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Der 12. Tag im RTL-Dschungel: Als DJ Tomekk verschwand

Reichlich verwirrend hat sich der zwölfte Tag der Dschungelshow gestaltet. Nach Aalschleim, Extrem-Schnarchen und Post von daheim gab es auch noch einen "Nazi-Skandal". Aber wer ist in dieser Sendung eigentlich für die Musik zuständig?

Von Sophie Albers

Die Werbung vor der Kakerlaken-Show nutzt die Melodie des Mitbrüllklassikers "YMCA" von Village People. Das stimmt ein auf das kugelrunde Plappermaul Dirk Bach, aber nicht auf die exquisite Auswahl des Soundtracks zu dieser Sendung. Deshalb an dieser Stelle ein offizieller Dank an die zuständigen Musikredakteure.

Wenigstens die Musik ist super

Denn während Ross Anthony am Daumen nuckelt, Barbara "Baba" Herzsprung beim Schnarchen gezeigt wird, und Björn-Hergen Schimpf wegen einer möglichen Rippenfraktur dankbar das Camp verlässt, singt die eigentlich nur Insidern bekannte kalifornische Band Cake "Friend is a four letter word" (Freund ist ein Schimpfwort). Wie bereits erwähnt hatten auch Die Sterne schon einen grandiosen Einspieler, die Beastie Boys rotzten dazwischen, und heute durfte auch noch das "Austin Powers"-Thema Männergespräche zwischen Eike Immel und Dj Tomekk begleiten. Wenigstens einer hat also Spaß.

Um die Dschungelprüfung, in der mal wieder der arme Ross dran glauben musste, etwas erträglicher zu machen, tönten gar die aufmunternden Klänge der Kooks aus den Lautsprecherboxen. Allerdings half das nur bedingt beim Anblick eines Experiments, das Prof. Zimbardo als "Stanford 2" untersuchen sollte: Anthony wird am Boden festgebunden, Michaela Schaffrath muss mit verbundenen Augen Plastikbehälter mit allerlei Getier und Schleim zu ihm tragen, "Baba" sagt ihr, wo es lang geht und wann die Boxen so über Ross schweben, dass sie sie ausleeren kann. Über allem thronen die Moderatoren, die den Startschuss geben.

Briefe von daheim

Die Verantwortungs-Kette zur Ausführung der Folter lässt sich also beliebig verlängern - bis ins heimische Wohnzimmer. Aber ist ja alles nicht so schlimm, schließlich platzt Ross am Ende fast vor Stolz. Sechs von sieben Sternen, trotz grüner Ameisen, Krabben, Aalchleim mit Fliegenlarven, Spinnen, Kakerlaken, Grillen und Mehlwürmern. Den Schleim gab's übrigens mitten ins Gesicht. Und Annett Louisan singt: "Ich will doch nur spielen".

Zum Vorlesen der Briefe aus der Heimat gibt es Gefühlvolles aus dem Soundtrack von Baz Luhrmans "Romeo und Julia". Doch während man gerade überlegt, ob das Ganze vielleicht als subversive Musiksendung angelegt ist, bricht das Chaos aus: Nach wiederholten kryptischen Hinweisen stellen sich die Moderatoren schließlich ins Camp und verkünden, dass heute niemand rausgewählt werde, weil DJ Tomekk "gehen musste".

Rauswurf nach "Nazi-Skandal"

Auf das "Was?", "Wie?", "Warum?" der Insassen gibt es keine Antwort, nur dummes Grinsen. Der Zuschauer erfährt immerhin, dass es Vorwürfe gegen den Rapper gebe, auf die er "persönlich reagieren" müsse. "Er wird wahrscheinlich nicht zurückkehren." "Die machen doch mit uns, was sie wollen", ist eine empörte weibliche Stimme aus dem Camp-Off zu hören. Da fällt auch dem begnadeten Musikredakteur nichts mehr ein. Aber wie wäre es denn mit "Schrei nach Liebe" von den Ärzten. Wie "Bild-T-Online" nämlich bereits weiß, ist DJ Tomekk wegen eines "Nazi-Skandals" rausgeworfen worden.

Grund sei ein Video, das der 31-Jährige vor seiner Abfahrt in den Dschungel aufgezeichnet habe. Darin marschiere er auf der Stelle, zeige den Hitler-Gruß und singe die erste Strophe des Deutschlandliedes. Der Hitler-Gruß ist in Deutschland verboten, die erste Strophe des Liedes ging im Dritten Reich dem Horst-Wessel-Lied voran. "Das sind schwere Vorwürfe gegen DJ Tomekk. Generell ist ein solches Verhalten für RTL nicht tolerierbar", sagte RTL-Sprecher Christian Körner zu "Bild".