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TV-Kritik

Dschungelcamp, Tag 2: Letztes Jahr war mehr Lametta

Wer gegen 20.15 Uhr dachte, schlimmer als beim HSV könnte es nicht werden, den lehrte das Dschungelcamp aber sowas von Mores. Die zäheste Dschungelprüfung aller Zeiten, und das schon am zweiten Tag der Saison. Die Prognose: Zwei Wochen auf Zeit spielen.

Von Ingo Scheel

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Nicht nur, weil am Abend im Volksparkstadion, beim Heimspiel gegen den 1. FC Köln, das Wort Elend mal wieder neu buchstabiert wurde, auch sonst fühlt man sich nach 48 Stunden Dschungelcamp an die Perle des Nordens erinnert. Die Mannschaftsaufstellung der diesjährigen Lageristen etwa wirkt wie von der Scout-Abteilung des HSV zusammengestellt: Könnte was sein. Könnte was zeigen. Könnte was werden. Wird aber nicht.

Ansgar Brinkmann zum Beispiel erinnert an einen ganz konkreten Fall aus der Hansestadt. Vor Jahren zogen die Hamburger einen Südamerikaner an Land, dem Vernehmen nach sollte es sich um einen klassischen Zehner handeln. Das Honorar hoch, die Hoffnungen ebenso, der Mann jedoch kein Spielmacher, sondern kaum mehr als ein angemüdeter Sechser. Jemand hatte da wohl nachlässig alte Spielberichte übersetzt, dem Manager wurde eine falsche VHS-Kassette zugespielt, so ganz wurde das nie geklärt. Schneller als Lotto King Karl den Schellenkranz in die Hand nehmen kann, war der gute Mann schon wieder verschwunden.

Dschungelcamp Tag 2

Jenny Frankhauser, Matthias Mangiapane traten - erfolglos - am zweiten Camptag zur Dschungelprüfung an

Am Dschungelcamp-Feuer: Gesichtsverlust ohne Erhitzen

Brinkmanns Ansgar scheint auch so ein Fall zu sein. Wurde geholt als Ailton ohne Sprachprobleme, als Gag-Gewitter zwischen Fips Asmussen und Mario Basler, entpuppt sich aber schon am zweiten Spieltag als schweigsam wie Ulf Kirsten. Der Mann, dessen Gesicht mehr T-Shirts ziert als das von Che Guevara – ein klassischer Fehleinkauf. Kommt mit dem Longboard ins Camp – das muss man sich mal vorstellen. Wenn ich du wäre, wäre ich lieber zu.

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Am Lagerfeuer – sonst erst gen Ende der ersten Woche im Fokus als schwarzäugige Beichte vor der Nachtsicht-Kamera – schon jetzt der übliche Gesichtsverlust durch Erhitzen: Sydney konnte seiner Liebsten nicht Tschüss sagen, singt aber seine beiden Hits so chronisch an, als würde die Gema dafür in Bitcoins bezahlen. Kattia, von der wirklich niemand weiß, wer sie ist, rezitiert alte Interviews von Arantxa Sanchez, und Daniele Negroni, schon optisch mit jener Ratlosigkeit versehen, die es braucht, um im Camp aufgenommen zu werden, schlumpft sich blauhaarig von Kippe zu Kippe.

Die Dschungelprüfung? Unterhaltsam wie Ilja-Richter-Sketche

Tina York, am Vortag nur durch einen Erbauungsmonolog Marke Ochsenknecht vor dem Tod durch Ertrinken gerettet, sieht chronisch so grob-pixelig aus, als müsse sich der Übertragungsstream erst zurecht ruckeln, liefert dafür aber eine so wunderbare Definition von Bachelor und Bachelorette – für einen kurzen Moment möchte man sich vor Vergnügen einen Känguruh-Penis umschnallen und damit auf Klingelstreich-Tour gehen.

Andernorts gibt es nicht so viel Grund zur Freude. Die Dschungelprüfung zum Beispiel, in die Matthias, der am zweiten Tag bereits aussieht wie ein zerrupftes Lichtdouble der Ehrlich Brothers, und Jenny geschickt werden: ein zäher, nie enden wollender Trip, bei dem es erst zehn Sterne, dann gar nichts gibt. Unterhaltsam wie Ilja-Richter-Sketche, überraschend wie ein nächtlicher Klogang von Costa Cordalis. All we can do – is shit and wait.

Zwischendurch gibt es ein hartherziges Ochsenknecht-Coaching für Jenny Frankenhauser, kompakt wie vom Pressesprecher eines Abstiegskandidaten. Das Thema: Wie behandle ich die Presse? Die Antwort überschaubar: "Kein Kommentar. Kein Kommentar. Kein Kommentar." Als die Kamera schließlich einen Frosch zeigt, der eine Art Kakerlake verfolgt, wird endgültig klar: Letztes Jahr war mehr Lametta. 

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