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Harry-und-Meghan-Interview Gegen sie wirken Lanz und Co. wie Anfänger: Deutschland muss mehr Oprah wagen

Oprah Winfrey sitzt beim Interview mit Meghan Markle in einem Stuhl und legt die Hände ineinander
Sie hat nach eigener Schätzung bereits 37.000 Menschen interviewt: Oprah Winfrey im Gespräch mit Meghan Markle.
© CBS/Screenshot
Die heimliche Gewinnerin des Interviews mit Harry und Meghan heißt Oprah Winfrey. Die US-Talkshowqueen stellt erneut ihre Qualitäten als Fragestellerin unter Beweis - und deklassiert damit das komplette deutsche Fernsehpersonal.

Okay, dieser Vergleich ist jetzt unfair. Wobei, eigentlich auch wieder nicht. Immerhin ist Markus Lanz fast genauso lang im Geschäft wie sie. Auch er hatte in über 20 Jahren TV-Präsenz inzwischen tausende von Gesprächspartnern. Und spätestens seit Beginn der Coronapandemie ist er zur ersten Instanz für Talkshow in Deutschland geworden. Doch den direkten Vergleich mit der Königin kann er nicht gewinnen.

Oprah Winfrey ist die unangefochtene Talkshowqueen im US-Fernsehen. Nein, falsch: Im weltweiten TV. Das Interview mit Meghan und Harry zeigt erneut, wie genial sie ist. Die mittlerweile 67-Jährige ist eine Instanz, wenn es um Interviews geht. Fast alle hatte sie auf dem Sofa. Egal ob Michael Jackson oder Barack Obama – Winfrey gelingt es, ihren Gesprächspartnern Dinge zu entlocken, an denen andere scheitern. Wie macht sie das?

Oprah Winfrey ist ein Talk-Genie

Winfrey ist ein Naturtalent. Sie hat die Gabe, auf Menschen zuzugehen und ihnen zuzuhören. Sie ist empathisch und ihr gelingt es, eine Gesprächsatmosphäre herzustellen, in der sich ihr Gegenüber wohlfühlt. Ihr eilt nicht der Ruf voraus, die knallharte Fragenstellerin zu sein – und das ist ihr eigentliches Geheimnis: Denn genau das ist sie. Winfrey hakt nach. Und zwar ohne, dass es unangenehm oder belehrend wird. Sie lässt ihren Gesprächspartner glauben, nicht mit einer Journalistin, sondern mit einer guten Freundin zu sprechen. Genial.

Doch Winfrey greift auch in die Trickkiste. Das fängt beim Ambiente des Interviews an. Meghan und Harry befragt sie nicht in einem sterilen Studio, sondern im Garten ihrer guten Freundin und erzeugt damit einen intimen Moment. Sie beginnt das Interview nicht mit beiden gemeinsam, sondern zunächst mit Meghan, um dann Harry dazu zu holen. Das Eis ist da bereits gebrochen. Winfrey liest auch nicht von Karten ab (wenn dann nur bei Zitaten). Sie ist exzellent vorbereitet. Es scheint, als würde sie sich alle Fragen selbst ausdenken. Dabei hat ein ganzes Team von Journalisten daran mitgewirkt.

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Winfrey ist nicht nur Profi, sie verdammt alle anderen Talkshowgastgeber und Moderatoren zur Zweitklassigkeit. Markus Lanz muss also gar nicht traurig sein, wenn er mit Winfrey verglichen wird - und scheitert. Oprah spielt in einer anderen Liga. Keiner des deutschen Fernsehpersonals kann ihr nur annähernd das Wasser reichen. Dass ihr Interview jetzt erstmals im linearen deutschen Fernsehen bei RTL zu sehen ist, bleibt hoffentlich keine Ausnahme. Deutschland muss mehr Oprah wagen.


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