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Michael-Hubertus von Sprenger: Der Mann, der für Erdogan klagt

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lässt sich in der Causa Böhmermann von einem deutschen Medienanwalt vertreten. Michael-Hubertus von Sprenger ist ein Spezialist für umstrittene Mandanten.

Der Anwalt Michael-Hubertus von Sprenger

Anwalt Michael-Hubertus von Sprenger: Der Erdogan-Anwalt will Jan Böhmermann vor Gericht sehen

"Wenn ich das Mandat annehme, dann ziehe ich es auch durch", sagte Michael-Hubertus von Sprenger im Interview mit "ZDF heute". Der Anwalt vertritt den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in der Affäre um das Schmähgedicht von Jan Böhmermann. Die Causa eskalierte in wenigen Tagen zum Politikum, beschäftigt mittlerweile neben der Mainzer Staatsanwaltschaft auch das Kanzleramt. Politisch brisante Fälle sind für von Sprenger aber nichts Neues. Der 75-Jährige hat in seiner langen Karriere bereits mehrfach Menschen mit sehr umstrittenen Ansichten vertreten.

Da wäre zum Beispiel Jürgen Elsässer. Der Chefredakteur des in rechten Kreisen beliebten Magazins "Compact" wurde von der ehemaligen Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth öffentlich als "glühender Antisemit" bezeichnet. Elsässer klagte mit Hilfe von Sprengers dagegen und bekam in mehreren Instanzen Recht.

Von Sprenger mit sehr umstrittenen Mandanten

Der Anwalt, der sich selbst als spezialisiert auf "Medienrecht mit Schwerpunkt Persönlichkeitsrechtsverletzungen" bezeichnet, vertrat auch den in mehreren Staaten verurteilten Holocaust-Leugner David Irving. Irving, in England geboren aber fließend deutsch sprechend, hatte bei Auftritten in Deutschland öffentlich geleugnet, dass es in Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten Gaskammern gegeben hätte. In Deutschland wurde er 1993 zu einer Geldstrafe, in Österreich 2006 zu Haft verurteilt. Über sich selbst sagte Irving einmal, er versuche kein Antisemit zu sein, "aber dies sei sehr schwer".

Von Sprenger ist aber keinesfalls spezialisiert auf Mandanten aus der rechten Szene. Er verteidigte auch die umstrittene islamische Vereinigung Milli Görüs im Rechtsstreit mit dem Verfassungsschutz Baden-Württemberg. Die Behörde hatte den Verein in einem Bericht als "islamistisch" eingestuft. Milli Görüs erwirkte in letzter Instanz, dass einige Passagen des Berichts gestrichen werden mussten. Der Bundesverfassungsschutz blieb aber insgesamt bei der Einschätzung und bezeichnete Milli Görüs als "antidemokratisch".

Erdogan-Anwalt will Böhmermann erziehen

Nun vertritt der Mann, der einst BWL und Jura in Berlin und Bonn studierte, sein zweites juristisches Staatsexamen in München ablegte und später in der Kreditabteilung einer Großbank arbeitete, den türkischen Präsidenten gegen einen deutschen Satiriker. An das Mandat kam er Medienberichten zufolge über einen gemeinsamen Bekannten mit Erdogan. Er drängt vor allem auf eine Unterlassungserklärung Böhmermanns, die dieser nicht abgeben will. Prinzipiell gehe es dem Anwalt, der seine Kanzlei vor über 40 Jahren in München gründete, aber darum, "ihn auf den rechten Weg zurückzuführen, Satire zu machen und nicht mehr plumpe Beleidigungen".

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