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Das Fernsehgericht tagt: "Die Männer der Emden": Das Bötchen

"Die Männer der Emden" erzählt eine abenteuerliche Weltkriegs-Odyssee mit viel Herzschmerz. Der Kriegsfilm weckt Erinnerungen an "Das Boot" - leider nicht zu seinem Vorteil.

Von Oliver Creutz

Offizier Karl Overbeck (Ken Duken) ahnt noch nicht, was für eine Odyssee ihm bevorsteht

Offizier Karl Overbeck (Ken Duken) ahnt noch nicht, was für eine Odyssee ihm bevorsteht

Wenn am Anfang eines Zweiteilers Ringe in einem Strandkorb getauscht werden, weiß man, dass das junge Glück zweier Liebender bald schon durch Urkräfte zersprengt werden wird. Und siehe: Kurz darauf tritt ein Offizier ins Kasino und verkündet, dass es eine allgemeine Mobilmachung gebe. Krieg! Die Männer singen, die Frauen blicken bestürzt drein.

1914 am Ende der Welt: Deutsche Marinesoldaten kreuzen durch den Indischen Ozean, ihr Schiff ist die "Emden", eine Legende unter Schiffs- und Kriegs-Interessierten. Was als Urlaub beim Ostasien-Geschwader beginnt, endet für viele der Männer im Tod. Beziehungsweise: in der Flucht vor dem Tod. Volker Herres, der Programmdirektor der ARD, raunt im Presseheft zu "Die Männer der Emden" von der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Dieser Film will uns daran teilhaben lassen. Es werden viele Filme folgen in den kommenden Wochen, die sich das vorgenommen haben. Das Fernsehjahr wird bleihaltig.

Viel Aufwand, wenig Ertrag

Die Männer der Emden sind Burschen in weißen Anzügen, die meisten glatt rasiert, nur wenige tragen einen Hipster-Bart. Wenn deutsche Schauspieler sich ein Marinekostüm anziehen, müssen sie sich messen lassen an der Besatzung von "Das Boot". Menschen, die in den 80ern groß geworden sind, können sie aufsagen wie Menschen, die in den 50ern herangewachsen sind, die Aufstellung der Fußballmannschaft von 1954 herunterbeten können. "Das Boot" waren: Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Martin Semmelrogge. Auf der Emden fahren mit: Ken Duken, Sebastian Blomberg und Oliver Korritke. Und wenn sie am Strand einer Insel herum stehen und durch Fernrohre auf das Wasser starren, ist man geneigt zu sagen: Sie haben eher "Bötchen"-Format.

"Die Männer der Emden" lief schon mal im Kino. Die Kritiken und die Zuschauerzahlen waren mäßig. Nun wurde der Stoff auf 180 Minuten gestreckt. Karfreitagsprogramm. Die ARD lässt Zahlen sprechen: 3,1 Millionen Kilometer sind verflogen worden während der Produktion, 30.000 Kilometer pro Person. 65 Kamele wirken mit und 50 chinesische Komparsen. 1403 Kostüme, 25 Perkussionsgewehre und so weiter. Was für ein Aufwand, aber was für ein bescheidener Ertrag!

Hölle Krieg - wir haben verstanden

Zur Geschichte: Die Deutschen sitzen auf Cocos-Island und machen den Engländern den Tennisplatz kaputt; die verbündeten Australier zerstören im Gegenzug die "Emden". Wer nicht tot ist oder gefangen, nimmt Reißaus. 50 Männer schippern auf einem Dreimast-Schoner über die Weltmeere. "Jetzt geht's uns nicht besser als Odysseus", sagt der Soldat Karl Overbeck (Ken Duken) einmal. Das Holz fault, das Trinkwasser auch, ein Sturm weht einen Bootsmann von Bord. Er kann aber gerettet werden. Das, was die Männer erleben, ist ungemütlich, ja, aber keineswegs dramatisch. Einmal vergeudet Overbeck das kostbare Nass für eine Art Waterboarding bei einem Kameraden, der ihn nervt. Hölle Krieg - wir haben verstanden.

Wie es sich für ein deutsches Geschichtsdrama gehört, muss auch eine Liebesgeschichte her: Overbeck liebt Maria von Plettenberg (ihr hat er im Strandkorb den Ring an den Finger gesteckt). Maria hält Karl für tot und schaut aus traurigen Augen auf eine Welt in Aufruhr. Das Frauenbild des Films ist ganz auf der Höhe der Zeit, leider auf der von 1914. Frauen sehnen, warten, weinen. Sie treten als quiekende Huren auf oder als durchtriebene Exotinnen. Wer "Die Männer der Emden" drei Stunden durchhält, fühlt sich tatsächlich bald wie Odysseus: vom Wege abgekommen, fern von zu Haus. Einmal ruft ein Soldat "Herr Kaleu", und man fährt hoch in der Erwartung, dass gleich Jürgen Prochnow an Bord tritt. Doch es ist nur Sebastian Blomberg.

Urteil: Zäher Geschichtsbrei, der auch breit getreten nicht besser schmeckt.

"Die Männer der Emden" läuft an Karfreitag um 20.15 Uhr im Ersten