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TV-Kritik "Perfektes Promi-Dinner" Möchtegern-Promis im Showstreik


Im zweiten Teil des Dschungelcamp-Spezials mit Melanie Müller trieb der Schwachsinn bunte Blüten. Gekocht wurde extra mies. Selbst der Wendler hatte mehr Format in seinem allumfassenden Scheitern.
Von Mark Stöhr

Lecker so eine Lammhaxe. Also rein in den Ofen mit dem guten Stück und wieder raus. Und eines muss man Melanie Müller, der amtierenden Dschungelkönigin und jetzt auch Dschungel-Promi-Dinner-Königin, ja zugute halten: Mit Rein-Raus kennt sie sich aus. In Filmen wie "Scarlett Young am Kreuz der Lust befriedigt" demonstrierte sie, wie stumpf man einen Porno runterrammeln kann. In der VOX-Küche am Sonntagabend wurde sie in Sachen Uninspiriertheit nur noch von Mola Adebisi, Julian F.M. Stöckl und Gabby De Almeida Rinne übertroffen. Wieso, fragte man sich, bestellen die sich nicht einfach vier Pizza Funghi und wir gucken "Tatort"?

Vier Möchtegernpromis im Showstreik. Den Anfang machte Stöckl ("Wenn ich was kann, kann ich's"). Der mutmaßliche Designer setzte seinen Gästen ein Rinderfilet vor, das so zäh und trocken erschien, dass man sich damit die Schuhe neu besohlen konnte. Gabby, gerne Sängerin, kredenzte der Runde vorab als Amuse Gueule ("Welche Sprache ist das?") eine Käseplatte (!) und legte im Hauptgang eine Pasta der Sorte Extra Stark nach. Al dente, aber am Stück. Die Deutsch-Brasilianerin hatte vergessen, die Nudeln abzuschrecken. Sie wusste gar nicht, was das ist. Abschrecken? Klingt ja urkomisch.

Eine Mischung aus Zahnarztpraxis und Fahrradkeller

Richtig deprimierend wurde es bei Ex-Moderator, Ex-Schauspieler, Ex-Synchronsprecher, Ex-Musiker und Ex-Amateur-Rennfahrer Mola Adebisi in Solingen. Schon allein Solingen: Wahnsinn. Seine Wohnung: Eine Mischung aus Zahnarztpraxis und Fahrradkeller. Adebisi gab den Gute-Laune-Eisbär und hopste aufgedreht durch seine antarktische Wohnlandschaft – bis er auf seinem Bett zum Landen kam. Dort riss er noch einen Mackerspruch ("Hier passiert die Magie") und musste dann eingestehen, dass gerade seine Beziehung in die Brüche gegangen war. Allein in Solingen. Draußen regnete es Bindfäden. "Nicht so nice", würde Gabby dazu sagen.

Doch es wurde alles noch schlimmer. Nicht, weil Melanie fand, dass Molas "Bolognese im Schneemantel" mit einem perfekten Promi-Dinner nichts zu tun hatte. Nein, das Problem war die Farbe weiß. Gabby machte sich darüber Gedanken, was ja grundsätzlich nicht ihre Stärke ist. Als der Deutsch-Nigerianer nach seiner Schneemantel-Kreation als Dessert noch einen weißen Schokokuchen servierte, fragte sie ihn allen Ernstes: "Mola, wärst du gerne weiß?" Der lachte nur. Ein bisschen weniger breit, als sie ihm noch einen "Michael-Jackson-Komplex" unterstellte. Vor dem Fernseher wurde man bleich vor Fremdscham. Was für eine smarte Runde war das im Vergleich beim ersten Dschungelcamp-Spezial vor einer Woche. Selbst der Wendler hatte noch mehr Format in seinem allumfassenden Scheitern.

Hello-Kitty-Kitsch neben Dildos

Das Siegergericht der Müllerin war alles andere als der Bocuse-Burner. Die Leipzigerin gewann mit ihrem Ceasar Salad und ihrer Lammhaxe nur, weil die anderen – allen voran Gabby und Stöckl – so absolut ohne Worte unterirdisch ablieferten. Die gelernte Restaurantfachfrau ist generell ja eher eine undelikate Person. Bodenständig und irgendwie billig. Eine vulgäre Spießerin, wenn man so will. In ihrem Schlafzimmer stapelt sich der Hello-Kitty-Kitsch direkt neben ihrer Dildo-Sammlung. Als besonderen "Gag" hatte sie einen Barkeeper engagiert, der Cocktails reichen sollte, natürlich mit nacktem Oberkörper. Der Ostzonen-Chippendale inspirierte Julian Stöckl immerhin zu dem halbwegs originellen Spruch: "Da steht ein Standgebläse in der Ecke."

Ansonsten überzogen sich die Dschungelcamp-Veteranen gegenseitig mit unschönen Attributierungen, ein Verhalten ähnlich dem von Vorstadtjungs, die sich aus Langeweile die Visagen polieren. Melanie war das "dreckige alte Dreckstück" (Stöckl), Gabby der "Ladyboy" (Stöckl) mit "klassischen Nuttentretern" (Adebisi) und Stöckl sah aus "wie ein toter Frosch" (Müller). Nur Gabby hielt sich aus dem allgemeinen Hooliganismus raus. Sie war mit Denken vollends ausgelastet. Auch mit Lesen. In Molas Speisekarte buchstabierte sie mühevoll den Menüpunkt "Tomate im Tanga". Tatsächlich stand dort "Tomate im Teeglas". Wirklich nice, Gabby, echt.


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