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"Germany's next Topmodel": Angriff der Superzicken

Bisher musste sich Tessa mangels Sparring-Partnerin allein durch die Shootings quengeln. Doch die Rettung naht in Form eines Rauschgoldengels mit spitzer Schnute. Larissa, die Gewinnerin des österreichischen Ablegers von "Germany's next Topmodel", mischt jetzt im Zickenzirkus kräftig mit.

Von Christopher John Peter

Kaum war der Flieger mit den 16 Kandidatinnen in Los Angeles gelandet, hagelte es Hiobsbotschaften für den ambitionierten Nachwuchs. Anstatt in einer Villa pferchte sie Model-Mutter Heidi Klum erst mal in eine schmuddelige Herberge mit Hochbetten ein. Doch damit nicht genug: "Hier ist Eure Konkurrentin", mit diesen Worten warf Heidi Klum eine Überraschungskandidatin in den Ring um die Modelkrone: die 16-jährige Larissa Marolt, Gewinnerin von "Austria's next Topmodel". Konkurrenz belebt das Geschäft ...

... und den Zickenfaktor: "Die brauchen wir nicht", lästerte etwa Aline. Und auch Ira ärgerte sich: "Wenn jemand kommt, der schon einen Titel hat, und sich die Aufgaben spart, die wir schon hinter uns haben, dann ist das schon ein bisschen unfair." Doch Mitleid mit dem Neuzugang ist hier fehl am Platz. Kämpfen ist die Kärntnerin bereits gewohnt. In Österreich flogen ordentlich die Fetzen und die rausgemobbten Mitbewerberinnen. Larissas Motto gibt die Zielrichtung vor: Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erst erarbeiten. Da kann auch Tessa Bergmeier nicht zurückstehen und teilt verbale Breitseiten gegen Mitbewerberin Jessica aus: "Manche Mädels kotzen mich ein bisschen an. Ich werde böse, weil mich Dummheit ankotzt." Jessicas Vergehen: Aufgrund mangelnder Englischkenntnisse musste sie Kritik der Jury einstecken.

Weinen auf Knopfdruck

Apropos einstecken: Auch für Tessa läuft im Test-Casting nicht alles nach Plan. Zuerst tönt sie: "Ich will die Queen von L.A. werden" - um danach als beleidigte Leberwurst in Tränen auszubrechen. Was war passiert? Casting-Direktor Rolf Scheider, sonst die gute Seele der Kompanie, hatte sich doch tatsächlich getraut, Kritik zu üben: "Tessa, du bist nicht natürlich." Schwups kullern bei einer solchen Majestätsbeleidigung die Tränchen: "Das ist echt mies. So was hat noch niemand zu mir gesagt." Schade auch.

Das Zuschauerherz kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wieder wird gelästert, geschleimt und geheult und mit der Kamera ordentlich drauf gehalten. Bei aller Schadenfreude kann man Tessa sogar verstehen. Aus ihrer Sicht hat sie bisher nichts falsch gemacht. "Germany's next Topmodel" schwenkt langsam aber sicher auf die "DSDS"-Masche um. Eine Sendung mit Freakshow-Potenzial und hohem Schauwert. Gut aussehen ist die Grundbedingung. Um es weit zu bringen, sind jedoch Showqualitäten unabdingbar. Schon die zweite und dritte Staffel hatte mit Fiona und Gina-Lisa Supertussis, die erst kurz vor Schluss schlapp machten. Wenn sich Tessa ans Drehbuch hält, kann sie weit kommen.

Sex als Karrieresprungbrett

Und das Tessa bereit ist, sich für den Erfolg zu bücken, hat die Ex von Michael Ammer bereits bewiesen. Bei der "It-Girl Wahl 2008" des Partylöwen belegte sie schließlich den ersten Platz. Und auch auf dem "Taff Teenie Törn" von ProSieben beschenkte die Egomanin Zuschauer mit Geständnissen ("Ich tu' manchmal Männer abzocken") und sorgte erst vor kurzem mit freizügigen Sexbeichten ("Ich hatte schon viermal Sex mit Frauen") sowie Nacktfotos in der FHM für mediale Aufmerksamkeit. Da drängt sich einem doch ganz schnell der Gedanke auf, der Sender hat die verwöhnte Tussi mit in die Sendung eingeschleust, um für Quoten zu sorgen. Wenn schon kein Supermodel, so könnte Tessa zumindest eine Jenny Elvers für den Laufstall des Senders werden.

Was wäre auch so schlimm daran. Insider lästern schon seit langem: Mit der Wirklichkeit haben die Fantasy-Shootings nichts zu tun - dort zu siegen, sei sogar Gift für die Karriere. Nicht ohne Grund: Die Show hat die Karriere der Topmodels der letzten Jahre nicht gerade beflügelt: Lena Gercke modelt für den Schokoladenhersteller Lambertz, Barbara Meier präsentiert die "We love"-Windjacke im ProSieben-Shop, und die Gewinnerin der letzten Staffel, Jennifer Hof, drückte bis vor kurzem die Schulbank und machte ihren Realschulabschluss.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum das Zickenduo sich erst liebt, dann hasst

Kakerlaken und Schrei-Coaching

Auch die Zicke aus der zweiten Staffel, Fiona Erdmann, die heute als Fernsehsternchen durch die Republik tingelt, riet in der "InTouch": "Wer als Laufstegmodel arbeiten will, sollte nicht zu 'Germany's next Topmodel' gehen. Designer wollen, dass ihr Kleid im Mittelpunkt steht, und nicht ein Model, das eine Person der Öffentlichkeit geworden ist." Genau darauf bereitet die Show vor: durch knallharte Shootings und Auswahlverfahren, die echte Modelagenten als "reine Unterhaltung" bezeichnen.

Für den Zuschauer ist das ein Segen. Wo sonst bekommt man überambitionierte Teenies in knappen Outfits zu sehen, die sich von edelsteinbesetzten Kakerlaken bekrabbeln lassen. Als Retterin der Krabbeltierchen kann Tessa bereits ihre Qualitäten als potenzielle Dschungelqueen ausspielen und beweisen, dass auch Riesenfauchschaben aus Madagaskar geküsst werden wollen.

Vorhang auf für den nächsten Akt. "Es wird heiß und laut", rief Heidi Klum zum Start des obligatorischen Fotoshootings in der kalifornischen Wüste. Die Topmodel-Kandidatinnen müssen pärchenweise vor einem entflammten Auto posieren. Die Story: Zwei Freundinnen fahren durch die Wüste, das Auto gibt den Geist auf und beginnt zu brennen. Da müssen natürlich die Emotionen fließen. Model-Mama Heidi gibt der unschuldig-verträumten Sarina sogar ein kurzes Schrei-Coaching. Da freut sich der Zuschauer, wenn anschließend auch mal die Heidi niedergebrüllt wird.

Eiskalte Engel

Das Dreamteam bleibt jedoch das Zickenduo Tessa und Larissa. Da haben sich zwei gefunden. Völlig überdreht, stets an der Grenze der mentalen Instabilität vorbeischrammend, zerren, balgen und schubsen sich die beiden, dass es nicht nur dem Fotografen Mathew McCabe eine helle Freude ist. "Wir sind wie ein schöner Topf und ein schöner Deckel", jubeln Tessa und Larissa. Die Österreicherin scheint Anschluss an Deutschland gefunden zu haben. Beide liegen sich in den Armen und schreien "Durchgeknallt! Durchgeknallt! Jetzt haben zwei Durchgeknallte zueinander gefunden!". Freundschaft könnte so schön sein - wenn doch nur die Halbwertzeit im Fernsehen nicht so begrenzt wäre.

Gezielt schafften es Klum und Co., die zarte Bande der Zuneigung einer ersten Belastungsprobe zu unterziehen. Heidi Klum nimmt sich Tessa vor: "Ich mache mir Sorgen. Bei einem Topmodel will keiner so ein Assi-Gelaber hören. Das ist kein Topmodel-Niveau." Auf deren exaltierte Art angesprochen, wendet sich Larissa prompt gegen ihre neue "beste" Freundin: "Ja, sie übertreibt oft. Das muss sie in den Griff bekommen." Kaum vom Laufsteg runter, kommentiert Tessa Larissas unfeines Manöver lautstark: "Du laberst manchmal solchen Dreck, solchen Müll." Eine erste Schlacht im Zickenkrieg. Na also, es geht doch.

Da bleibt Larissa nur noch zu sagen: "Jeder schaut hier halt auf seinen eigenen Arsch." Eleganter hätte man den Wettbewerb um den schönen Schein nicht zusammenfassen können.