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Karl Dall bei Markus Lanz "Ich dachte, es sei versteckte Kamera"


Karl Dall hat sich bei Markus Lanz über die Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn geäußert. Er habe seine Festnahme zunächst für einen Witz gehalten - und auch Talker Lanz nahm das Thema kaum ernst.
Von Jan Zier

Irgendwas wird hängenbleiben, egal ob schuldig oder nicht. Auch bei Karl Dall. "Auf immer und ewig", sagt er, werde er nun als "Vergewaltiger" gebrandmarkt sein, als "Gewaltverbrecher". Egal, ob es stimmt. Oder ob er, wie er es sagt, eben ein prominentes Stalking-Opfer ist. "Es wird niemals mehr so sein, wie es vorher war", sagt der 72-jährige heute.

Also sitzt er nun im Fernsehen, um fast frei von jeder Komik seine Version der Geschichte zu erzählen, trotz des schwebenden Verfahrens. Also spricht er dieser Tage mit der "Bild", dem "Blick" und der "Zeit", also sitzt er am Mittwochabend in der Talkshow von Markus Lanz. Und sagt doch: Was im Fernsehen gesagt wird, glauben die Leute eh nicht.

Aber Lanz ist einer, der Verständnis für ihn hat - auch wenn man noch nicht weiß, welche Version der Geschichte stimmt. Und Lanz nutzt die Gelegenheit gleich für ein aufklärendes Interview zum Thema Stalking - mit der Moderatorin und Psychotherapeutin Angelika Kallwass, die selbst schon gestalkt wurde.

Vorwürfe gegen Medien und Justiz

Dall war im November in der Schweiz für vier Tage in Untersuchungshaft genommen worden, weil eine 43-jährige Journalistin ihm eine Vergewaltigung vorwirft. Dall ist einer, den man heute einen Comedian nennen würde, aber dafür ist er irgendwie viel zu alt. Doch von dem Komiker, der ständig rumblödelt, seit Jahrzehnten schon, von dem Pausenclown, den die Älteren unter uns noch aus "Verstehen Sie Spaß?" kennen - von all dem ist dieser Tage wenig übrig geblieben.

Traurig sitzt er da. Noch etwas trauriger, als er mit seinem hängenden Augen eh schon aussieht. "Sehr menschenscheu" sei er geworden, sagt Dall, und dass er sich kaum noch raustraue auf die Straße, auf den Weihnachtsmarkt, weil er nicht wisse, was die Leute über ihn denken. Doch, doch, sie lachten schon noch über seine Witze, sagt Dall, und klatschten auch. Aber irgendwie lachen sie jetzt manchmal etwas komisch, denkt er. Er misstraut.

Dass es nun alle wissen, dass es nun überall steht - das habe er nur "einer Indiskretion" der Staatsanwaltschaft zu verdanken, sagt Dall, vermutlich, "höchstwahrscheinlich", in Hamburg, wo der gebürtige Ostfriese heute lebt. Er bestreitet alle Anschuldigungen und hofft auf ein schnelles Ende der in der Schweiz weiter gegen ihn laufenden Ermittlungen.

"Ich bin in eine Falle getappt"

"Ich bin in eine Falle getappt", sagt Dall bei Lanz immer wieder. Die Journalistin habe eine Home-Story über ihn machen wollen, er damit seine aktuellen Shows promoten. Und dann habe sie noch eine zweite Geschichte über ihn machen wollen. Willkommene Reklame, denkt er und trifft sich mit ihr in seiner Hotelsuite. Allein. "Ein riesiger Fehler", sagt er.

"Sehr geschickt" sei sie gewesen, "clever" und "pfiffig", so Dall. Danach sei er von ihr terrorisiert worden, ebenso seine Familie, seine Tochter. Per Mail, am Telefon, manchmal mit verstellter Stimme. Er sieht sich als Opfer einer mehrfach durch Stalking auffällig gewordenen Frau: "Meine Prominenz war ihr Schutz." Von seinen "schlüpfrigen Bemerkungen", die er Ende November in einem Interview mit der Schweizer Zeitung "Blick" zugegeben hatte, sagt er bei Lanz allerdings nichts mehr.

Die Frau behauptet, sie sei im Hotelzimmer von Dall vergewaltigt worden und hält offenbar an ihren Vorwürfen fest. Dall wiederum sagt, die Journalistin habe ihn bedrängt. "Die Dame war sehr offensiv, aber Herr Dall wollte den Avancen nur ein Ende bereiten", so Dalls Anwalt.

Später habe er sich dann bei dem Chefredakteur jenes Verlages, für den sie arbeitet, beschwert, sagt Dall. "Dann war Ruhe." Zwei Monate später erstattete sie Anzeige. Und Dall wird festgenommen, im Theater diskret in Handschellen abgeführt. Er werde kämpfen, sagt Dall - "schließlich bin ich unschuldig".

Drei Kilo weniger und wieder Raucher

Seine Festnahme, erzählt er bei Lanz, habe er zunächst für einen Scherz gehalten. "Ich dachte, es sei versteckte Kamera", sagt der Komiker. Er habe ja früher selbst mal Thomas Gottschalk und Mike Krüger mit einer gespielten Polizeikontrolle reingelegt. "Deswegen dachte ich, das sei so ein ähnliches Ding". Es dauerte wohl einige Minuten, bis ihm klar war, dass es sich um echte Polizisten handelte.

Vier Tage musste er anschließend in Untersuchungshaft verbringen. Dall erzählt von Drogenkontrollen, dass er sich erstmal vollständig entkleiden musste, dass er im Gefängnis drei Kilo abgenommen habe, dass er sechs Zigaretten aufs Haus bekam - und wieder mit dem Rauchen anfing. "Um für eine halbe Minute mein Elend zu vergessen". Und es schmeckte auch noch, sagt er.

Und was sagt Lanz, der Karl Dall "medial an den Pranger" gestellt sieht? "Das Zusammenleben von Männern und Frauen bleibt schwierig". Weniger ernst kann man ein Thema kaum nehmen.


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