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Johannes B. Kerner: Der einstige Talkshow-König kehrt zurück - und nicht jeder kann ihn sehen

Einst war er der Talkshow-König des Landes: Bei Johannes B. Kerner gaben sich Kanzler und Prominente die Klinke in die Hand. Nun soll er mit einem neuen Format zurückkehren - allerdings nicht für jedermann empfangbar.

Johannes B. Kerner

Johannes B. Kerner soll bald wieder eine eigene Talkshow moderieren.

DPA

Es dürfte das TV-Comeback des Jahres sein: Johannes B. Kerner soll noch in diesem Herbst wieder mit einer eigenen Talkshow auf Sendung gehen. Das berichtet die "Bild"-Zeitung. Die Rückkehr zu seinem altbewährten Format findet allerdings nicht im frei empfangbaren Fernsehen statt, sondern beim Streamingdienst Magenta TV. Der Titel soll "Bestbesetzung" lauten. Auf Anfrage des stern hat sich Kerner bislang nicht zu den Plänen geäußert.

Die jüngeren Zuschauer werde es nicht mehr wissen, aber es gab Zeiten, da war Johannes B. Kerner der größte Talkmaster im Land. Elf Jahre lang, von 1998 bis 2009 moderierte der 54-Jährige seine eigene, nach ihm benannte Talkshow, und bestimmte dort maßgeblich den Diskurs des Landes mit. Es waren die Jahre unter der Kanzlerschaft Gerhard Schröders, als ein neuer Geist Einzug hielt.

Johannes B. Kerner empfing sie alle

Die zuvor stark getrennten Grenzen zwischen Politik und Boulevard verschwammen in der Berliner Republik, und Kerner war der ideale Gastgeber für diese neuartige Gesprächskultur. Er sprach mit allen: Vom Bundeskanzler bis zum Showstar kam fast jeder Prominente von Rang und Namen in seine Sendung und plauderte mit dem blonden Moderator, der seinen Gästen trotz oder gerade wegen seiner harmlosen Fragen so manches Geheimnis entlockte.

Verona Pooth erklärte an seinem Tisch unter Tränen, wie es zum Bruch mit Bohlen kam, später stritt sie mit Alice Schwarzer über Feminismus. Karl Lagerfeld lästerte hier über Heidi Klum ("Die kennen wir nicht"), Steffi Graf und Andre Agassi sprachen über ihre Liebe. In dieser Talkshow kam es auch zum legendären Eklat um die frühere Nachrichtensprecherin Eva Herman, die sich unglücklich in eine Diskussion um Adolf Hitler und die Autobahn verstrickte - und von Kerner vor laufender Kamera rausgeschmissen wurde. Eigentlich war hier immer was los.

Kerner war zu der Zeit die Allzweckwaffe des ZDF, moderierte nebenbei eine eigene Kochshow, den Jahresrückblick "Menschen" sowie das "Aktuelle Sportstudio" und auch die Fußball-WM 2006. Er wurde seinerzeit sogar als selbstverständlicher Nachfolger für Thomas Gottschalk gehandelt, sollte der in ferner Zukunft auf den Gedanken kommen, "Wetten, das ..?" an den Nagel zu hängen.

Im ZDF talkt jetzt Markus Lanz

Doch dann kam der tiefe Fall des Johannes B. Kerner. Im April 2009 konnten sich der Moderator und das ZDF nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen. Kerner wechselte zu Sat.1 - und erlitt Schiffbruch. Wegen schlechter Quoten wurde seine Show schon nach kurzer Zeit verschoben und 2011 eingestellt.

Mittlerweile arbeitet Kerner zwar wieder für das ZDF, eine eigene Talkshow hat er nicht mehr bekommen. Auch, weil Markus Lanz den Sendeplatz übernommen hat und sehr erfolgreich bedient. 

Bei Magenta TV wird Kerner nun versuchen, an seine alte Tradition anzuknüpfen. Das könnte zumindest mit dem ersten Gast klappen: Laut "Bild" hat sich sein guter Kumpel Jürgen Klopp angekündigt. Und der sorgt immer für Stimmung in der Bude.

Quelle: "Bild.de"