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Jan Böhmermann über das "Neo Magazin": "Albern bleibt's trotzdem"

Ab Donnerstag kehrt Jan Böhmermann mit dem "Neo Magazin" zurück in die deutschen Wohnzimmer. Wir sprachen mit dem 32-Jährigen über seine Sendung, Lernprozesse und lustiges Fernsehen.

Von Lara Wiedeking

Er gehört zu den Hoffnungsträgern des jungen deutschen Fernsehens: Jan Böhmermann. Regelmäßig und zuverlässig liefert er gute Unterhaltung, so wie im vergangenen Jahr gemeinsam mit Charlotte Roche in der ZDFneo-Talkshow "Roche & Böhmermann". In der Sendung wurde geraucht, getrunken und die Moderatoren kokettierten immer mal wieder damit, wie unvorbereitet sie seien. Das brachte eine Nominierung für den Grimme-Preis 2013. Mit dem "Neo Magazin" ist er am Donnerstagabend ab 23 Uhr wieder auf ZDFneo zu sehen.

Herr Böhmermann, was darf ich als Zuschauer vom "Neo Magazin" erwarten?


Es wird eine Unterhaltungssendung. Eine ganz klassische Unterhaltungssendung, 30 Minuten lang. Ein Moderator. Eine Show. Und es gibt tolle Gäste.

Zum Beispiel?


Mein erster Gast wird Oliver Welke sein. Der soll mir mal verraten, wie man eine Comedysendung im ZDF zum Erfolg führt. Aber es ist alles drin: Von Lars Eidinger über Gina Lisa bis hin zu Jean Pütz und Fettes Brot. Und davor gibt's Unterhaltung.

Sind Sie aufgeregt?


Klar. Die Erwartungshaltung von meinem Team und mir an unsere eigene Show ist ziemlich hoch. Das Konzept für die Sendung haben wir bereits letzten Sommer geschrieben. Wir hatten damals das Gefühl, dass es mal gut wäre, eine richtige Fernsehshow zu machen. Nicht nur zu improvisieren und es dann zusammen zu schneiden, sondern ausnahmsweise mal planvoll vorzugehen. Der Druck ist da – aber eben doch nur der sympathische ZDFneo-Druck.

Wird auch wieder geraucht und gesoffen - so wie bei der Talkshow "Roche & Böhmermann"?
Wenn ein Gast das möchte, von mir aus. Aber das "Neo Magazin" ist keine konzeptionelle Provokation, so wie "Roche & Böhmermann". Ich gehe nicht mehr raus und gucke, was passiert. Dahinter steckt jetzt ein bisschen mehr Arbeit als bei der Sendung vorher - wir sollten uns ja schon bei dem, was wir letztes Jahr gelernt haben, ein bisschen weiterentwickeln.

Sind Sie sozusagen erwachsen geworden?


Naja. Was heißt schon erwachsen, albern bleibt's trotzdem. Aber wir wollten und mussten einfach was Anderes machen. Wir haben ja die Grundhaltung gegenüber dem Medium und unseren Inhalten mitgenommen. Und haben Bock, eine halbe Stunde lang nur Sachen zu machen, die wir lustig finden. Und mich freut es natürlich, wenn es Leute gibt, die das auch so lustig finden wie wir. Kann also ganz gut werden - kann aber auch richtig scheiße werden.

Wie stellen Sie sich Ihren Durchschnittszuschauer vor?


Irgendwas zwischen wahnsinnig sexy, attraktiv, erfolgreich und halbnackt, besoffen und bekifft aufm Sofa. Weiß ich nicht. Baseballkappentragende, bärtige Kapuzenpullover-Typen, das ist so unsere Peer-Group. Und immer die Verwandtschaft fragen, Mama, Papa, Oma, Opa. Da kriegt man die Basis-Meinung. Sachen, von denen wir denken "das versteht doch jeder", kann man in der Familie ganz gut überprüfen. So ein Test ist wichtig.

Würden Sie so die nächsten zehn Jahre weitermachen wollen?


Wenn das so funktioniert, wie wir uns das gedacht haben, kann ich das gerne auch die nächsten 30 Jahre machen. Nachhaltigkeit ist die neue Devise.

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Aber in zwei Jahren dann im Hauptprogramm? Oder wollen Sie lieber in der Sparte bleiben?
Was kommt, das kommt. Life is a rollercoaster, you just gotta ride it - frei nach Ronan Keating. Man kann das nicht erzwingen. Kürzlich hat jemand bei einer Podiumsdiskussion gefragt, warum ich mit meiner Sendung nicht im Hauptprogramm bin. Da hat der Unterhaltungschef vom ZDF, Oliver Fuchs gesagt: 'Wir brauchen beim Fernsehen Moderatoren, die die Leute gerne in ihr Wohnzimmer lassen. So einen Kerner, den lassen die Leute gerne rein. Bei Herrn Böhmermann wissen die Zuschauer nicht so richtig, ob sie aufmachen sollen, oder nicht.' Das ist ein Prozess. Ich stehe einfach so lange bei den Leuten vorm Türspion, mit einem Strauß Blumen in der Hand, bis die gar nicht anders können, als mich reinzulassen. Und ich werde mich drinnen vorzüglich benehmen, nichts kaputt machen, und es wird trotzdem ein lustiger Abend für alle.

Also arbeiten Sie sich langsam vor – von ZDF Kultur auf ZDFneo


Ja, genau, das ist organisches Wachstum. Das ist auch sehr wichtig. Wir wären hier hinter den Kulissen gar nicht in der Lage, eine Sendung wie "Markus Lanz" oder etwas Größeres zu stemmen. Das muss alles langsam wachsen.

Und dann irgendwann "Wetten, dass ..?"


Irgendwann "Wetten, dass..?". Ich sage immer scherzhaft, ich würde aus dem Stand 2,5 Millionen Zuschauer erreichen. Sofort.

Das ist nicht so schwierig, oder?
Nein, das ist nicht so schwierig. Da könnte man auch einen Sack Kartoffeln hinstellen - hätte auch 2,5 Millionen Zuschauer. Aber ich glaube diese 2,5 Millionen würden zugucken und sich drei Stunden richtig wundern.

Was da passiert?


(lacht) Ja.

Was würden Sie anders machen?


Ach, keine Wetten mehr, keine Musikgäste – alles kleiner, reduziert. Nein, Spaß beiseite. "Wetten, dass ..?" ist schon eine gute Sendung, sollen die mal machen. Aber erst mal nicht mit mir.

Als Jan-Böhmermann-Fan habe ich in der Zukunft ein Problem: Ich muss mich donnerstags entscheiden ob ich die neue Sendung "Neo Magazin" auf ZDFneo ansehen will oder "Lateline" auf EinsPlus.


Tja, das ist entweder das Ende der Konkurrenz oder der Anfang einer ganz wundervollen Zusammenarbeit beim neuen Jugendkanal. Für mich ist es die Gelegenheit, endlich mal gegen ernst gemeinte Konkurrenz anzutreten, nämlich gegen mich selbst. Am Ende werde ich gewinnen!

Und mit welcher Sendung am liebsten?


Beide Sendungen sind mir sehr wichtig. Dadurch, dass die erst ab dem 21. November gegeneinander laufen würde ich dazu raten, am Anfang "Neo Magazin" zu testen und dann hin und her zu zappen. Oder einfach mit Second-Screen schauen - zweites Gerät anschalten und beide Sendungen parallel gucken.

Bereuen Sie es manchmal, Journalist gelernt zu haben und nicht direkt Komiker geworden zu sein?


Nein, gar nicht. Erst ernsthaft arbeiten und dann abbiegen - das war der richtige Weg. Andersherum, wenn du nur Quatsch machst dein Leben lang, ist das scheiße. Ich glaube schon, dass mir die Ausbildung wichtige Dinge mitgegeben hat und ich da sehr von profitiere. Seriöser Spaß ist mit seriösem Journalismus ziemlich verwandt. Es muss beides korrekt sein, beides den richtigen treffen, beides pointiert sein, die Haltung muss stimmen, die Meinung muss stimmen - nur die Mittel sind andere. Ich mach aber auch gerne nur Quatsch - dann aber bitte mit Anlauf. Das muss nicht immer Anspruch haben. Das Mindeste ist, es muss lustig sein. Lustig ist das Wichtigste.