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E-Mail von Till: Gütiger Frauenversteher mit Herz

Klausjürgen Wussow bleibt für immer unvergessen - dank seiner Rolle als Professor Dr. Klaus Brinkmann. Er war die Blaupause für alle die Menschen, die im Arztberuf etwas Göttliches sehen wollten.

Von Till Hoheneder

Leute, mal ganz ehrlich! Wer kennt nicht Professor Brinkmann? Ich würde eher Jan Ullrich glauben, dass er wirklich nur dank Multi Sanostol und Ahoi Brause die Tour de France gewonnen hat, als einem 40-Jährigen, der behauptet, er hätte keine Folge der legendären ZDF Serie "Schwarzwaldklinik" gesehen. Ich habe die Serie auch geguckt. Warum? Weil alle es gesehen haben! Und weil ich als jugendlicher, gewaltfreier Links-Anarcho wissen wollte, was für eine Serie sich Millionen von Deutschen regelmäßig anschauten.

Es gab so herrliche Feindbilder. Das Beste: Sascha Hehn alias Dr. Udo Brinkmann, der testosteronschwangere Sohn vom Chefarzt. Lässige Popperföhnwelle, Golf "Erdbeerkörbchen" und immer eine Hand unterm Rock einer hübschen Krankenschwester, die aber nicht immer Krankenschwester bleiben will. Udo war ja auch ziemlich angefressen, als sein charmanter Vater - Prof. Dr. Klaus Brinkmann - seine Ex, also Gaby Dohm, besser bekannt als Schwester Christa, abgeschleppt hat. Wobei ich das damals irgendwie morbide fand, vom Sohn zum greisen Vater zu wechseln.

Und wer weiß, ob ich nicht doch zur Bundeswehr gegangen wäre, wenn nicht Jochen Schröder den Zivi Mischa gespielt hätte. Zwar klingt der Name Mischa auch heute noch extrem tuckig, aber ohne die Serie hätte es definitiv weniger Zivis gegeben! Ungern erinnert man sich auch noch an den damals schon uncoolen Lieblingspruch von Mischa: "Ich glaub, mich streift ein Bus". Aber so ist und war das ZDF - immer auf Augenhöhe mit dem jugendlichen Zeitgeist, dem Slang von der Straße!

Besonders genervt hat die Oberschwester Hildegard, schauspielerisch allerdings ein Glanzlicht. Wer soviel Hass schüren kann, verdient vollen Respekt! Unvergessen die Szene, wo Schwester Margot, den ganzen Tag von Hildegard gequält, aufschrie: "Und Sie sind ein aufgeblähter Giftzwerg!" Da hörte ich selbst meine harmoniesüchtige Oma sagen, dass "die fette Schwesternschlonte getz' abba ma besser still is bevor se wat vonner Magott auffe Omme kricht“!

Aber der König der Serie war unbestritten Klausjürgen Wussow als Prof. Dr. Klaus Brinkmann, der begnadete Mediziner, der sensible, einfühlsame Hobbyphilosoph und gütige Frauenversteher mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Diese Stimme, dieses Timbre, dieses leicht ironische Wort "nech" am Ende eines vorwurfsvollen, medizinisch scharf analysierten, anklagenden und doch nie aggressiven Satzes: "Sie müssen aufhören mit dem Trinken, nech!" Die Blaupause für alle die Menschen, die im Arztberuf etwas Göttliches sehen wollten. Und auch hier ein unvergessliches Zitat mit dieser wahnsinnigen Mixtur aus Weisheit, Ironie, Erfahrung und Humor, die nur Wussow so eloquent rüberbringen konnte: "Jaja, in Alaska sind die Nächte so heiß, weil es draußen so kalt ist!" Das waren diese Kloppersprüche, die selbst so ein Schandmaul wie mich ehrfürchtig und mundtot machten. Chapeau! Und R.I.P., Professor Dr. Klaus Brinkmann.

Bis die Tage...!