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Dschungelstars: Vom Dschungel in die Medien-Gosse

Sie wollten ganz nach oben - und landeten in der Gosse des Trash. Sie schluckten Tierpenisse, -pos und -hoden. Alles für ein bisschen Liebe, bisschen Ruhm, bisschen Aufmerksamkeit. Was es den Dschungelcamp-Bewohnern gebracht hat? Nichts, bis auf die Erkenntnis: Schlimmer geht's immer.

Von Katharina Miklis

Drei Monate sind seit dem Auszug der C-Promis aus dem RTL-Dschungelcamp vergangen. Drei Monate, in denen sich zeigen sollte: War es das wert? Winken jetzt die großen Rollen, der große Erfolg? Muss man wirklich erst ganz unten ankommen, wenn man nach oben will? Es kam, wie es kommen musste: Statt großer Filmrollen und ausverkaufter Konzerthallen wartete auf die Ex-Campbewohner das übliche Leben danach. Hier und da mal ein Auftritt in der D-Promi-Verwurstungsmaschinerie, wie bei dem "Perfekten Promi-Dinner", Nachmittags-Talkshows oder - wo immer Platz ist - in irgendeiner Olli-Geißen-Show. Es ist ein bekanntes Phänomen: Der Irrglaube, man müsse durch den Dreck ans Licht. Wie bei "Deutschland sucht den Superstar", den "Popstars" und den "Topmodels" - erniedrigende Castings, sinnlose Challenges. Und wofür das alles? Eine Zeit lang lacht man noch über sie. Über den talentlosen Möchtegern-Superstar, das nervige, heulende Model, die Kakerlaken essende Ex-Schauspielerin. Doch wer hier schadenfreudige Häme mit Bewunderung verwechselt, hat verloren.

Wie schon bei den ersten beiden Staffeln, wartete auch bei der dritten Ausgabe von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" auf niemanden der große Durchbruch. All die Maden umsonst gegessen und auch das Bad in Kakerlaken und das Einreiben mit Exkrementen war vergebens. Auch wenn die Schlagzeilen in den Wochen nach dem Camp zunächst etwas anderes erwarten ließen. "Michaela Schaffrath bekommt eigene TV-Show" oder "Neuer Job für Barbara Herzsprung" hieß es da. Doch beim genauen Hinsehen entpuppen sich diese Ankündigungen als tragikomische Exempel ihres Misserfolgs und traurigen D-Promi-Daseins.

Statt großer Rollen warten Biergärten, Autohäuser und Elektromärkte

Michaela Schaffrath etwa bläst nicht zum Angriff auf die große TV-Karriere. Beim Berliner Sender "Comedy Central" präsentiert sie lediglich sechs Folgen lang eine Aneinanderreihung von Sketchen. Ganz ehrlich: Das klingt nicht nach der großen Moderationskarriere. Ein Blick in Frau Schaffraths Terminkalender ist beispielhaft für die Degradierung eines C-Promis zu einem D-Promi: "Moderation Biergarten-Opening im Forsthaus Fürth-Nürnberg" ist da zu lesen. Und: "Autogrammstunde Media Markt Bad Kreuznach". Zwei Tage später darf sie in einem Autohaus in Rosenheim ein Auto anmoderieren. Ein Auto! Auf Nachfrage von stern.de bei Frau Schaffrath versichert sie allerdings: "Bei meiner Agentur liegen noch diverse Anfragen vor, die aber noch geprüft werden müssen oder über die zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht gesprochen werden darf". Alles klar.

Auch die News um Barbara Herzsprungs neuen Job sind eher zum Schmunzeln. Sie ist das neue Gesicht des Anti-Schnarch-Sprays "Silence". Und als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, kann man sich die nächtlichen Geräusche der 56-Jährigen jetzt auch als Klingelton aufs Handy herunterladen. So nötig muss man es erstmal haben. Jedoch: Wenn sich Frau Herzsprung dafür nicht zu schade ist, bieten sich noch viele weitere Jobs an: Hühneraugen-Pflaster, Inkontinenz-Slipeinlagen, Fußpilzspray. So ein Aufenthalt im Dschungelcamp härtet ab und macht genügsam.

Ex-Fußballprofi Eike Immel wäre sicherlich bereit dazu, jedes denkbare Geräusch zu verkaufen, wenn es ihm nur ein paar Euro extra einbringen würde. Der 47-Jährige gab ja schon damals beim Einzug ins Camp an, nur mitzumachen, damit er sich seine notwendige Hüft-OP leisten kann - ob die inzwischen vollzogen ist, weiß man nicht. Auch sein Duett "Wie ein Liebeslied" mit Schlageropi Bata Illic, der wenigstens durch ein paar Schlagershows durchgereicht wird, hat nicht die große Kohle gebracht. Jetzt ist über das Vermögen des ehemaligen Nationaltorhüters auch noch ein Insolvenzverfahren eröffnet worden.

Wenn nichts mehr geht, bleibt nur noch das Bücher schreiben

Und Ex-"DSDS"-Star Lisa Bund? Der brachte die Teilnahme am RTL-Dschungelcamp immerhin ein Mini-Job beim Radio ein. Beim Radiosender RPR1. moderiert sie seit kurzem eine wöchentliche, einstündige Hitparaden-Show. Richtig freuen kann sich Bohlens "Terrorkrümel" allerdings nicht darüber. Nachdem ihre Single nur auf Platz 63 landete kündigte die Plattenfirma SonyBMG jetzt ihren Vertrag. Ob der Rauswurf etwas mit ihrem Dschungelaufenthalt zu tun hat, wollte das Label nicht kommentieren. Immerhin liefert die Kündigung neue Ideen für Lisas erfolglose Karriere. Laut "Bravo" will sie jetzt ein Buch schreiben: "Meine Abrechnung mit dem Musikgeschäft".

Und während DJ Tomekk damit "droht" Germany's Female Rapstar heranzuzüchten, Schlager-Opi Bata Illic durch Schlager-Events wie das Ellwanger Frühlingsfest und die Heimattage Baden-Württemberg tingelt und Julia Biedermann auf einen traurigen Rekord blicken kann (keine "Playboy"-Ausgabe verkaufte sich schlechter als die mit dem Biedermann-Titel), hat immerhin Dschungelkönig Ross Antony seine eigene Show bei RTL bekommen. Demnächst wird er gemeinsam mit Inka Bause ("Bauer sucht Frau") Gesangstalente in deutschen Büros suchen. "Die singende Firma" wird diese Kantinen-Castingshow heißen, die die Welt nicht braucht und jetzt schon Schlimmes befürchten lässt. Und eines steht fest: Außer neuen Witzfiguren und potentiellen Dschungelbewohnern wird auch diese Show keine großen Stars hervorbringen. Also wenn bei Ihnen in nächster Zeit die Bause und Heulsuse Antony im Büro stehen: Rennen Sie!

  • Katharina Miklis