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"Chez Krömer" im RBB "Du kannst dich jetzt verpissen": Kurt Krömer empfängt Faisal Kawusi – und bricht die Sendung ab

Faisal Kawusi zu Gast bei Kurt Krömer.
Faisal Kawusi zu Gast bei Kurt Krömer.
© rbb/Carolin Ubl / ARD
Es war ein Eklat vor laufender Kamera: Kurt Krömer konfrontierte seinen Gast Faisal Kawusi mit dessen geschmacklosen Sprüchen und rassistischen Entgleisungen – und verließ dann den Raum.

Kurt Krömer hatte im Verlauf der bisherigen sieben Staffeln seiner Interviewsendung "Chez Krömer" schon oft Gäste geladen, gegenüber denen er eine spürbare Antipathie empfindet. Etwa die AfD-Politikerin Erika Steinbach, den früheren österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache oder zuletzt den Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt. Doch so unangenehm wie in der aktuellen Folge verlief noch kein Gespräch.

In der am 6. Dezember ausgestrahlten Ausgabe (bereits jetzt in der ARD-Mediathek abrufbar) hatte er den Comedian Faisal Kawusi geladen, von dem Krömer ganz offenkundig wenig hält: "Kennt man eigentlich nur wegen eines schlechten Gags bei Instagram", sagte der Moderator bei der Vorstellung seines Gastes, dem er ins Gesicht knallte: "Das wird ja eine richtige Kacksendung heute. Ihre Biografie wäre ein Schnellhefter."

Kurt Krömer im Angriffsmodus

Damit war der Ton gesetzt. Krömer war im Angriffsmodus – ein Großteil der Sendung drehte sich um den eingangs erwähnten Instagram-Kommentar. Der aus Afghanistan stammende Comedian hatte im April dieses Jahres für Empörung gesorgt: Die Musikerin Silvi Carlsson hatte ein geschmackloses Posting der Komikerin Joyce Ilg kritisiert und darunter geschrieben, selbst einmal durch K.O-Tropfen fast gestorben zu sein. Das animierte Kawusi wiederum zu dem Kommentar: Er werde das nächste Mal ihre Dosis erhöhen. Sat.1 beendete daraufhin die Zusammenarbeit.

Kurt Krömer ruft diesen Vorfall noch einmal ausführlich in Erinnerung. Kawusi ist sichtlich genervt. Er habe für seinen Fehler geradegestanden. Für ihn ist das Thema durch. "Und jetzt kommst du sechs Monate später und wirfst nochmal einen Haufen Scheiße", wirft Kawusi Krömer vor.

Das sei eben seine Vita, argumentiert Krömer. Was Kawusi vehement abstreitet: Er verweist darauf, es als Kind einer Flüchtlingsfamilie geschafft zu haben, er sei der erste Afghane, der in der Entertainmentbranche so weit gekommen ist.

Faisal Kawusi wird wütend

Richtig wütend macht ihn die Reduktion seiner Karriere auf diesen einen Vorfall: "Ich hab über 2000 Auftritte hingelegt – das ist doch nicht meine Vita. Das ist ein Kommentar unter einem Kommentar bei Instagram. Das ist das Einzige, was du siehst."

Dass Kawusi sich bei "stern TV" entschuldigte, bezeichnet Krömer als "die typische Reuenummer". Warum er seinem Gast die Reue nicht abnimmt, wird schnell klar: Nach dem Besuch versuchte es Kaiwusi bei Instagram erneut mit einem Gag über K.O.-Tropfen. "Sieht jetzt nicht so aus, als wenn man was gelernt hat", folgert der Moderator.

Es ist leider nicht das einzig Problematische: Krömer zeigt ein Tourplakat des Comedians, das an die tödliche Festnahme von George Floyd 2020 erinnert. "Da will ich die Kunst einfach für sich sprechen lassen", rechtfertig sich Kawusi.

Motsi Mabuse hat er rassistisch beleidigt

Doch bei dem nächsten Vorfall gehen auch ihm die Argumente aus. Krömer erinnert daran, dass sein Gast im Jahr 2017 Motsi Mabuse rassistisch beleidigt hatte. Er sei eben ein Mensch, zieht sich der Beschuldigte nun auf seine objektive Existenz zurück. "Viel suspekter sind für mich Menschen, die so tun, als würden sie keine Fehler machen." - "Aber da ist ja alles voll mit Fehlern", entgegnet Krömer. Der noch lange nicht fertig ist und in Erinnerung ruft, dass Kawusi 2015 den Hamburger Comedy Pokal zurückgeben musste, als herauskam, dass er Gags des kanadischen Comedians Russell Peters geklaut hatte.

Am Ende versucht es Krömer noch einmal grundsätzlich: Man werfe dem Comedian vor, dass seine Witze meist nur aus Klischees und Stereotypen vor allem über Minderheiten bestünden und fragt: "Warum trittst du immer nach unten?"

Der will das nicht recht verstehen. "Ich bin doch selbst ein Kanake" sagt er. Er sei doch unten, gehöre selbst zu einer Minderheit. "Wie kann ich denn nach unten treten?" Überhaupt könne er mit dem Terminus nichts anfangen. "Wer erstellt denn diese Tabelle?"

Kurt Krömer will nicht mehr

Da platzt dem Gastgeber endgültig der Kragen. Krömer hat, wie er sagt, "keinen Bock mehr". Er wird nun grob: "Ich dachte schon den ganzen Tag, dass es absolute Scheiße wird. Wir haben inklusive dir nur Arschlöcher hier."

Und weiter: "Du erzählst nur Scheiße." - "Und das heißt?", fragt der überforderte Gast. "Dass du dich jetzt verpissen kannst." Da Kawusi keine Anstalten macht aufzustehen, verlässt Krömer den Raum und lässt seinen Gast zurück.

Da waren erst 24 Minuten vergangen - vier Minuten musste Krömer vor der Tür noch ausharren. Das Gespräch, das wird deutlich, hat ihm sichtlich zugesetzt. "Heute ist der Tag, wo ich nach Hause gehe und mal gucke, ob ich das Konzept nochmal überdenke."

Die neue Folge von "Chez Krömer" ist bereits jetzt in der ARD-Mediathek zu sehen. Die Sendung wird am 6. Dezember ab 22.15 Uhr im RBB ausgestrahlt.

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