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Führungswechsel: Herres wird neuer ARD-Programmdirektor

Der NDR-Fernsehchef Volker Herres löst im November 2008 den seit mehr als 15 Jahren amtierenden ARD-Programmdirektor Günter Struve ab. Herres wird dann die zentrale Verantwortung für den Erfolg des Ersten übernehmen.

Der 50 Jahre alte NDR-Journalist Volker Herres war schon öfter für große Aufgaben im Gespräch: Zuletzt wurde der NDR-Fernsehchef für das Amt des Intendanten des Norddeutschen Rundfunks gehandelt. Daraus wurde nichts. Doch nun kommt auf den Volkswirt ein ebenso wichtiger Job zu: Herres wird als Nachfolger von Günter Struve ab November 2008 Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens.

Volkswirt und Vollblutjournalist

Herres hat den Reporterberuf von Grund auf gelernt: Nach dem Studium der Volkswirtschaft, Publizistik und Politik und einer Ausbildung an der renommierten Deutschen Journalistenschule in München begann Herres 1983 als Mitarbeiter in der Berliner ZDF-Redaktion des Magazins "Kennzeichen D". Seit 1984 arbeitete er in der ZDF-Zentrale als innenpolitischer Reporter und Redakteur, später im Bonner ZDF-Studio. Anfang 1987 kam der Cuxhavener zum NDR nach Hamburg, wo er zunächst als Referent in der Intendanz arbeitete. Ab 1991 war Herres Leiter und Sprecher der Intendanz und damit zuständig für die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Pressestelle, Medienforschung und mehr. In diesen Jahren in der Verwaltung zog er ein massives Sparprogramm für den ganzen Sender durch. 1995 wurde Herres Fernseh-Chefredakteur des NDR, bis April 2004 war er verantwortlich für "Panorama", "Plusminus" und "Weltspiegel". Er moderierte zahlreiche Wahl- und Sondersendungen wie den ARD-Brennpunkt. Seit Mai 2004 ist Herres Fernseh-Programmdirektor und damit verantwortlich für alle TV-Sendungen des NDR.

Die Zuschauer erleben ihn als regelmäßigen Kommentator in den "Tagesthemen". Seit 2007 moderiert Herres im Wechsel mit WDR-Intendantin Monika Piel den ARD-Presseclub". NDR-Intendant Jobst Plog lobte den Karriereschritt seines Mitarbeiters: "Mit der Entsendung von Volker Herres wird der NDR erneut zentrale Verantwortung in der ARD übernehmen. Ich bin sicher, dass er an die erfolgreiche Arbeit von Günter Struve anknüpfen wird." Herres stand zuletzt mehrfach als NDR-Fernsehchef im Rampenlicht.

Herres unter Erfolgszwang

Als neuer ARD-Programmchef wird Herres zwar kaum auf dem Bildschirm auftauchen, aber die zentrale Verantwortung für den Erfolg des Ersten übernehmen: Als Programmchef muss er abwägen - wie viel Unterhaltung soll ins Programm, wie viele Informationssendungen, wer bekommt die beliebten Sendeplätze um 20.15 Uhr, wie bleibt die Zuschauerquote gut ohne Verzicht auf die Qualität des öffentlich-rechtlichen Fernsehens? Anders als in seinem jetzigen Job kann Herres dann aber nicht anordnen, was im Programm passieren soll, sondern muss die oft uneinigen ARD-Sender unter einen Hut bekommen.

Dass er mit prekären Personalprobleme und -entscheidungen umzugehen weiß, hat er bereits einige Male bewiesen. Als Moderatorin Anne Will ihre Liebesbeziehung zu einer Frau öffentlich machte, beendete Herres eine sich anbahnende Diskussion darüber mit den Worten: "Mit wem Anne Will ihr Leben teilt, ist ganz und gar ihre Privatsache. Uns interessiert nur, wie sie ihren Job macht, und den macht sie grandios." Im September war es Herres, der Moderatorin Eva Herman nach unbedachten Sprüchen zur Nazi-Zeit und einem neuen Buch den Stuhl vor die Tür stellte. "Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin", sagte Herres damals.

AP / AP
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