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"Chez Krömer" "Humoristischer Triebtäter" vs. "Nazi": Kurt Krömers sinnlose Schlammschlacht mit HC Strache

Hans-Christian Strache bei Kurt Krömer
Heinz-Christian Strache stellte sich den Fragen von Kurt Krömer.
© rbb/Carolin Ubl / ARD
Den früheren FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hatte sich Kurt Krömer in seine halbstündige Gesprächssendung geladen. Anstelle eines Austausches mit einem Mindestmaß an Niveau wurde es eine Orgie gegenseitiger Beleidigungen - und das lag hauptsächlich am Moderator.

Mit Rechten reden - oder es lieber bleiben lassen? Für beide Positionen gibt es gute Gründe. Es kann sich lohnen, mit Andersdenkenden im Dialog zu bleiben, zu versuchen ihre Position zu verstehen. Man kann aber auch genauso gut zu dem Schluss kommen, einer demokratiefeindlichen Gesinnung keinen weiteren Raum zu geben.

Kurt Krömer hat sich dazu entschieden, Politikerinnen und Politiker, die am rechten Rand angesiedelt sind, in seine Sendung einzuladen. In der Verhörzelle bei "Chez Krömer" nahm er bereits Erika Steinbach und die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry in die Mangel. In der neuen Folge versuchte er sich an dem früheren FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Und scheiterte auf ganzer Linie - weil er sich gerade nicht für eine der beiden Alternativen - Ausgrenzung oder echten Dialog - entscheiden wollte.

Kurt Krömer wird beleidigend

Schon der Beginn war eher von Rauflust denn von Erkenntnisinteresse geprägt. "Sind Sie froh, dass Sie wieder Heim im Reich sind?", fragte er seinen Gast aus Österreich. Es war der erste von vielen plumpen Versuchen, seinem Gegenüber eine Nazi-Gesinnung zu unterstellen. Er bezeichnete den Ex-Vizekanzler im Laufe der 30 Minuten als "lupenreinen Nazi, aber ohne Hakenkreuz", "stark Rechtsradikal, ohne Nazi zu sein" und ordnete ihn dem "linken Flügel der NSDAP" zu.

All die Etiketten wurden leider nur ungenügend begründet - dabei wäre es wirklich nicht schwer gewesen, Strache hochproblematische, rechtsextreme Positionen nachzuweisen. 

Doch so konnte Strache die meisten Anwürfe mühelos parieren. Er sei kein Sozialist und kein Extremist - ergo auch kein Nazi. Von Adolf Hitler distanzierte er sich treuherzig und flötete, er habe kein Problem mit Menschen, "gleich woher sie kommen". 

Heinz-Christian Strache schlägt zurück

Da kam für einen kurzen Moment sogar Kurt Krömer ins Grübeln: "Sind Sie denn der HC Strache aus Österreich oder haben wir uns in der Klingel geirrt?", fragte er seinen Gast. Und machte weiter mit Unterstellungen der billigsten Art. Ob er was mit dem langjährigen FPÖ-Chef Jörg Haider gehabt habe, wollte er ernsthaft wissen. "Kann ja sein, dass Sie sich da hochgebumst haben." 

Spätestens da war klar, dass ein zivilisiertes Gespräch nicht möglich sein würde. Strache schaltete in den gleichen Modus und überzog sein Gegenüber ebenfalls mit sinnlosen Vorwürfen. Krömer sei ein Stalinist, ein "humoristischer Triebtäter gegen alles, was nicht links ist".

Es war eine traurige halbe Stunde, und das lag zum großen Teil an Kurt Krömer. Der verließ am Ende den Verhörraum. Ohne seinen Gast zu verabschieden. Kein Handschlag, nichts. Beide traten auch nicht noch einmal gemeinsam vors Publikum, wie in der Sendung üblich.

Michelle Obama prägte einmal für den Umgang mit politischen Gegnern die Formulierung: "When they go low, we go high". Kurt Krömer wählte einen anderen Weg. Sein Motto schien eher: How low can you go?

Die aktuelle Folge von "Chez Krömer" gibt es in der ARD-Mediathek

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