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Dschungelcamp 2015: Maren macht mobil

Dösen war gestern. Die Camper wachen auf fürs Finale. Während Walter sein Herz für das Theater entdeckt, futtert sich Maren zur Favoritin. Aber ist sie gar nicht so gut? Sind es nur ihre Hormone?

Von Mark Stöhr

Hatte Mühe den frischgewonnenen Titel zu verdauen: Maren Gilzer.

Hatte Mühe den frischgewonnenen Titel zu verdauen: Maren Gilzer.

Die Rente ist sicher. Nein, falsch, verschrieben. "Die Rente ist scheiße." Sonst würde Walter ja nicht mit einem "Lackaffen" im Urwald abhängen, der "einfach nur doof ist" (über Aurelio). Oder mit einer abgesetzten Schauspielerin "in den Wechseljahren", die "weiß, was Joghurt ist, aber doch nicht Yoga" (über Maren). Oder mit einer untersetzten Schauspielerin, die – wie heißt die noch, ach ja: "Bettina" (über Rebecca). Walter hat in den bald zwei Wochen im Dschungelcamp zur Genüge bewiesen, was er alles nicht kann. Normal sein. Nett sein. Namen. Vor allem aber kann er kein anderer sein als er selbst. Also schauspielern. Vorhang auf für ein Schmierlockentheater erster Güte.

Das Drama der Verstellung spielte sich im Rahmen einer dieser Animationsprogramme für die rumflackende Belegschaft ab. Ersparen wir uns die Details. Walter musste jedenfalls einen halben Tag lang eine Wasseruhr in Gang halten, indem er alle 30 Minuten einen Bottich auffüllte. Die anderen Camper durften davon nichts mitkriegen. Einzige Mitwisserin der geheimen Mission und zugleich persönliche Assistentin von H2O-Walter war die weitgereiste und ihrerseits mit allen Wassern gewaschene In-Thailand-habe-ich-mich-jeden-Tag-massieren-lassen-aber-ohne-Happy-End-dass-das klar-ist-Tanja.

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Mimik voller Harndrang

Undercover à la Freiwald. James Bond würde sich mittelscheiteln lassen vor Begeisterung. "Heute muss ich dauernd aufs Klo, die Nieren arbeiten", gab er zu Beginn den WC-Walter und latschte runter zum Tümpel, wo die Uhr in einer verborgenen Höhle auf Nachschub wartete. Seine Mimik war voller Harndrang. Das muss man erst einmal spielen können. Aber das Repertoire des Buschschauspielers war damit noch lange nicht erschöpft. "Ich guck mal, ob die Dusche läuft", verkündete er ein anderes Mal und klapperte mit seinen morschen Knochen durchs Unterholz Richtung Wasser. Sein Rollenfach diesmal: der pensionierte Klempner, stets auf der Suche nach dem nächsten Rohrbruch. In Walters Interpretation absolut Iffland-Ring-verdächtig.

Nur die Nummer mit der Wäsche wollte nicht so zünden. Die brachte der Mime einfach zu oft. So oft, dass Maren, diese verbitterte Hexe mit der unmöglichen Brille, diese nachblondierte Buchstabenverdreherin im Klimakterium, vollgepumpt mit Hormonen und Häme und nur dazu da, um einem in die Jahre gekommenen Staubsaugervertreter seinen letzten großen Deal zu vermiesen – dass Maren also irgendwann von ihrer Liege hochguckte und sagte: "Was rennt der Walter eigentlich dauernd den Hang rauf und runter? Man sieht doch nicht alle fünf Minuten nach seiner Wäsche!" Ein gehässiges Weibstück.

"Ich kau' das einfach runter"

Auch wenn die Geheimakte Freiwald trotzdem bis zum Schluss geschlossen blieb – es gab zur Belohnung Schokoladenkuchen –, wird Maren für den Dschungel-Dino immer mehr zur ernsten Gefahr beim Kampf um die Krone. Das Abstimmungsverhalten der Zuschauer draußen ist erfahrungsmäßig leistungs- und nicht laberorientiert. Da kann Krawall-Walter noch so wüten und rumdelirieren ("Mir wurde vom ZDF die Moderation von 'Wetten, dass..?' angeboten"), am Ende zählen die Prüfungen. Und in denen hat der 60-Jährige fast auf ganzer Linie versagt.

Ganz im Gegensatz zu Maren Gilzer. Die stopfte sich im "Dschungelgasthof Würgenich" gestern alles rein, was auf den Teller kam. Schafshoden, Krokodilpenisse, Schweinerosetten, Kuh-Nippel, Fischaugen, pürierte Kakerlaken. Während ihr Essenspartner Jörn, das bleiche Hemd, kaum einen Bissen bei sich behielt, futterte die Berlinerin nach der erfrischenden Devise: "Ich kau' das einfach runter, ohne großartig zu denken." So wird man Königin des Dschungels. Maren macht mobil.

Und während die ehemalige Glücksfee also Tatsachen schuf, lieferten sich Walter und Aurelio ein merkwürdig debiles Spiel mit ihren Vornamen. Der eine hieß plötzlich "Gerd", der andere "Aurelius". Beide durften trotzdem bleiben. Für "Bettina" allerdings hieß es Abschied nehmen. Sie wurde vom Publikum geschasst und ist jetzt wieder die "Iffi" in der "Lindenstraße".