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E-Mail von Till: Mit Knut in den April

Zu Ostern gibt es dieses Jahr keine Schokohasen, sondern Knutbären. Die Hysterie um den kleinen Eisbären im Berliner Zoo kann doch kein gutes Ende nehmen - und keiner soll behaupten, Till hätte nicht gewarnt.

Von Till Hoheneder

Leute, mal ganz ehrlich! Es war genau so, wie es mein guter Freund Mickey beschrieben hat: Als Henry Maske am Samstag zur Geisterstunde (wie passend!) wirres Zeug stammelnd durch den Ring stapfte, Frau Ferres und Frau Maske (auch da passt der Name... zum Gesicht!) sich weinend in den Armen lagen und Kai Ebel in Pol Pots Festtagsanzug die restliche E- bis F-Prominenz vor das RTL Mikro zerrte, um dem Abend noch mehr Würde zu verleihen... nun, da dachten viele schon an einen vorgezogenen Aprilscherz. Nur ich habe geahnt, dass da eventuell noch mehr Schwachsinn auf mich zukommt! Wieso? Knut.

Und richtig! Den ganzen Sonntag wurde man durch alle Medien mit lustigen Knut-Aprilscherzen konfrontiert. Knut an die Börse, Knut auf Euro-Tour, Wowi will Knut versteigern... und überall finden sich genug engagierte Mitbürger, die bereitwillig Protestbriefe schreiben, in falsche Zoos laufen und sonst welchen Schwachsinn glauben.

Und ich frage mich: Sind wir eigentlich noch zu retten? Leben wirklich 95 Prozent der Bevölkerung permanent in geistiger Umnachtung? Bin ich verbittert, oder finde ich nur alles scheiße? Warum interessiere ich mich nicht für einen kleinen Eisbären? Was unterscheidet mich vom Pöbel? Bin ich gefühlskalt und abgestumpft? Ich fühle mich eher paranoid, ich steigere mich schon in den Wahn, dass finstere Schurken diesen Bär erfunden haben, um die Bevölkerung einzulullen und… wer einmal einen Bond-Film gesehen hat, weiß was ich meine.

Ich meine, wir Deutschen waren schon immer seltsam. Wir lieben Stars, die außer uns Deutschen keiner mehr liebt. Beispiele: Chris de Burgh und David Hasselhoff. Aber müssen es jetzt auch noch Tiere sein? Ist sich eigentlich jeder bewusst, wohin das alles führen kann? Es gibt zu jeder guten Seite auch eine schlechte, Ying und Yang! Und die könnte so aussehen:

Zu Ostern melden die Spielzeugläden: Plüsch-Eisbären ausverkauft. Kinder in vietnamesischen Plüschtierfabriken müssen nach ihrer Zwölf-Stunden-Schicht noch Überstunden machen, damit Nachschub geliefert werden kann. Weihnachten: Der Geschenk-Renner dieses Jahr sind Eisbärbabys, illegal geraubt und eingeschmuggelt, ausgestopft oder lebendig. Frühjahr 2008: Gina Wild feiert ihr Comeback auf der Erotikmesse Bitterfeld mit dem Schmuddelfilm "Wenn der Eisbär zweimal klingelt", in dem die Hauptdarstellerin nur mit Fischstäbchen bekleidet von vier Eisbärbabys... Sommerferien 2008: Immer mehr halbwüchsige Eisbären werden an Autobahnraststätten ausgesetzt und töten aus Hunger überforderte Forstbeamte. Am Ende soll keiner sagen, er hätte es nicht geahnt: Alles wird Knut.

Bis die Tage!