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Dschungelcamp 2013, Tag 11: Allegra im Tal der Tränen

Lipgloss-Jungle ade: Nach tagelangem Bitten und Betteln darf Allegra Curtis endlich nach Hause. Patrick Nuo und Iris Klein suhlen sich derweil in Ahornsirup - schmerzhafte Folgen inklusive.

Von Jens Wiesner

Stellen Sie sich vor, es ist Atomkrieg, alle gehen hin und am Ende bleibt nur ein kleines Fleckchen im australischen Dschungel unbeschadet. Dr. Bob liegt im Sterben, nachdem er mit letzter Kraft eine strahlenschutzsichere Kuppel über das Camp gezogen hat, Sonja Zietlow und Daniel Hartwich waren gerade auf dem Klo - auch futsch. Und plötzlich sind sie ganz auf sich allein gestellt, unsere acht Dschungelcamper. Allegra, Fiona, Patrick, Claudelle, Olivia, Iris, Georgina und Joey - der letzte Rest menschlicher Zivilisation auf Erden. Bereit, bis aufs Äußerste um Leib und Leben, Geschlechtspartner und Nahrung zu kämpfen. Jungle extreme - ohne Netz und doppelten Boden!

Aber, leider, leider, macht weder der Russe, noch der Ami, ja noch nicht einmal Mahmud Ahmadinedschad derzeit Anstalten, für ein wenig mehr Schwung im Camp der Tränen zu sorgen. Da RTL aber nicht über genügend waffenfähiges Plutonium verfügt, blieb dem Dschungelcamp-Sender nur der Griff in die Trickkiste: Olivia Jones erhielt einen Stapel Feldpost von der Heimatfront und der Zuschauer fieberte mit: War jemand Vater geworden, Mutter, Single? Doch statt Drama flossen erst einmal massenweise Tränchen der Rührung aus der Mattscheibe. Post vom Ehemann, Post von den Geschwistern, Post von den Freunden, Partnern, Lovern. Joey Heindle fiel die Kinnlade gleich doppelt herunter: Seine Jacky hatte ihm nicht nur einen eng beschriebenen Gefühlssermon heruntergebetet - es war offenbar der erste handgeschriebene Brief überhaupt, den das Dschungelküken in seinem Leben erhalten hat. Da öffneten sich die Schleusen unter dem Cowboyhut und der tägliche Fast-Aussteiger versprach seiner Freundin in die Kamera, von nun an - jetzt aber wirklich, ganz ehrlich, echt - bis zum Ende durchhalten zu wollen: "Da kannst du einen drauf lassen!"

Allegra, reiß die Himmel auf!

Aus einer ganz anderen Richtung wehte der Wind bei Fiona Erdmann. Ganz schön eingelullt hat uns der Rotschopf mit seiner Bin-doch-gar-nicht-so-schlimm-Scharade. Aber mit dem Briefgeheimnis sollte auch diese Maske fallen. Wohl schon zu Vorcampzeiten war ein infamer Plan entstanden, der noch seiner Ausführung harrt. "Deine Mission ist es immer noch, das 'Sams mit Haarverlängerung' zu eliminieren", erinnerte Fionas Freund im feinsten Agentensprech an ihre eigentliche Aufgabe im Camp. Da das Beweismittel aber laut vorgelesen wurde und sich nicht in zehn Sekunden selbst zerstörte, wie bei vergleichbaren Aufträgen Usus, bekamen's alle mit. "Eliminieren, das ist doch sowas wie töten!", übersetzte Fremdwortfibel Jones mit süffisantem Grinsen - und sogleich fühlte sich Georgina a) angesprochen und b) aufs Äußerste bedroht. Ein Mord vor laufender Kamera? Dann müsste Daniel Hartwich allerdings noch fix gegen Dieter Thomas Heck ausgetauscht werden. TETV präsentiert: das "Millionenspiel" im Dschungel!

Vom Zickenkrieg zum Zeckenterror - beziehungsweise zum unausweichlichen Ende einer Storyline, die durch den Biss eines kleinen Blutsaugers vor einigen Tagen ihren Schatten voraus geworfen hat. Die Zecke schien jedenfalls nicht nur Allegras gut durchgeliftetes Fleisch, sondern auch ihre Tränendrüsen erwischt zu haben. Dass die Curtis-Tochter nah am Wasser gebaut ist, wussten wir seit Tag eins. Dass sich Tony bei der Namensgebung besser für "Lacrima" entschieden hätte - geschenkt. Aber was in den vergangenen Tagen alles aus der Teilzeit-Schauspielerin herausfloss, sollte vom Vatikan langsam als Wunder anerkannt werden. Böse gesagt: Könnte Allegra Curtis Süßwasser heulen, das Dürreproblem in der Sahara wäre auf einen Schlag gelöst.

Aber warum nur flennte sie wie ein Schlosshund? Nur für den Kick, für den Augenblick? Oder trug der emotionale Stress durch die täglichen Reibereien mit Iris Rechnung? Weder noch. Der Mutterinstikt war's, der die Tränchen herausspülte. "Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich will mein Kind sehen!", schluchzte sie in die Kameras. Doch der Sohn sah das offenbar anders: "I hope you win. I miss you", hatte der neunjährige Filius auf seinen Brief ins Camp gekritzelt - inklusive Herzchengruß. Ob's am eingerosteten Englisch lag oder an der emotionalen Aufruhr - Allegra verstand die Botschaft ihres Sprößlings falsch: "Tut mir den Gefallen und wählt mich nach Hause", bettelte sie die Zuschauer beim Televoting an. Die hatten ein Einsehen - oder wollten einfach kein verheultes Second-Hand-Gesicht mehr sehen. Und dann geschah das Wunder: Ausgerechnet bei der Verabschiedung aus dem Camp blieben Allegras Wangen (fast) trocken: "Ich möchte mich leidtun", sagte sie, meinte etwas anderes und traf den Nagel doch genau auf den Kopf.

Klebrige Prüfung für Iris und Patrick

Für Iris Klein düfte der Allegra'sche Abgang jedenfalls das gute Ende eines Tages bedeuten, der äußerst schlüpfrig und schmerzhaft begonnen hatte: Die Katzenberger-Mami und Patrick Nuo mussten für die Dschungelprüfung möglichst lange auf einem bockigen Kunst-Känguru ausharren, während sie von allen Seiten mit Ahornsirup bespritzt wurden, und dabei Schätzfragen zum Thema Australien beantworten. Nun ja, selbst beim Schlammwrestling braucht man einen sportlichen Vorwand, um seine Kombattanten einzusauen - warum dann nicht auch hier? Beim ersten Rodeoritt konnte sich die Klein noch am Plastikschwanz des Beuteltieres festklammern, doch dann bockte das Tier einmal zu heftig - und, plumps, lag sie mit dem Gesicht nach unten in der Matschepampe. Dr. Bob diagnostizierte im Eilverfahren eine verzogene Rippe, Porno-Patrick klagte über gequetschte Hoden. Aber was sind schon eine lädierte Rippe und Rührei in der Unterhose, wenn man sieben Sterne ins Camp trägt?

Apropos Unterhose: An Tag elf wurde nicht gepupst - jedenfalls nicht hörbar. Mit dem dicken Klaus haben offenbar auch die Witze um Darmwinde das Tal der Tränen verlassen. Aber, Freunde des deftigen Pipikakahumors, lasset nicht gleich alle Hoffnung fahren: Georgina Fleur hat in einem kurzen Einspieler um Abführmittel gebeten. Da weht noch was!

P.S.: Neugierig geworden, wie unsere Dschungelanten in einer Post-Atomkrieg-Welt zurecht kommen würden? stern.de ist es dank neuester Technologien gelungen, einen Exklusivblick in diese düstere Zukunft zu werfen: Patrick Nuo trifft es als Ersten. Schon nach wenigen Wochen muss er erkennen, dass seine Mutter doch recht hatte, nach 5000 Freischuss Schluss ist und befördert sich in einem Akt der Verzweiflung, Carradine-Style, aus dem Diesseits. Georgina, Fiona und Claudelle legen nach kurzem Zickenkrieg ihre Differenzen ad acta, um als amazoneske Mädchen-Gang einen Stellungskrieg gegen das Vollweib-Duo Olivia und Iris zu starten. Eines Nachts, Joey klampft auf einer selbst gezimmerten Ukulele "Ein bisschen Frieden ...", schleichen sich die drei Mädels ans Lagerfeuer und ersticken Iris mit Klausens zurückgelassener Unterplinte. Olivia nimmt grausame Rache, erschlägt ihrerseits Claudelle und Fiona mit je einer ihrer Brüste, die sie mittlerweile wie einen Bumerang einzusetzen weiß. In dieser Situation wächst Joey über sich hinaus, wird ein echter Mann ("Bei der Macht von Grayskull!") und rettet Olivia vor einer tödlichen Lästerattacke Georginas mit einem beherzten Schlag seines Instruments. Erst jetzt, mit Blick auf den gespalteten Schädel und Olivias busenlose Männerbrust erkennt Joey seinen fatalen Fehler. "Du bist ja gar keine Frau", sagt er. Eine Träne rinnt von Joeys Wange auf die zertrümmerten Reste der Ukulele.

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