifer Hutchison ist Drehbuchautorin in Los Angeles und vor allem für ihre Mitarbeit an Serien wie "Breaking Bad" und "Better Call Saul" bekannt. Auf Twitter teilt sie gern Einblicke in ihren Berufsalltag und berichtet auch ungeschönt davon, wieviel harte Arbeit, Geduld und gute Kontakte es für sie brauchte, um dorthin zu kommen, wo sie heute ist. Gelegentlich twittert sie aber auch einfach über persönliche Interessen, wie ihre Liebe zu Videospielen. Und ein solcher Tweet sorgte nun für eine sehr interessante Unterhaltung auf Twitter.

Hutchison schrieb: "Von all den Videospiele-Entwicklern in meinem Feed inspiriert, die darüber sprachen, wie schwer es ist, in Games funktionierende Türen zu kreieren – was sagen die Film- und Fernsehmenschen, was sind die Dinge, von denen andere denken würden, dass sie ganz simpel sind, die aber in Wirklichkeit die schwierigsten oder zeitraubendsten sind?" Und auf diese Frage hatten schnell sehr viele Kolleg*innen interessante Antworten; alle mehr oder weniger überraschend.

Zigaretten und Autounfälle

Stunts in Filmen und Serien sind oft Routinearbeit – sowohl für die professionellen Stunt-Schauspieler als auch alle anderen Beteiligten. Eine Ausnahme gibt es allerdings und die betrifft ausgerechnet eine Art von Stunt, die für die Zuschauer gar nicht besonders spannend sein dürfte: Crashs von Autos mit Personen, bei denen ein Schauspieler ganz klassisch über die Motorhaube "fliegt".

Der Nutzer @jayfaerber schreibt: "Wie mir ein Stunt-Koordinator mal erzählt hat: Es gibt nur eine Möglichkeit zu zeigen, wie jemand von einem Auto angefahren wird... ihn mit einem Auto anzufahren." Viele Twitter-Nutzer stimmen zu und äußern Kritik daran, wie oft dieser Stunt in Drehbüchern eingefordert wird, ohne dass er für die Geschichte wirklich wichtig wäre.

Ein weiterer Nutzer schreibt: "Mir war früher nie klar, wieviel Zeit und Geld man einspart, wenn man eine Szene statt nachts am Tag spielen lässt." Ein anderer: "Alles, was mit Kerzen oder brennenden Zigaretten zu tun hat. Und wenn ein Kamerakran verwendet wird, notier' dir die Zeit, die du für die Szene einplanen würdest, und dann verdopple sie." "Verdreifache sie!", stimmt Gennifer Hutchison enthusiastisch zu. Kamerakräne scheinen eine komplizierte Sache zu sein.

Ein einziger Schuss kann teuer werden

Twitter-Nutzer @marsrisingfilms kann aus eigener Erfahrung beisteuern: "Ein einziger Schuss aus einer Schreckschusswaffe kann bei einem Indiestreifen das Tagesbudget verdoppeln (oder mehr). Plötzlich brauchst du einen Rettungssanitäter vor Ort, manchmal die Feuerwehr, einen Stunt-Koordinator, einen Waffenexperten, eine spezielle Versicherung, oh – und Oropax. Außerdem musst du Zeit für die (natürlich notwendigen) Sicherheitsbesprechungen einplanen."

Und manchmal sind es Situationen, über die man als Zuschauer gar nicht groß nachdenkt: "Wenn mehr als zwei Menschen durch eine Tür hereinkommen. Zwei Menschen, die eintreten, während ein dritter die Tür öffnet, das ist so schwierig. Das muss immer vorab besprochen werden. Wer steht wo, wie wird beleuchtet, und es braucht immer zu viele Takes für etwas, dass wir im echte Leben ganz selbstverständlch tun", berichtet @catpappas.

Und auch Gennifer Hutchison selbst hat noch etwas beizusteuern: "Alles, das nach einem Take aufwändig zurückgesetzt werden muss. Also jede Szene, in der jemand nass oder schmutzig wird, in der Autos herumfahren, Dinge kaputtgehen oder Essen gegessen wird."


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