VG-Wort Pixel

Fall Jan Böhmermann Kabarettist Dieter Nuhr verteidigt Merkels Entscheidung


Er macht selbst Satire: Dieter Nuhr ist im Fall Böhmermann Kanzlerin Angela Merkel beigesprungen. Er verstehe die "Hysterie" nicht. Schockiert zeigte er sich über Drohungen gegen Böhmermann.

Der Kabarettist Dieter Nuhr hat sich verständnisvoll zur Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geäußert, der deutschen Justiz die Strafverfolgung gegen den ZDF-Satiriker Jan Böhmermann zu ermöglichen.

"Ich verstehe die Hysterie nicht", sagte Nuhr der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". "Jemand fühlt sich beleidigt, er zeigt jemanden an. Das ist ein Grundrecht, das im Rechtsstaat jedem zusteht, auch denen, die selber Grundrechte mit Füßen treten, also beispielsweise Nazis oder Erdogan", sagte Nuhr. Ein Gericht werde entscheiden. Und das entscheide nach deutschem Recht und Gesetz. "Ich sehe da kein Problem", sagte der Kabarettist.

Die Meinungsfreiheit sehe er eher dadurch in Gefahr, "dass einem Großteil der Bevölkerung ganz offenbar die Grundsätze des Rechtsstaates nicht bekannt sind". In der Justiz werde nicht nach Geschmack oder naiven Gut-Böse-Kriterien entschieden (Erdogan schlecht, also Böhmermann gut), sondern nach Rechtslage. "Das unterscheidet uns ja gerade von der Türkei", betonte Nuhr.

Dieter Nuhr schockiert über Drohungen gegen Böhmermann

Nuhr verwies auf einen anderen Aspekt des Falls Böhmermann, der ihm mehr Sorgen bereite. "Dass Böhmermann offenbar  bedroht wird, hat mit dem Rechtsstreit nichts zu tun. Diese potentielle Gewalt ist es, die die Meinungsfreiheit bedroht - und sie droht jedem, der Witze macht, die die islamische Welt betreffen", sagte Nuhr.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die deutsche Justiz am Freitag ermächtigt, gegen Böhmermann zu ermitteln. Damit gab die CDU-Chefin einem Antrag Erdogans statt - und setzte sich zugleich mit einem Machtwort über den Willen ihres Koalitionspartners SPD hinweg. Im Rechtsstaat sei es nicht Sache der Regierung, sondern unabhängiger Gerichte, Persönlichkeitsrechte gegen die Presse- und Kunstfreiheit abzuwägen, sagte Merkel.

mai/DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker